Eine (Musik-)Schule für alle

Eine Tagung in der Musikschule der Stadt Neuss


(nmz) -
Die Tagung „Eine (Musik-) Schule für alle – Musikalische Bildungsarbeit und Instrumentalunterricht in der Ganztagsschule“ hat die Ergebnisse eines zweijährigen Forschungsprojektes „Gemeinsam unterwegs – Lernen im instrumentalen Gruppenunterricht“ in der Musikschule der Stadt Neuss vorgestellt: ein Gemeinschaftsprojekt des Landesverbands der Musikschulen NRW und der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Der Landesverband und die Hochschule präsentierten dabei auch die neue Website www.instrumentaler-gruppenunterricht.de, die es Interessierten ermöglicht, erprobte Modelle passend zum eigenen Bedarf und zu den eigenen Rahmenbedingungen aufzufinden. Dazu gehören neue Formen instrumentaler Gruppenarbeit aller Art, die Projektarbeit von Musikschulen ebenso wie Kooperationsmodelle mit allgemein bildenden Schulen. Finanziert wurde das Projekt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW.
Ein Artikel von Robert von Zahn

Kulturstaatssekretär Bernd Neuendorf wies in seinem Grußwort auf die Bedeutung der musikalischen Bildung hin. „Unser Ziel ist es, möglichst vielen Kindern in Nord-Rhein-Westfalen attraktive Angebote der musikalischen Bildung zu machen. Dabei soll die Kompetenz der Musikschulen stärker genutzt werden“, so Neuendorf. Das Land unterstütze bereits viele Modellprojekte zur musikalischen Grundbildung. „Wir haben damit eine breite Basis für zukunftsfähige Konzepte musikalischer Bildung in Kooperation von Schulen und Musikschulen gelegt“, erklärte der Staatssekretär.

Peter Röbke von der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien plädierte in seinem Eröffnungsvortrag für Unterrichtsformen, die eine Lernwelt als soziales System schaffen. In dieser Lernwelt sollen Lernende und  Lehrende durch individuelle Bezüge miteinander verbunden sein. Anhand der Arbeit des österreichischen Gitarrenlehrers Christian Hauer entwickelte Röbke Umrisse einer „Community of Practice“, die vom Wechselspiel zwischen Oldtimer und Newcomer lebe und in der der Lehrende weniger Instrukteur als der Erfahrenste unter den Musikern sei. Im Vordergrund müssten stets die Lernwelten und Lebenswelten stehen. Zudem wandte sich Röbke gegen die Vorstellung, dass der Lehrende der Urheber des Lernens sei, und wies darauf hin, wie selten man bei der Befragung eines Künstlers feststelle, dass dieser sein Leben lang systematisch gelernt und geübt habe. Unsystematisches Lernen sei die Regel, woraus Röbke den besonderen Wert einer Kombination von verschiedenen Lernmodellen ableitete.

Damit war er sich einig mit dem zweiten Hauptreferenten des Tages ,Heinz Geuen, der als Prorektor der Hochschule für Musik und Tanz Köln auch am Forschungsprojekt „Lernen im instrumentalen Gruppenunterricht“ beteiligt ist. Auch Geuen sprach sich für eine Vielfalt von Unterrichtsformen im Zuge von Kooperationen aus. Deren Hauptfeld ist in NRW der Offene Ganztag; Geuen konnte anhand einiger Studien nachweisen, dass das System der Ganztagsschule in Bezug auf die Musik durchaus zu positiven Ergebnissen geführt hat. Gleichzeitig zeige sich aber der Nachmittag der OGS auch als eine Schnittmenge von Defiziten bei den Akteuren Musikschule, Vereine und Schule und werde von diesen oft als ausschließendes System empfunden. Diese Paradoxie zeige, wie wichtig es sei, Regeln für Kooperationen, Mustermodelle, Vernetzungsverstärkungen und neue Inhalte für Aus-, Fort- und Weiterbildung zu finden. Geuen sieht die Aufgabe der allgemein bildenden Schule im Schaffen eines Raums für musikalische Bildungsangebote. In diesen Raum muss die Schule „Drehtürmodelle“ einbauen, in die interne Kommunikation der Schule müssen die Musikschulkollegen einbezogen werden. Die Musikschule hingegen müsse bereit sein für didaktische Innovationen, auch im Unterrichten von heterogenen Gruppen, so Geuen. Und sie müsse alle Bereiche der musikalischen Arbeit in Schulen mitentwickeln.

In einer Podiumsdiskussion versuchten Thomas Baerens (Musikreferatsleiter im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW), Wilfried Bentgens (Leitender Regierungschuldirektor in der Bezirksregierung Düsseldorf), Eva Dämmer (Leiterin der Musikschule Haan), Michael Dartsch (Hochschule für Musik Saar), Peter Röbke und Antje Weiler (Leiterin der Integrierten Gesamtschule Paffrath), Lösungsansätze für die Probleme von Bildungskooperationen in NRW zu finden. Andreas Genschel (Stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands der Musikschulen) steuerte die Diskutanten als Moderator zu den verschiedenen Hürden, unter denen die Vielzahl an neuen Anforderungen, die auf die allgemein bildenden Schulen seit einigen Jahren niedergehen, die größte zu sein scheint.

Stephanie Buyken, Ursula Schmidt-Laukamp und Heinz Geuen stellten das Forschungsprojekt selbst vor. Anschließend waren die Tagungsteilnehmer zu praktischer Gruppenarbeit eingeladen, in der sie sich über praktische Lehrerfahrungen austauschten. Für Musik und die Demonstration einer musikalischen Übermittag-Betreuung sorgten Schülerinnen und Schüler der Eduard-Hoffmann-Realschule Bad Salzuflen unter Leitung von Stephan Otters. Volker Gerland, Vorsitzender des Landesverbands der Musikschulen, kündigte an, dass Verband und Hochschule nicht nur die Website stetig weiter entwickeln wollen, sondern auch die Modelle des Unterrichtens selbst und ihre Kombinationsmöglichkeiten vorantreiben möchten.

Robert von Zahn (Landesmusikrat NRW)

Musiksschule

Ein wirklich wichtiges Projekt. Allerdings sollte unbedingt der Jazz stärker berücksichtigt werden. Dies geht auch schon im instrumentalen Anfangsunterricht: Spielen nach Gehör und nicht nach Noten, leichtes Improvisieren und natürlich das Zusammenspiel. Gerade dafür ist ja der Gruppenunterricht wichtig.


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