Maximale Musik


(nmz) -
Ein Artikel von Ralf Dombrowski

Maximal Music - Outside Jazz: Franz Hummel, Liana Issakadze
Talking Music TalkM 1002
Die Mythen der anderen sind immer die reizvolleren. Kaum ein Jazzmusiker, der nicht davon träumte, einmal eingebettet im schmeichelnd voluminösen Klang eines Symphonieochesters ein wenig am ernsten Charme der wohlstrukturierten und traditionsverwurzelten Hochkultur teilhaben zu können. Kaum ein Klassiker, der nicht davon träumte, sich einmal in diesen unerhört ungebundenen Kosmos der Improvisation, der spontanen Kommunikation der Instrumente fallen zu lassen. Nur haben diese inspirierenden Formen der Grenzüberschreitung ihre Tücken, denn beide musikalischen Welten funktionieren nach offenen und verborgenen Gesetzmäßigkeiten, die meist nur durch lange praktische Erfahrung verinnerlicht werden können. Liana Issakadze und Franz Hummel haben das verstanden und nennen daher ihr Duo-Projekt in vorsichtiger stilistischer Zurücknahme „Maximal Music – Outside Jazz“. Zu Recht, denn der freie Fluß der Ideen macht ihnen Mühe. Issakadze, die inzwischen in Ingolstadt ansässige Star-Geigerin aus Tiflis, wagt sich trotz erstaunlicher spieltechnischer Möglichkeiten kaum aus dem Zusammenhang der schönen Legato-Töne heraus und flüchtet entweder ins Sentiment oder in eine effektbetont schrille Hochtonartistik, die nur in wenigen Momenten auf die Angebote des Klaviers kreativ reagiert. Hummel wiederum, der mit dieser Aufnahme von 1995 aus der David-Oistrach-Akademie in Ingolstadt nach zwei Jahrzehnten Konzentration auf das Komponieren sich erstmals wieder öffentlich an einen Flügel wagt, besticht zwar durch gewaltige Pianistik, bleibt darüber aber irgendwo in einer neutönenden Sphäre zwischen Eric Satie und Joachim Kühn stecken. So wirken die acht Duo-Miniaturen schwerer, intellektueller, festgelegter, als sie sein könnten und haben letztlich keins von beidem: weder die Frische der Improvisation noch den Tiefgang der Notation.

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