Einmal Los Angeles und zurück

Die Doku „Könige der Welt“ über das Revival der Band „Union Youth“ im Kino


(nmz) -
Es waren einmal vier Jungs Anfang 20, die sich in der niedersächsischen Provinz aus zwei Bands kommend zusammentaten: das war im Jahr 2000 in Bad Bentheim. Man gab sich Künstlernamen: Matthias Exler wurde zu Maze Valentin, Michael Borwitzky kurz zu Bowy, Bassist Nobse Kues zu Nosse K. und der zweite Gitarrist Jan van Triest zu Jon Orion.
Ein Artikel von Ursula Gaisa

Der Sound von „Union Youth“, so nannten sie sich fortan, ist heavy, rau und grungig, Sänger Maze erinnert sowohl von Stimme als auch Attitüde her an Kurt Cobaine. Rotzfrech verschicken sie Demo-CDs an alle angesagten Plattenlabels, auch US-amerikanische. Auf gelbe Zettel kritzeln sie dazu: „Wir versprechen, die beste Rockband aller Zeiten zu werden. Wenn ihr das nicht glaubt – fuck off!“

Was absolut unmöglich scheint, wird wirklich wahr. Fred Dursts (Limp Bizkit) Plattenfirma zeigt Interesse, sie bekommen vier Tickets nach L.A., spielen vor Superstars, fahren in Limousinen, sitzen in Bars zusammen mit Robbie Williams und Josh Homme. Alle sind stockbegeistert: „Deutsche Band, total jung und aus’m Kaff – das hat‘s vorher nicht gegeben, auch heute eigentlich nicht. Wir waren Könige, wenigstens für ein paar Tage“, so ein Bandmitglied im Film.

Aber als es dann daran geht, einen Plattenvertrag abzuschließen, kneift Frontmann Maze, alles wird ihm jetzt schon zu viel: zu viel Geld, zu viele Partys, zu viele Drogen. Bandkollege Bowy ist stinksauer. Trotzdem bleibt man als Band zusammen. Zurück in Deutschland hat es sich herumgesprochen, welchen Erfolg sie in Amerika hatten, beziehungsweise hätten haben können. Jetzt können sie sich auch hier eine Plattenfirma aussuchen. 2002 erscheint ihre erste LP mit dem Titel „The Royal Gene“ bei Eastwest Records. Es folgen Jahre im Probenraum und auf Konzerten, ein weiteres Album mit dem Titel „The Boring Years“ erscheint 2005. Vor den Konzerten betrinkt man sich, Maze schlägt mit Gitarren um sich, das Verhältnis untereinander wird zunehmend schwieriger: „Es war Krieg“. Am 1. Januar 2006 verkündet die Band das Aus. Für Sänger Maze wird es am schlimmsten: „Das war ein tiefer Schlag, weil diese Band trotz allem mein Leben war.“ Jahrelang hören die Bandmitglieder, die auch einmal enge Freunde waren, nichts voneinander.

2015 sitzen die Filmemacher Christian von Brockhausen, ein enger Freund des ehemaligen Schlagzeugers Michael Borwitzky, und Timo Großpietsch zusammen vor einem Union- Youth-Poster und möchten wissen, was eigentlich aus den Bandmitgliedern geworden ist. Die Idee zu einem Film entsteht. Zeitgleich schreibt Maze mit dem früheren Live-Tontechniker Ole Fries an neuen Songs. „Bowy“ und ein alter Bekannter am Bass, Markus Krieg, treffen sich zu ersten Proben. Man will es unter einem anderen Namen, „Pictures“, noch einmal, aber anders wieder versuchen. Aber schon ganz am Anfang wird klar, dass bei Sänger Maze etwas ganz und gar nicht stimmt. Er ist inzwischen schwerst depressiv und abhängig von Alkohol und weiteren Drogen. Das Band- und das Filmprojekt stehen auf der Kippe. Maze Exler geht in eine Entzugsklinik in Brandenburg – auf‘s Land. Wir schauen ihm zu, wie er langsam wieder auf die Beine kommt, über ein halbes Jahr verbringt er dort, bekommt Besuch von Bowy und Ole, trifft eine junge Frau, zu der er später zieht … Auch die anderen beiden früheren Freunde aus Union-Youth -Zeiten, Nobse Kues und Jan van Triest, der inzwischen als Ein-Mann-Betrieb Gitarreneffekt-Pedale herstellt, kommen zu Wort. Diese neuen Interviews und Gespräche werden effektvoll und geschickt mit Rückblicken und altem Ton- und Bildmaterial gemischt. Heraus gekommen ist ein melancholischer und doch positiver Dokumentarfilm über Freundschaft, Jugend, Rausch und natürlich Musik, die alles zusammenhält und einen Neuanfang ermöglicht. Vorgestellt wurde er bereits 2017 auf der Berlinale, ab 17. Juli 2018 läuft er jetzt in ausgewählten deutschen Kinos. Ein Stück deutscher Rock-Pop-Geschichte und absolut sehenswert.
  

Das könnte Sie auch interessieren: