Kinder verdienen die gleiche Qualität wie Erwachsene

Der Münsteraner Detlev Jöcker kreiert mit Begeisterung und großem Erfolg Kinderlieder


(nmz) -

„Eines Tages, nach einem Konzert in Hamburg, stand ein kleines Mädchen von zirka fünf Jahren neben mir auf der Bühne, zupfte mich an der Hose und sagte: Du! Ich hab’ dich lieb!“ In solchen Momenten weiß der Münsteraner Detlev Jöcker, warum er Kinderliedermacher geworden ist. Das sind die Momente, die ihn in seiner Arbeit bestärken. Denn oft genug steht er am Pranger und wird angegriffen: Seine Musik sei seicht, kommerziell und ohne pädagogischen Tiefgang. Dennoch war er im letzten Jahr der erfolgreichste Kinderliedermacher. Fakten wie 7 Millionen verkaufte Tonträger und rund 450.000 Besucher seiner Konzerte kommen sicher nicht von ungefähr.

Ein Artikel von Ulla Böger

„Eines Tages, nach einem Konzert in Hamburg, stand ein kleines Mädchen von zirka fünf Jahren neben mir auf der Bühne, zupfte mich an der Hose und sagte: Du! Ich hab’ dich lieb!“ In solchen Momenten weiß der Münsteraner Detlev Jöcker, warum er Kinderliedermacher geworden ist. Das sind die Momente, die ihn in seiner Arbeit bestärken. Denn oft genug steht er am Pranger und wird angegriffen: Seine Musik sei seicht, kommerziell und ohne pädagogischen Tiefgang. Dennoch war er im letzten Jahr der erfolgreichste Kinderliedermacher. Fakten wie 7 Millionen verkaufte Tonträger und rund 450.000 Besucher seiner Konzerte kommen sicher nicht von ungefähr.Angefangen hat alles im Kindergarten. Die Nonnen in dem katholischen Kindergarten, den der „kleine Detlev“ damals besuchte, haben jeden Tag mehrfach mit den Kindern gesungen. „Und das hat mich stark beeinflusst“, so Jöcker heute. Diese Lieder haben ihn inspiriert selbst aktiv zu werden, und so hat er schon in seiner frühesten Kindheit „zum Teil selbst erfundene Fantasielieder, zum Teil englisch-deutsche Kauderwelsch-Lieder in Elvis-Manier“ vorgetragen. Das Publikum waren seine Eltern und Verwandten, die ihren „Spaß“ an diesen kleinen Aufführungen hatten.

Ein paar Jahre später hörte er in der Jukebox einer Eisdiele in Münster Songs der Beatles „und von da an war ich infiziert“, so Jöcker. Eine Gitarre musste her. Und da 120 Mark für eine Gitarre „damals“ viel Geld waren, wurde dem heute knapp 50-Jährigen sein Wunsch nicht sofort erfüllt. „Aber ich habe sie mir gewünscht und gewünscht und gewünscht und mit Hilfe von Oma und anderen Verwandten habe ich sie schließlich bekommen.“ Mit zwölf Jahren bekam er Gitarrenunterricht und kann sich noch gut an sein erstes komponiertes Lied erinnern. Jöcker kann es immer noch singen, es war (natürlich!) ein Kinderlied, und „das, obwohl ich Beatstar werden wollte“. Dennoch hatte er Unterricht in klassischer Gitarre an der Musikschule und bewies so viel Talent, dass er mit 15 Jahren der „damals jüngste Student“ an der Musikhochschule in Detmold wurde. Von seinem Musikstudium in Münster erzählt er: „Ich muss gestehen, ich wollte eigentlich kein Musiklehrer werden, ich habe Musik studiert, um ein sehr guter Rockgitarrist zu werden.“ Ein Vorhaben, das „geheim“ gehalten werden musste, da man das an der Universität nicht gern gesehen hätte. Seinen Kommilitonen Udo Lindenberg hat man deshalb damals von der Uni verwiesen; „unvorstellbar“ findet Jöcker noch heute. Zum Kinderliedermacher ist er erst geworden, als sein ältester Sohn in den Kindergarten kam und der Vater feststellte, dass man dort „immer noch die alten Kinderlieder“ sang. Das war das Schlüsselerlebnis, um sich hinzusetzen und etwas Frischeres und Moderneres zu machen. Seinen ersten Auftritt hatte er dann bei einem Sommerfest in eben diesem Kindergarten: „Ich musste all meinen Mut zusammennehmen.“ Der Erfolg war aber wohl groß, denn schon bald wurde er von anderen Kindergärten angesprochen, dann von Schulen, Kirchen und so weiter.
Auf die Frage, ob er diesen Schritt jemals bereut habe, antwortet er: „Nein nie! Ich habe den schönsten Beruf der Welt! Ich liebe diesen Beruf! Wenn ich nahe bei den Kindern bin, dann bin ich auch nahe bei mir selbst! Kinder haben eine unglaublich emotionale Intelligenz, und genau dies möchte ich mir bewahren.“

