Exemplarisch

Zum Tode von Georg Knepler


(nmz) -

Am 14. Januar 2003 ist der Musikwissenschaftler Georg Knepler in Berlin im Alter von siebenundneunzig Jahren gestorben. Politische Überzeugung, musikalische Praxis und wissenschaftlicher Elan fanden bei ihm in bemerkenswerter Intensität zusammen und machten den am 21. Dezember 1906 in Wien Geborenen zu einer exemplarischen Figur. Dass Georg Knepler nach seiner Emigration 1934 nach England und der Rückkehr nach Wien 1946 sich schließlich in Ost-Berlin niederließ, kann aus seiner biographisch-politischen Linie erklärt werden. Stets hat er sich als antibourgeoiser Linker verstanden, nicht als Anarchist oder radikaler Avantgardist, sondern als Mann der Parteilichkeit, vielleicht sogar der Partei. Als Persönlichkeit aber drängte Knepler über solche Klassifizierungen entschieden hinaus, wurde zu einer epochalen Erscheinung. Er promovierte über Brahms, studierte Klavier bei Eduard Steuermann, Komposition und Dirigieren bei Hans Gal. Aber der Musiker Knepler hatte mit der Moderne, also der Schönberg-Schule, wenig im Sinn. Sein Abgott wurde Karl Kraus, ästhetisch wie politisch konservativer als es manche seiner Verehrer wahrhaben wollen – was der Bedeutung des Wiener Satirikers ja kaum Abbruch tut. Knepler jedenfalls avancierte zum Klavierbegleiter von Karl Kraus bei dessen Offenbach-Aufführungen.

Ein Artikel von grk

Nach Ost-Berlin ging Georg Knepler 1949, wo er 1950 die Musikhochschule gründete. Von 1959 bis 1970 lehrte er an der Humboldt-Universität. Dogmatische Züge waren seinem Wesen und seinen Auffassungen nicht fremd, ganz von der Parteilinie weichen wollte er nicht. Einmal wetterte er, seltsam staatstreu, gegen den Jazz als eines der „wirkungsvollsten unter den zahlreichen amerikanischen Rausch- und Giftmitteln”. Von den diversen Büchern des Mozart-Jahres 1991 waren seine „Annäherungen” wohl das wichtigste, wirkungsreich vor allem im Beharren auf der Einheit des Dramatischen und Symphonischen, der „Dramatisierung der Oper durch Symphonik” und vice versa – auf der latenten Theatralik der „absoluten” Musik also.

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