unüberhörbar 2021/07

Frank Martin, Younghi Pagh-Paan und Asja Valcic, Klaus Paier, Gerald Preinfalk


(nmz) -
Frank Martin: Concerto pour Violon; Esquisse pour Orchestre. Svetlin Roussev, Violine; L’Orchestre de Chambre de Genève, Arie van Beek. claves +++ Younghi Pagh-Paan: Seidener Faden – Silken Thread. Kammermusik. E-MEX Ensemble, Ltg. Christoph Maria Wagner. Wergo +++ Asja Valcic, Klaus Paier, Gerald Preinfalk: Fractal Beauty. Skip
Ein Artikel von Hans-Dieter Grünefeld, Mátyás Kiss, Wolf Loeckle

Frank Martin: Concerto pour Violon; Esquisse pour Orchestre. Svetlin Roussev, Violine; L’Orchestre de Chambre de Genève, Arie van Beek. claves

Als der volltönende Avantgardist seiner Zeit hat der Genfer Komponist Frank Martin sich nicht aufgestellt. Immerhin sind seiner Musik serielle Elemente eingearbeitet. Dergestalt entsteht in den sensiblen, feinfühligen, auch melodiösen Texturen ein Klangkosmos der völlig unverwechselbaren Charakteristik. Das Schweizer Label claves hat jetzt eine Aufnahme des Concerto pour Violon sowie von Esquisse pour Orchestre veröffentlicht mit dem Genfer Kammerorchester, dem Geiger Svetlin Roussev und dem Dirigenten Arie van Beek. Damit untermauern die engagierten Musiker eine Gedanken-Girlande des großen Schweizer Denkers und Dirigenten Ernest Ansermet: „Vom Anfang an erwies er sich als Lyriker, nicht als Symphoniker, und zwar als epischer Lyriker, als ein Künstler, dessen Musik vor allem Gesang ist, mit langem Atem, der sich in die Weite und in die Tiefe erstreckt.“ Das An-und-Durchhören lohnt sich. [Wolf Loeckle]

Younghi Pagh-Paan: Seidener Faden – Silken Thread. Kammermusik. E-MEX Ensemble, Ltg. Christoph Maria Wagner. Wergo

Die Koreanerin Younghi Pagh-Paan trägt zwar keinen so einprägsamen Namen wie Isang Yun, übt aber als hoch geschätzte Kompositionslehrerin einen womöglich noch größeren Einfluss auf künftige Generationen aus. Unfassbar, dass zu ihrem 75. Geburtstag im letzten Herbst erst die zweite ihr ganz gewidmete CD erschienen ist – vor allem, da ihre zugleich zarte und kraftvolle Musik einen sofort in den Bann zieht. Eine bruchlose Synthese aus Ost und West, die durch lang gezogene Einzeltöne und den aparten Gebrauch des Schlagwerks ihr ganz eigenes Gepräge erhält. Wer die traditionelle Musik ihres noch immer geteilten Landes ein wenig kennt, wird sich bei Frau Pagh-Paan sofort zuhause fühlen, wer nicht, lernt auch so eine der faszinierendsten Stimmen der Gegenwart kennen: nicht zuletzt das Verdienst des kongenial agierenden E-MEX Ensembles. [Mátyás Kiss]

Asja Valcic, Klaus Paier, Gerald Preinfalk: Fractal Beauty. Skip

Komponenten wie Balkan-Ostinato zu „Trisma“, der Mix Bebop und Folk des „Major Waltz“ aus virtuosen Unisono-Motivketten oder der Mäander-Step bei „Remember The Tango“ sind bes­tenfalls vage Hinweise auf den kompakten Trio-Stil von Asja Valcic, Klaus Paier und Gerald Preinfalk. Ihre Kammermusik entsteht vielmehr aus Trips zu emotional intensiven (Klang-)Orten, wo sie sich mit neuer Bedeutung auflädt. So, dass ein romantischer Cello-Monolog zu einer Saudade-Melodie von Sopran-Sax und Bandoneon führt und sich wie Abschied und Aufbruch zugleich anhört. Die „Fractal Beauty“-Melodik dieser Miniaturen festigt sich durch brillante Spieltechnik und bleibt somit in bester Erinnerung. [Hans-Dieter Grünefeld]

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