Für musikalische Bildung an Schulen

Der Bundesverband Musikunterricht · Vorgestellt von Michael Pabst-Krueger


(nmz) -
Wie sieht die Situation heute, drei Jahre nach der historischen Verbändeverschmelzung von VDS und AfS, aus? Wie ist der BMU heute aufgestellt? Welche Ziele konnten bereits erreicht werden?
Ein Artikel von Michael Pabst-Krueger

Dieser Beitrag soll einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung hin zum BMU, vor allem aber einen Einblick in die aktuelle Arbeit und einen Ausblick auf die nächs­ten Vorhaben des BMU geben, die stets dem zentralen Anliegen einer umfassenden musikalischen Bildung an Schulen verpflichtet sind.

Gründung und Startphase

Nach einigen Jahren der Annäherung der Verbände war spätestens nach dem gemeinsam durchgeführten 1. Bundeskongress Musikunterricht 2012 in Weimar und dessen überwältigender Resonanz bei allen Beteiligten klar, dass nur mit einem gemeinsamen Verband erfolgreich und effektiv für den Erhalt und die Qualität musikalischer Bildung an Schulen in ihrer gesamten Breite gearbeitet werden kann: Die vorhandenen Parallelstrukturen mehrerer Verbände mit sich immer stärker annähernden Zielsetzungen erwiesen sich als zunehmend hinderlich zum Erreichen der gemeinsamen Ziele. Bestärkt wurden die Beteiligten in ihrem Bestreben eines Zusammenschlusses von nahezu allen Partnerorganisationen und Beteiligten am Musikleben.

Der Bundesverband Musikunterricht (BMU) wurde am 20. September 2014 in Leipzig gegründet und arbeitet nun seit mehr als drei Jahren aktiv und erfolgreich für musikalische Bildung an Schulen: Bund und Länder engagieren sich in wichtigen bildungspolitischen Fragen, zahlreiche Fortbildungen werden durchgeführt, Wettbewerbe ausgelobt und veranstaltet, im Rahmen des BMU-Festivals „Schulen Musizieren“ finden spektakuläre Begegnungen statt und große Bundeskongresse begeistern regelmäßig mehr als 1.500 Teilnehmende – der nächste wird 2018 in Hannover stattfinden. Es wurden bereits Grundsatzpapiere verfasst und an deren Umsetzung gearbeitet, eine große Umfrage zur Inklusion gestartet, zahlreiche Publikationen erstellt, mehrere Kooperationen vertieft und neue beschlossen. Das Projekt der alten Musiklehrerverbände AfS und VDS, künftig unter einem Dach zu arbeiten, hat sich damit in jeder Hinsicht bewährt: Durch die Neugründung des BMU konnten die Kräfte, Erfahrungen und Potentiale beider Altverbände nicht nur addiert, sondern vielfach potenziert werden.

Verbandskonzeption

Ausgehend von der Voraussetzung, dass Bund und Länder in ihren spezifischen Aufgabenfeldern jeweils autonom agieren können, ist die Grundidee zur Verbandskonzeption sehr einfach und klar: Sämtliche Entscheidungen werden jeweils dort gefällt, wo die entsprechenden Aufgaben anfallen und bearbeitet werden: In den Landesverbänden werden Länderthemen besprochen, beschlossen und umgesetzt, etwa bezüglich der Landeskongresse, Fortbildungen, Schülerbegegnungen und besonders bildungspolitischer Positionierungen. Auf Bundesebene werden gemeinsame länderübergreifende Positionen und Aktionen erarbeitet und abgestimmt sowie die bundesweiten Veranstaltungen geplant und durchgeführt. Dementsprechend werden die Landesvorstände von der jeweiligen Landesmitgliederversammlung, der Bundesvorstand von der Bundesmitgliederversammlung gewählt und kontrolliert.

