Wie der Vater, so der Sohn

Meinrad und Markus Schmitt


(nmz) -
Der Vater wurde 2015 achtzig Jahre, der Sohn fünfzig: Dies war der Anlass für ein musikalisches Doppelporträt in der Versicherungskammer Bayern im vergangenen November. Das zahlreich erschienene Publikum genoss das Vergnügen, nach Gemeinsamkeiten und Eigenem in den Werken von Meinrad und Markus Schmitt zu suchen.
Ein Artikel von Anton Moosdiele

Gemeinsam ist ihnen, Musik zu komponieren, die dem Hörer Vergnügen bereitet und dennoch neu und unverwechselbar ist. So lässt Markus Schmitt die Violine „Fünf Jodler und Juchetzer“ spielen; dabei kann der Hörer entdecken, wie viel „neue“ Musik in traditioneller Folklore steckt. In seiner „Siebenkäs-Musik“ lässt er im Klaviertrio Populäres anklingen und die „Drei Lieder über die Liebe und die Lasterhaftigkeit“ prägen Erotik und Gefühlstiefe. Der 1965 geborene und in die Postmoderne hineingewachsene Markus Schmitt wirkt in seinem spielerischen Umgang mit Tradition und Moderne unbeschwerter als der Vater, der in den Zeiten des Serialismus und der Avantgarde der 1960er und 70er Jahre sich seinen Kompositionsstil erkämpfen musste, der die Errungenschaften der Neuen Musik mit Verständlichkeit und emotionaler Eindringlichkeit verbindet. Von ihm erklangen meisterhaft komponierte Kammermusikwerke wie „Trazom“ und die „Balli di Sfessania“, welche die Nähe zum für ihn so wichtigen Musiktheater hörbar machten, und die für sein Werk zentralen Lope-de-Vega- Lieder.

Nicht nur die Komponisten waren durch familiäre Bande verbunden, auch die Interpreten: das Klaviertrio mit Yuki Manuela, Adrian und Ayumi Janke musizierte mit einer Homogenität und aus einem Fundus von Gemeinsamkeit der Empfindungen, des musikalischen Denkens und Gestaltens, wie es nur durch verwandtschaftliche Nähe möglich erscheint. Die Sopranistin Thérèse Wincent und der Pianist Rudi Spring fügten sich bruchlos in den Musizierstil des Abends ein und betonten die Expressivität und den Ausdrucksreichtum der aufgeführten Werke.

Als besondere Geburtstagsüberraschung stellte Dr. Franzpeter Messmer, Herausgeber und 1. Vorsitzender des Tonkünstlerverbandes Bayern, die druckfrische Monographie über Meinrad Schmitt vor, die in der Buchreihe „Komponisten in Bayern“ des Tonkünstlerverbandes Bayern im Münchner Allitera Verlag erschien. Messmer betonte, dass Meinrad Schmitt nicht nur einer der eigenständigsten bayerischen Komponisten seiner Generation ist, sondern auch in seinem Werk für Musiktheater ein Pionier der Vermittlung Neuer Musik an das junge Publikum. Die Autoren des Bandes, Gabriele Puffer, Helga Hofmann-Sieber, Peter Wittrich und Messmer beleuchten zahlreiche Aspekte des Lebens und Schaffens von Meinrad Schmitt, der am Schluss des mit reichem Applaus bedachten Konzerts allen Mitwirkenden bewegt und beglückt dankte.

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