Kolumne

Seltsames


(nmz) -
Ein Artikel von Cornelius Hauptmann

Liebe Kolleginnen
und Kollegen, 

 

gelegentlich kommt mir Seltsames unter: In der letzten nmz finde ich die Annonce der Musikuniversität Graz für eine Lied- und Oratoriums-professur. Unter den spezifischen Anstellungserfordernissen lese ich am Schluss „Genderkompetenz“. Was ist das denn? Da muss man nachgucken. Aha: Verständnis der Geschlechterrollen und Einsicht in deren Veränderbarkeit. Gilt vermutlich besonders für Kontratenöre. Noch aufregender, die Annonce der Stuttgarter Musikhochschule, wo man lesen darf, dass eine Gesangsprofessur ausgeschrieben ist, vorzugsweise für eine Männerstimme. Unten dann darf man zur Erkenntnis gelangen, dass man besonders an der Bewerbung von Frauen interessiert ist. Also sucht man eine Tenoristin, Baritonistin oder Bassistin. Es soll ja Frauen geben, die Männerstimmen haben. Da ist Genderkompetenz gefragt.

Ebenso verwunderlich die Diskussionen über ein Musikangebot beim kommenden G20-Gipfel in der Elbphilharmonie zu Hamburg (s. Artikel). Soll man auch Autokraten mit Musik beglücken? Und wenn ja, womit? Wer darf da was hören? Die Guten Mozart, Händel oder Beethoven, die Bösen dann revolutionäre Trotzmusik? Dies zumindest schlägt der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche Deutschlands, Johann Hinrich Claussen, vor. Da kann ich nur noch den Kopf schütteln. Vermutlich bekommen die Herren Trump, Erdogan und Putin zum Essen auch nur stilles Wasser, während sich alle anderen an Säften, Bier und Wein ergötzen dürfen.

Man kann ja Trotzmusik gegen Spießertum, gegen Langeweile oder gegen politisches Establishment ertönen lassen. „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ von Franz Josef Degenhardt erschien vor über 50 Jahren. Und Udo Jürgens‘ „Ehrenwertes Haus“ ist 20 Jahre jünger und nach wie vor aktuell. Doch in der Elbphilharmonie wünschte ich mir andere Botschaften, zumal da die ganze Welt auf uns schaut. Da können wir Musiker/-innen ein leuchtendes Signal setzen, wozu wir ja auch ausgebildet wurden. Welt, schau her und höre hin. 

Wir wissen, wie das geht, nämlich zusammen in abgesprochenem Metrum und Rhythmus harmonische Klänge auf den Weg bringen, Männer wie Frauen, alt und jung, deutsch, europäisch und international, religiös oder nicht, nur in Einigkeit kommt was Gescheites zustande. Eigentlich sollte man die G20-Teilnehmer zum Mitsingen auffordern.

Fangen wir mit unseren Kindern und Jugendlichen an!

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