Gemeinsam gegen den Hass

Benefizkonzert vom 1. April 2022 im Rubinsteinsaal München


(nmz) -
Das stärkste Zeichen gegen den Hass ist die Gemeinschaft. So trafen sich am 1. April im Münchner Rubinsteinsaal Künstlerinnen und Künstler verschiedener Länder und schufen ein gemeinsames Konzerterlebnis für den Frieden und den Zusammenhalt. In Windeseile organisierte der Tonkünstlerverband München dieses Benefizkonzert zugunsten des Kulturzentrums GOROD, das seit 1998 aktiv russisch-ukrainisch-deutsche Kommunikation fördert und seit dem Einfall russischer Truppen in die Ukraine an vielen Stellen aktiv hilft, Spenden sammelt und Flüchtlinge vermittelt.
Ein Artikel von Oliver Fraenzke

Die Musik des Abends spannte einen großen Bogen von Volksmusik bis Konzertrepertoire, wirkte dabei in allen Facetten stimmig und fügte sich zu einem harmonischen Bild zusammen. Die Violinistin Olha Babii eröffnete durch drei virtuose Liedbearbeitungen ukrainischer Melodien, holte dabei ein breites Spektrum an Farben auf ihr Instrument. Die erst vierzehnjährige Sängerin Valerija Lysenko trug drei Eigenkompositionen vor, die durch Elena Lysenko an der Gitarre begleitet wurden – durch die Vermittlung natürlicher, reiner Emotionen gelang es ihr, dass auch nicht-ukrainische Zuhörer*innen die Texte unmittelbar verstanden. Es folgte die ukrainische Pianistin Taisiia Boiko, die zunächst eine feingliedrige Konzertetüde des russischen Komponisten Nikolaj Sylvanskyi (Silvanski) vortrug. Danach folgte Black Earth von Fazil Say, das trotz zerfasernder Längen und oberflächlicher Effekte der Komposition durch den Kontext und vor allem die klare Klangvorstellung der Darbietung berührte. Die erste Hälfte beschlossen die Hornistin Maria Teiwes und die Pianistin Anne Schätz mit dem Mittelsatz von Reinhold Glières Hornkonzert B-Dur op. 91. Der tragend sanfte Klang des Horns in präziser, einfühlsamer Gestaltungsweise vermischte sich glänzend mit dem orchestral vorgetragenen Klaviersatz und schmeichelte diesem nach wie vor unterrepräsentierten Werk.

Den rauen, dabei durchweg einladenden Klang der ukrainischen Volkslieder hob der Bass-Sänger Vladimir Bondar hervor, der durch die Pianistin Olga Rogach klangbewusst getragen wurde. Der Cellist Boris Stansky kombinierte die Melodie aus der Filmmusik zu „Der hohe Gebirgspass“ des Ukrainers Myroslav Skoryks mit der Vokalise op. 34/14 des Russen Sergei Rachmaninofs. Das expressiv vibratogeschwängerte Spiel kontrastierte den bescheidenen und dabei so offenen wie sympathischen Ton des Pianisten (und Gitarristen) Alexander Vynograd. Die russische Pianistin Masha Dimitrieva bezauberte durch ihren intensiven Vortrag von Skriabins Etüde b-Moll op. 8/11 und die rhythmisch treibende Uraufführung von Latino Sempre des ukrainisch-georgischen Komponisten Igor Loboda. Den Abschluss bildeten zwei Lieder von Volodymyr Zavgorodnii, begleitet von ihm selbst an der Gitarre und Yulia Zolotareva an der Bratsche. Überschäumende Emotionen machten die Lieder aus, das erste voll unsäglicher Sehnsucht nach seinen zwei in Kiew gebliebenen Söhnen, das zweite erfüllt durch derben Witz und Humor, ungekünstelt echt vorgetragen.

Der endlich wieder zu 100 Prozent ausgelastete Rubinsteinsaal tobte nach jedem Vortrag, die Stimmung war euphorisch angesichts des enormen Engagements der Künstler*innen, der Veranstaltenden und des Kulturzentrums GOROD. Nach einer ersten Auszählung erzielte der Abend allein durch Spenden in bar 1.600 Euro, wobei mehrere angekündigte Überweisungen noch nicht eingerechnet wurden.

 

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