Auch im Bereich der Finanzierung agieren die einzelnen Untergliederungen völlig eigenständig und voneinander unabhängig. Die Mitgliedsbeiträge werden hierzu nach einem nur einvernehmlich festzulegenden Schlüssel aufgeteilt und von den Landesverbänden akquirierte Drittmittel und Spenden stehen ausschließlich dem jeweiligen Landesverband zur Verfügung. Zeichen einer guten Verbandsgemeinschaft zwischen Bundes- und Länderebene ist nicht zuletzt auch ein gemeinsamer Fonds, der zur Finanzierung außergewöhnlicher Maßnahmen außerhalb des jeweiligen Haushalts zusätzlich in Anspruch genommen werden kann.

Zur regelmäßigen Umsetzung eines bundesweiten Dialogs sowie der länderübergreifenden Unterstützung und permanenten Evaluation aller gemeinsamen Aktivitäten treffen sich Vertreter aus Bund und Ländern einmal jährlich zu einem mehrtägigen Dialogforum Bund–Länder. Die von diesem Forum ausgehenden Impulse werden im Anschluss von den Beteiligten entsprechend der jeweiligen regionalen Bedingungen und Anforderungen angepasst und inhaltlich ausgestaltet. Dabei geht die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern über die gegenseitige inhaltliche Unterstützung weit hinaus, denn es werden auch gemeinsam Perspektiven und Strategien für die verschiedenen Arbeitsbereiche entwickelt. Außerdem gibt es jederzeit die Möglichkeit Sonderprojekte durchzuführen.

Bildungspolitische Zielsetzungen

Als zentrale satzungsgemäße Ziele verfolgt der BMU die Förderung der musikalischen Bildung, des Musiklebens und der musikalisch-künstlerischen Arbeit in allen Schularten, -formen und -stufen sowie einer qualifizierten Aus- und Fortbildung entsprechender Lehrkräfte. Hierbei wird das Zusammenwirken der verschiedenen Akteure im Bereich des Musiklebens und der Bildung als zentrale Gelingensbedingung angesehen. Jene soll in einem ersten Schritt durch entsprechende Kooperationen umgesetzt, perspektivisch jedoch über ein Gesamtkonzept musikalischer Bildung erreicht werden.

Seine bildungspolitische Zielsetzung hat der neu gegründete Bundesverband Musikunterricht in seinem Grundsatzpapier „Für musikalische Bildung an Schulen – Agenda 2030“ verankert und sich darin zu den wichtigsten Handlungsfeldern im bildungspolitischen Kontext positioniert: „Musik im gesellschaftlichen Kontext“, „Zur Situation des Musikunterrichts“ und „Zur Situation der Musiklehrerbildung“ werden analysiert und den grundlegenden Zielen jeweils entsprechende Perspektiven aufgezeigt. Die „Bildungspolitische Agenda 2030“ beschreibt anschließend die sich hieraus ergebenden Aufgaben, die in den kommenden Jahren auch in Zusammenarbeit mit den Partnern in Politik, Schulen und Hochschulen sowie den Partnerverbänden bearbeitet werden sollen (vgl. BMU-Positionen 9/2016, die auf der Website des BMU unter „Publikationen => BMU-Positionen“ als PDF verfügbar sind).

Konkret stellt der BMU seine fachliche Expertise zum Beispiel bei der Erstellung und Fortschreibung von Lehr- und Bildungsplänen sowie von Studienplänen für die Musiklehrerbildung an den verschiedenen Ausbildungsinstitutionen zur Verfügung. Neben der qualitativen und quantitativen Weiterentwicklung der Nachwuchsarbeit im „Jungen Forum Musikunterricht“ (JFM) soll auch die notwendige Vernetzung der drei Lehrerbildungsphasen entsprechend des Leitbildes eines lebenslangen Lernens qualitativ abgesichert werden. Dazu fördert und fordert der BMU Fort- und Weiterbildungen in hoher fachlicher und didaktischer Qualität als selbstverständlichen Teil der Berufspraxis, die von den Bildungsträgern (auch finanziell) ermöglicht und sichergestellt werden.

