Investition in die Zukunft der Jugend

50 Jahre VBSM – ein Gespräch mit Martin Bayerstorfer, Hans Zehetmair und Reinhard Loechle


(nmz) -
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen e. V. (VBSM) im vergangenen Jahr waren der Präsident des Verbandes Landrat Martin Bayerstorfer und VBSM-Ehrenmitglied Reinhard Loechle zu Besuch beim Bayerischen Staatsminister a. D. Prof. Dr. phil. h. c. mult. Hans Zehetmair. Gemeinsam erinnerten sie sich zurück an die Gründungsjahre der Kreismusikschule Erding und die Anfänge des Verbandes.
Ein Artikel von VBSM

 

Martin Bayerstorfer: Das Jubiläum 50 Jahre VBSM ist ein schöner Anlass für ein Gespräch mit dem ehemaligen Gymnasiallehrer, Stadtrat, Abgeordneten, Landrat und Staatsminister Prof. Dr. Hans Zehetmair und dem Gründungsleiter der Kreismusikschule Erding e. V. und langjährigen VBSM-Vorstandsmitglied Reinhard Loe­chle über die Entwicklung des Musikschulwesens in Bayern seit dem Bayerischen Musikplan und über die Gründung der KMS Erding.

Hans Zehetmair: Ich war Gymnasiallehrer am Dom-Gymnasium in Freising, als ich 1966 in den Erdinger Stadtrat gewählt wurde. Von Anfang an interessierte ich mich als Schulreferent besonders für Bildungsfragen. Dabei habe ich als ehemaliger Schüler des Freisinger Domkapellmeisters, des Päpstlichen Ehrenprälats Max Eham, die Notwendigkeit der musischen Bildung für junge Menschen mitbekommen. Deswegen habe ich in Erding mit der Mehrheitsfraktion der CSU zur Gründung einer Musikschule zwar nicht viel Verständnis gewonnen, aber immerhin Zustimmung erreicht. Ich habe die Notwendigkeit gesehen, den jungen Menschen eine breite Möglichkeit für das Singen und Musizieren zu geben.

Nach dem überaus großen Interesse vieler Eltern an dezentralisiertem Musikschulunterricht in Stadt und Land war mir klar, dass neben den Gemeinden der Landkreis zur Finanzierung beitragen musste. Ich hielt es mit dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, der einmal sagte: „Kulturpolitik ist in erster Linie Kommunalpolitik“. Ich bin heute noch davon überzeugt, dass dies gemeinschaftsbildend ist und Kreativität und Ideen entfaltet. So haben wir in Erding eine Musikschule gegründet, die ziemlich schnell ausgestrahlt hat.

Reinhard Loechle: Aufgrund der stetig steigenden Schülerzahlen in den ersten Jahren auf 1.500 Schülerinnen und Schüler gab es auch manchmal gehörige Misstöne bezüglich der Finanzausstattung. Doch Hans Zehetmair, ab 1978 Landrat des Landkreises Erding, ist es gelungen, sämtliche Gemeinden des Landkreises in die Finanzierung der Musikschule nachhaltig einzubinden.

Zehetmair: „Ein Weg entsteht, indem man ihn geht!“ Das trifft auf die Musikschulen allgemein zu, das gilt ganz besonders für unsere Kreismusikschule Erding e. V.

Loechle: Nun würde uns interessieren, wie Hans Zehetmair als Landtagsabgeordneter und später als zuständiger Minister die Entstehung des Bayerischen Musikplanes erlebt hat.

Zehetmair: Ich war 1974 bis 78 Abgeordneter im Bayerischen Landtag, 1978 wurde ich zum Landrat gewählt. Auf Wunsch von Franz Josef Strauß übernahm ich den Vorsitz des Kulturpolitischen Arbeitskreises der CSU. Aufgrund der unübersehbar erfolgreichen Pionierarbeit im Musikbereich, insbesondere der aufstrebenden Musikschulen in Bayern, wollte ich ein offizielles Überdach haben, insbesondere für den Einstieg in eine besondere finanzielle Förderung. Hierzu berief ich zusammen mit dem Bayerischen Musikratspräsidenten Prof. Dr. Alexander Suder und dem Kulturpolitiker Dr. Erich Schosser eine Klausurtagung in Wildbad Kreuth ein. Dort erarbeiteten wir in zwei Tagen ein Konzept zu einem Bayerischen Musikplan, der kurz darauf im Bayerischen Landtag eingebracht und beschlossen wurde. Das war schon ein epochaler Erfolg für die musikalische Bildung in Bayern.

Ich bin immer ein Freund der Musikschulen geblieben, auch als verantwortlicher Minister, weil ich der Meinung war und bin, dass die musische Bildung von existenzieller Notwendigkeit ist, um Kreativität, Ideen, Erfindungsgeist und schöpferisches Denken und Wirken junger Menschen lebenslang zu fördern.

Bayerstorfer: Rückwirkend betrachtet stelle ich fest, dass sich der Bayerische Musikplan für die Finanzierung der Musikschulen hervorragend ausgewirkt hat. Das Ziel von 25 % der Lehrpersonalkosten wurde bis heute leider noch nicht erreicht; wir liegen derzeit bei circa 12 Prozent und hoffen in den nächsten Jahren auf 15 Prozent zu kommen. Das erfreuliche „Problem“ dabei war und ist, dass sich das Angebot der Musikschulen ständig ausgeweitet hat, die Nachfrage überdurchschnittlich gestiegen ist und immer noch neue Musikschulen hinzukommen, also ständig mehr Leistungen erbracht werden. Schülerzahlen, Lehrpersonalzahlen und geleistete Unterrichtsstunden zeigen immer noch nach oben. Das ist der Preis des Erfolges.

Wir dürfen uns aber im Erfolg nicht sonnen, sondern wir müssen in die Zukunft gerichtete Projekte, Aktivitäten, Organisationsformen und Kooperationen entwickeln und Konzepte umsetzen. Ich wünsche mir, die Begeisterung und den Zusammenhalt in den Musikschulen erhalten und weiterentwickeln zu können, und dass es gelingt, die Kontakte zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in weiten Bevölkerungskreisen pflegen und ausbauen zu können.

Zehetmair: Ich wünsche mir, dass in einer Zeit des wachsenden Egoismus der Musikschulgedanke mit seiner internationalen Sprache und der Idee dahinter auf andere Schulen und Bildungseinrichtungen ausstrahlt und so ein Netzwerk bildet, in dem sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene aller sozialen Schichten lebenslang mit Musik auseinandersetzen und beschäftigen können, und dass so eine wertvolle Grundlage für alle Bereiche des gemeinschaftlichen Lebens in einer rücksichtsvollen demokratischen Gesellschaft gebildet wird.

Neugierig geworden?

Es handelt sich hierbei um Ausschnitte aus einem Gespräch, das vollständig in der Chronik zur Verbandsgeschichte nachzulesen ist, die der VBSM im vergangenen Jahr anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums herausgegeben hat. Auf mehr als 200 Seiten schildert Vorstandsmitglied Burkard Fleckenstein die Geschichte des VBSM mit allen Herausforderungen, Erfolgen, Rückschlägen und bahnbrechenden Entscheidungen, die den Verband zu dem gemacht haben, was er heute ist. Die Chronik ist gegen einen Selbstkostenbeitrag von 10 Euro in der Geschäftsstelle des VBSM (info@musikschulen-bayern.de) erhältlich.

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