Edgar Mann – Fadensonnen im Fokus

Mitschnitt einer Veranstaltung mit dem Verein Freunde der Tonkunst und Musikerziehung e.V.


(nmz) -
„Es sind noch Lieder zu singen jenseits der Menschen“: diese Zeile entstammt dem Gedicht „Fadensonnen“ von Paul Celan, dessen Ruf nach Vertonung bereits kompositorischen Widerhall innerhalb der zeitgenössischen Musik gefunden hat. In diesem Fall ist die Dichtung namengebend für den Tonträger des Aalener Komponisten Edgar Mann.
Ein Artikel von Charlotte Kubiak

Die CD präsentiert mit insgesamt 12 Stücken einen Querschnitt des musikalischen Schaffens des Komponisten. In Zusammenarbeit mit dem kongenialen Produzenten Daniel Bengesser, der auch für Aufnahme, Mischung und Mastering verantwortlich zeichnet, ist mit Solo-, Ensemblestücken und Liedern für Holzblas-, Streich-, Perkussionsinstrumente, Klaviere und Singstimme ein kammermusikalisches Portrait Edgar Manns entstanden.

Während das Jugendwerk „Trois Poèmes Lyriques“ noch als Rudiment einer an Lehrsätzen orientierten Komposition gelten darf, geben die anderen der ausgewählten Stücke Zeugnis einer Emanzipation des Komponisten, die ihn über tradierte Tonsetzung und Spielweisen hinaus und hin zu einer eigenen, gegenwartsorientierten Klangsprache führt, aus deren reichem Vokabular nun seine Musik schöpft. Den Werken liegt eine innere Ordnung zugrunde, welche die vielbeschrittenen Pfade alter Kompositionstechniken weitergeht und gleichsam neue, von Edgar Mann selbst gangbar gemachte Wege beschreitet. Zutreffend lässt sich hier wohl von moderner kompositorischer Selbstbestimmtheit sprechen.
Inspiriert von Poesie, Theater, Natur und der Musik anderer, klingt noch nie Gehörtes an und wächst sich aus; beispielsweise zum freiheitlichen Klang der „Aria Celeste“, dem ersten Stück der CD, dessen Loslösung von der Regelmäßigkeit einer sich in Dur- und Molltonarten mitteilenden Musik hörbar macht, was Edgar Mann antreibt: die Neugier eines Kundigen, eines Komponisten, der sein musikalisches Schaffen durchaus auch als erlerntes Handwerk verstanden wissen will.

Jenes Neuartige findet sich auch in der computertechnisch erzeugten Tonspur, die „Aus dem wogenden Meer der Menge“ dringt. Das Stück basiert auf einer Partitur, deren Anweisungen in bloßer Textform den Pianistinnen gestalterische Eigenmacht und damit Momentaufnahmen spontaner Kreativität erlauben.
Manns Vertonung des Gedichts „Fadensonnen“ gemahnt an das Summen eines in träumerischem Spiel versunkenen Kindes, und es sind harfenähnliche Klänge, die dem Flügel entlockt werden; übrigens über den stummen Anschlag der Tasten und gleichzeitiges Streichen der Saiten.

Die 17 internationalen jungen Musikerinnen und Musiker tragen ihre Anteilnahme und Freude an der Musik des Komponisten in ein makelloses Spiel hinein, das die ätherische Eleganz des transparenten Klangteppichs von Stücken wie „Psalm der Nacht“ oder „Beiseit“ und gleichwohl die emotionale Dichte massiver Klangwerke wie „Vor den Pforten der Unterwelt“ zu artikulieren versteht. Trotz ihrer entstehungsgeschichtlichen, inspiratorischen und musikalischen Unterschiede ist den Stücken jedenfalls ein gefühlvolles Selbstverständnis gemeinsam, das sich aus der tiefgreifenden ursprünglichen Übereinstimmung all dessen speist, das seiner klingenden Wirklichkeit staunend gewahr wird. Edgar Mann lässt uns mit „Fadensonnen“ also weniger Lieder jenseits der Menschen hören, als vielmehr Musik, die das genuin Menschliche aufspürt und lediglich jenseits seines Fundortes dem Wirkungskreis einer diesseitigen zwischenmenschlichen Klangsphäre überantwortet.  

CD erhältlich bei Edgar Mann, edgar_mann@web.de
oder
MusikA Aalen, Bahnhofstraße 1+3, 73430 Aalen, Tel. 07361/558 10

Ausstattung: Spielzeit 63 Minuten, 6-seitiges Digipack, 28-seitiges Booklet, Preis: 17,90 Euro, mit Versand 19,90 Euro
Produktion: Edgar Mann und Daniel Bengesser
Aufnahme, Mischung, Mastering: Daniel Bengesser; www.circuit-music.de
Vorschau und weitere Informationen unter www.edgarmann.de 

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