Ein wichtiges Thema für den BMU ist zudem die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Musiklehrer/-innen aller Schularten und -formen – sowohl im Hinblick auf ausreichende Versorgung mit Lehrkräften, auf Arbeitszeit und Unterrichtsverpflichtung, Arbeitsbelas­tung, Anrechnung der schulischen Ensemblearbeit, als auch bezüglich Musikraumausstattung sowie Material und Personal für die Arbeit in der Inklusion.

Aktivitäten und Projekte

In der konkreten Arbeit werden die Ziele des Bundesverbandes Musikunterricht in einer Vielzahl von Projekten und Kooperationen, über die Mitarbeit in Dachorganisationen und internationalen Gremien sowie durch Service- und Dienstleistungen für die Mitglieder realisiert:

Die alle zwei Jahre stattfindenden Bundeskongresse Musikunterricht sind mit regelmäßig 1.200 bis 1.600 Teilnehmenden und über 400 Veranstaltungen die europaweit größten musikpädagogischen Fachkongresse. Neben einem umfangreichen Fortbildungsangebot umfassen diese Kongresse jeweils auch fachspezifische und bildungspolitische Diskussionen, Konzerte und Begegnungen sowie eine große Verlags- und Instrumentenausstellung. Sie dienen damit der Weiterqualifizierung der Kolleginnen und Kollegen ebenso wie der Weiterentwicklung des Fachdiskurses und der öffentlichen Sichtbarmachung der Potenziale musikalischer Bildung an Schulen.

In den zwischen den Bundeskongressen liegenden Jahren werden zudem von vielen Landesverbänden Landeskongresse und musikpädagogische Tage ausgerichtet. In den Ländern engagiert sich der BMU außerdem im Bereich von Fortbildungsveranstaltungen zu speziellen Themen. Dies geschieht oftmals in Kooperation mit Landesbildungsinstituten, Partnerverbänden oder Verlagen.

Ein weiteres Großprojekt ist „Schulen musizieren“, welches aus einer alle zwei Jahre stattfindenden Bundesbegegnung und hiermit verbundenen, in den dazwischenliegenden Jahren stattfindenden, Regional- und Landesbegegnungen besteht, aus denen sich die Teilnehmerensembles der Bundesbegegnung rekrutieren. Alle diese Veranstaltungen haben echten Begegnungscharakter, indem Schulensembles aus verschiedenen Ländern zusammen Konzerte gestalten, vielfach aber auch gemeinsam musizieren und in gemischten Besetzungen an Workshops teilnehmen.

Eine größere Zahl musikpädagogischer Wettbewerbe und Preise, die vom BMU ausgerichtet, vergeben oder teilweise auch nur unterstützt werden, dient der speziellen Förderung einzelner Bereiche musikalischer Bildung oder der in diesem Feld tätigen Menschen, unter anderem der Wettbewerb „musik gewinnt! – Musikalisches Leben an Schulen“, der „Bundeswettbewerb Schulpraktisches Klavierspiel“, der „Bundeswettbewerb Klassenmusizieren“, der „Hochschulwettbewerb Musikpädagogik der Rektorenkonferenz der Deutschen Musikhochschulen“ und der „BMU-Medienpreis“.

Unter dem Namen „Junges Forum Musikunterricht“ (JFM) arbeitet die Nachwuchsorganisation des BMU, die einen sehr wichtigen Bereich der Verbandsarbeit bildet: Jeder Landesvorstand und der Bundesvorstand hat jeweils ein Mitglied mit dem Aufgabenbereich JFM, sodass die Interessen und besonders auch die Sichtweisen der jungen Kolleginnen und Kollegen in alle Entscheidungen einbezogen werden. Die wichtigsten Projekte des JFM sind die Konzeption eigener Angebote bei den Bundes- und Landeskongressen (die stets von allen Altersgruppen besucht werden können) sowie die Schaffung von Netzwerken von Studierenden, Referendaren und jungen Musiklehrkräften.