Detlev Jöcker kann stundenlang von seinen schönsten Erlebnissen sprechen. Das sind jedoch keine Geschichten über Verkaufszahlen oder Ehrungen („Klar ist mir das auch wichtig“), sondern Geschichten, die er mit seinem „kleinen“ Publikum erlebt: „Strahlende Kinderaugen oder zu sehen wie sich die Kinder bei dem Lied ‚1-2-3 im Sauseschritt‘ rhythmisch genau so dazu bewegen, wie ich es mir gedacht habe“. Das sind die Momente in denen er merkt, dass der eingeschlagene Weg richtig ist. Sicher ärgert es ihn, wenn er „verrissen“ wird: „Ich kann mit Kritik ganz gut umgehen, wenn sie fachlich ist, aber wenn sie nur emotional ist, dann ärgere ich mich darüber!“

Je erfolgreicher man wird, desto häufiger wird man natürlich auch kritisiert. Und die Zeiten, in denen er mit seinem Vierspulgerät selber Kassetten aufnahm, um sie nach den Konzerten selber zu verkaufen, sind schon lange vorbei. Heute wird der hauseigene Menschenkinder-Verlag von großen Medienkonzernen unterstützt. Die Zeiten waren natürlich nicht immer so positiv, aller Anfang ist schwer. „Ich bin Optimist und lebe nach dem Motto: wenn es schlecht läuft, kommst du irgendwann auf dem Grund an, dann kann es nicht mehr schlechter werden, von da an kann es nur wieder bergauf gehen.“ Und so hat Detlev Jöcker durchgehalten. Dabei war ihm wichtig, nie das „Kindliche“ zu verlieren.

Er genießt es heute zwar mit den besten Produzenten und in den besten Studios arbeiten zu können, „weil es mein Anspruch ist, dass Kinder die gleiche Qualität verdienen wie Erwachsene“. Die Frage, was er unter „Qualität“ versteht, beantwortet er wie folgt: „Ein gutes Kinderlied braucht die Entsprechung von Text und Musik. Dann überfordere ich die Kinder mit meinen Liedern auch nicht durch rhythmische Strukturen. Dann achte ich darauf, dass ein Lied nicht zu schnell und nicht zu langsam gesungen wird. Dann müssen die Texte vernünftig sein, sie müssen der Erlebniswelt der angesprochenen Kinder entsprechen. Oder bei den Aufnahmen darf die Musik nicht zu laut sein, die Kinder müssen die Artikulation hören können. Und man muss freundlich singen! Die Kinder sollen spüren können, das man es ernst meint. Das alles macht heute ein gutes Kinderlied aus.“

Das Goethe-Institut hat diese „Qualität“ von Jöckers Liedern erkannt und ihm den Titel „Botschafter des deutschen Kinderliedes“ verliehen. Für das Institut reist er jetzt in Länder auf der ganzen Welt und gibt Konzerte und Seminare. Eine Tätigkeit, die ihm großen Spaß macht.
Fazit: Detlev Jöcker weiß sicherlich genau, was er will, und als „Botschafter des deutschen Kinderliedes“ weiß er scheinbar (oder bestimmt?) auch was Kinder (hören) wollen. Man kann Detlev Jöcker mögen oder auch nicht, aber die Tatsache, dass er der erfolgreichste Kinderliedermacher 2000 war, sechs goldene Schallplatten und einmal Platin vorweisen kann und 450.000 Besucher bislang seine Konzerte gehört haben, das sind Fakten, die für sich sprechen und für den musikalischen Geschmack der Kinder. Sie sind ja auch die Zielgruppe, die Detlev Jöcker erreichen möchte.

Beachten Sie auch den Kinderlied-Schwerpunkt auf S. 14!

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