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Alle Artikel kategorisiert unter »Burkhard Baltzer«

Never Give Up

02.04.17 (Burkhard Baltzer) -
In Stuttgart wütet ein Fiesling: Er heißt Polinesso und kippt beinahe das verfaulte englische Theater- und Gesellschaftsmodell des ersten Drittels vom 18. Jahrhundert. Anlass ist der Plan des machtgeilen Polinesso, der mittels einer sexuellen Intrige das Glück des zur Herrschaft bestimmten Tronfolgers von Schottland zu zerstören trachtet und damit das künftige Königspaar an den Rand des Todes treibt. Polinesso selbst will König sein und die Königstochter besitzen. Ausgehend von der klugen Inszenierung dieses Opernstoffs wäre es spätestens jetzt nicht nur eine gemeine, sondern eine echte Teufelstat, wenn dem Stuttgarter Opernhaus samt Chor nicht am 7. Mai die Auszeichnung „International Opera Award“ verliehen würde – gerade wegen dieser jüngsten Premiere von Händels „Ariodante“. Nominiert sind neben Stuttgart die Häuser in Houston, Lyon, Vlaanderen, das Royal Opera House und das Teatro alla Scala.

Jede Menge Tonkunst-Proleten

03.05.16 (Burkhard Baltzer) -
Erschreckende Zahlen steuerten jüngst die Jazzmusikverbände mit einer Studie bei: Das durchschnittliche Einkommen eines deutschen Jazzers liegt bei 12.500 Euro im Jahr. Die Meister des Improvisierens im doppelten Wortsinn sind jedoch nur Teil eines breiten, verarmten Künstler-Proletariats. Den meisten mit Musik befassten Freiberuflern geht es schlecht – und es werden immer mehr. Wenn es nicht zynisch wäre, müsste man von einer Musikerschwemme sprechen, die daran schuld ist. Tatsächlich wächst die Zahl der Absolventinnen und Absolventen von Musikhochschulen, staatlichen wie kirchlichen. Waren es 2001 noch 1645, so machten zuletzt 2.200 ihre Abschlüsse.

Nächtlicher Reigen verschiedener Paare – „The Fairy Queen“ in Stuttgart

04.02.16 (Burkhard Baltzer) -
Ein Fest – und schon im Foyer läuft die Feier aus dem Ruder. Das Hochzeitspaar wahrt zwar die Fassung, doch der Organist trinkt sich so hackedicht, dass seine Lippen kaum mehr den Flaschenhals finden, während eine Partynudel jeden ernsthaften Regieansatz verzappelt . Man ist belustigt und verstört über den Beginn dieser „Fairy Queen“ in Stuttgart, wo Oper und Schauspiel zum zweiten Mal gemeinsam einen „Purcell stemmen“.

Der Musikredakteur, vermutlich freigestellt

27.09.15 (Burkhard Baltzer) -
Würde es dieses Schurkenstück nicht schon geben, müsste es aus Sicht der ARD-Intendanten erfunden werden: Die Abschaffung beziehungsweise Entmündigung der Musikredakteure bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Aufgeschreckt von den dauerdudelnden Privatsendern, ersetzten die öffentlich-rechtlichen irgendwann ihren gesetzlich festgeschriebenen kulturellen Auftrag durch die „Hörer-Demokratie“ – in ihrem Fall durch das Diktat der Quote, was sie zum Beispiel durch „Die größten Hits aller Zeiten“ verleugnen.

„Behandelt sie wie Lehrer!“

02.07.13 (Burkhard Baltzer) -
Berlin ist derzeit Schauplatz eines ungeheuerlichen Vorgangs. Eines Vorgangs zudem, den die im Senat führende SPD zu verantworten hat: Mit der Kündigung hunderter Musikschullehrkräfte verraten die Sozial- und Christdemokraten in diesen Tagen Großteile ihres bildungspolitischen Selbstverständnisses. Am 14. Juni versammelten sich deshalb etwa 500 betroffene Lehrer, Eltern, Gewerkschaftler, Politiker und sympathisierende Musiker vor dem Konzerthaus auf dem Gendarmenmarkt zu einer ersten Demonstration.