Für die Mitglieder kostenfrei gibt der BMU alle zwei Jahre einen umfangreichen Kongressband „musikunterricht“ mit sowohl unterrichtspraktischen als auch wissenschaftlichen und bildungspolitischen Beiträgen heraus. Die ebenfalls kostenfrei verteilte Mitgliederzeitschrift „musikunterricht aktuell“ bietet neben Informationen zu den Projekten und Veranstaltungen des Verbandes stets auch unterrichtspraktische, fachdidaktische, fachwissenschaftliche Artikel und Diskussionsbeiträge.

Für seine Mitglieder hat der BMU eine Reihe von Sonderkonditionen bei Verlagen und Versicherungen ausgehandelt, wodurch diese viele Fachzeitschriften und Instrumentenversicherungen zu vergünstigten Preisen erhalten können. Auch bei sämtlichen Kongressen und Fortbildungen des BMU zahlen Mitglieder deutlich ermäßigte Teilnahmegebühren. Noch günstiger ist die Mitgliedschaft für Studierende bis 27 Jahre, denn diese ist kostenfrei und enthält dennoch sämtliche Vorteile der Vollmitgliedschaft.
Im Sinne eines Gesamtkonzeptes musikalischer Bildung initiiert, verfolgt und realisiert der BMU eine Vielzahl gemeinsamer Aktionen, Projekte und Kooperationen mit Partnerverbänden und Institutionen. Diese betreffen sowohl die Länder- als auch die Bundesebene. Exemplarisch sei hier die intensive Zusammenarbeit mit dem Verband deutscher Musikschulen (VdM) in der bildungspolitischen Arbeit und bei den Kongressen beider Verbände genannt, die mit dem einmal jährlich stattfindenden „Hamburger Convent“ auch einen formalen Rahmen besitzt. Ferner gibt es seit vielen Jahren eine Kooperation mit der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), die mit der Gründung des „Ersten bayerischen Realschulstreichorchesters“ erst kürzlich eine neue Konkretisierung gefunden hat – ein Projekt, das mittelfristig auch in anderen Bundesländern umgesetzt werden kann.

Auch in Dachverbänden des Musiklebens und der kulturellen Bildung sowie international tätiger Organisationen engagiert sich der BMU mit den Zielen, einerseits die Vernetzung mit potenziellen Partnern im Bereich musikalischer Bildung zu intensivieren und andererseits den anderen Akteuren im Gesamtbereich des Musiklebens die besonderen Belange des Musiklebens und des Musikunterrichts an Schulen immer wieder deutlich zu machen. Explizit zu nennen sind hier die Mitarbeit im Präsidium und im Fachausschuss Bildung des Deutschen Musikrats, die Mitwirkung im Fachausschuss Bildung des Deutschen Kulturrats und die Beteiligung an den internationalen Kongressen der European Association for Music in Schools (EAS). Im Rahmen der jährlich stattfindenden EAS-Conference hat der BMU 2015 ein europäisches Netzwerk der Musiklehrerverbände initiiert, welches derzeit weiter ausgebaut wird und bereits auf großes Interesse bei den Partnerverbänden im europäischen Ausland gestoßen ist.

Ausblick und Einladung

Nach inzwischen mehr als dreijähriger Arbeit des Bundesverbandes Musikunterricht ist über fortwährende Diskussionen aus unterschiedlichen Blickrichtungen, diversen Ansätzen sowie konkreten Positionen ein vielfältiges Bild und komplexes Verständnis von musikalischer Bildung an Schulen entstanden. Im Rahmen der Umsetzung der Agenda 2030 werden aktuell Meilensteine für das Erreichen der kurz- mittel- und langfristigen bildungspolitischen Ziele des BMU entwickelt und hierbei auch die Föderation der musikpädagogischen Verbände und weitere Partner einbezogen.

Als offener Verband, der transparent arbeitet und konstruktive Dialoge führt, lädt der Bundesverband Musikunterricht alle diejenigen, die sich für musikalische Bildung an Schulen einsetzen, sehr herzlich zur Mitarbeit ein, sei es als Mitglied und Unterstützer/-in vor Ort, als Mitwirkende/-r bei Veranstaltungen oder gerne auch als Mitglied in einem der Vorstände – denn letztlich sind es die Menschen, auf die es ankommt. 

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