Dozenten als Tagelöhner – Lehrbeauftragte an Musikhochschulen kämpfen gegen sittenwidrige Verhältnisse

06.09.11 (Burkhard Baltzer) -
Im Januar 2011 wurde die „Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen“ (bklm) gegründet und die „Frankfurter Resolution“ verabschiedet. Burkard Baltzer, Redakteur der Zeitschrift „Kunst+Kultur“, traf sich mit einer der stellvertretenden Sprecherinnen der Bundeskonferenz, Professor Karola Theill, zum Gespräch.

Die Bestimmung des Menschen

01.10.06 (Burkhard Baltzer) -

Ungewöhnlich, wenn nicht gar einmalig: Ein regierungsamtliches Institut widmet sich psycho-sozialen Fragen des Arbeitsschutzes und holt dazu sogar Kunst und Künstler ins Boot, die erfahrungsgemäß noch mehr Fragen stellen – und wenn überhaupt nur komplexe Antworten finden, die Arbeitsschutzparagraphen sprengen. Gerade ist dort die Ausstellung „Macht Musik“ zu sehen. Dabei geht es weniger um Paragraphen, sondern um einem komplexen Lernort mit vielen Veranstaltungen, auch für Lehrkräfte. Aber eben das ist ein Prinzip der DASA am Rande von Dortmund.

Diese Kids, die wachsen ja noch

01.06.06 (Burkhard Baltzer) -

Einmalig: Ein Essener Musikschulprojekt für Integration und gegen die geistige Verarmung. Auf drei Jahre angelegt ist das Projekt „ReSonanz &AkzepTanz“, das im September an einer Essener Grundschule begann, einem sozialen Brennpunkt in der Nordstadt: In drei Jahren wird in den acht Klassen der Ganztagsschule keine Stunde mehr vergehen, in der nicht musiziert, getanzt und gesungen wird, um das Lernen, die Integration und Gewaltprävention voranzubringen. Psychischen und physischen Defiziten der Kinder soll zumindest entgegengewirkt werden. Partner des einzigartigen Unternehmens sind das Mozarteum Salzburg, die Philharmonie Essen und die Herbartschule unter der Schirmherrschaft des NRW-Kulturratsvorsitzenden Gerhard Baum. KUNST+KULTUR begleitet das Projekt publizistisch (siehe K+K 7/8-05 und 1/2-06).

Neulich bei Aldi

01.12.03 (Burkhard Baltzer) -

Wahrhaben wollen wir es nicht. Im tiefsten Herzens wissen wir es seit langem. Wenn Ketzer es herausposaunten, hörten wir weg. Jetzt aber ist es offensichtlich: Die Sozialdemokratisierung der Kultur kann man nur ein Desaster nennen. Inzwischen ist es ein Gemeinplatz: Sozialdemokratie und Kultur schließen einander aus. Was die Genossen (darf man das eigentlich noch sagen?) in 100 Jahren (Fatalismus macht großzügig) nicht hinbekamen und wohl auch längst nicht mehr wollen (Bochum!), liegt jetzt komplett auf den Paletten bei Aldi.

Aufschlussreicher Besuch bei einem Erfinder

01.04.02 (Burkhard Baltzer) -

Nein, nicht erst in die Halle 3, wo ver.di seinen Stand hat. Die Sensation hält ein anderer der 1.452 Aussteller bereit, in Halle 1. Da ist es laut. Zum Brüllen laut auf der Musikmesse. Müsste längst verboten sein. Nach dieser unglaublichen, aber wahren EU-Richtlinie, wonach neuerdings sowieso die Hälfte des sinfonischen Repertoires wie krumme Gurken auf dem Brüsseler Kompost landen könnte. Nicht etwa weil es sich um Kompositionen für Krummhorn handelt, was eine andere Biegung hat wie die genormt-zulässigen Bananen, sondern weil den Kommissaren das meiste Forte-Fortissimo der Konzertliteratur auf die Nerven geht.

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