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Alle Artikel kategorisiert unter »Peter Dannenberg«

Väter und Söhne

01.09.07 (Peter Dannenberg) -

In keiner Biographie über Richard Strauss fehlen der Vater Franz Strauss und dessen gestörtes, sich zu schierem Hass auswachsendes Verhältnis zu Richard Wagner. Keiner versäumt, einige Anekdoten zu erzählen, einige der mehr als despektierlichen Äußerungen des 1. Hornisten des Münchner Hofopernorchesters zu zitieren, der sich Wagners wegen selbst mit Hans von Bülow überwarf und trotzdem auf Weisung Ludwigs II. gehalten war, bei der Uraufführung des „Parsifal“ 1882 in Bayreuth mitzuwirken – vom Komponisten seines virtuosen instrumentalen Könnens wegen ausdrücklich verlangt, doch dann, zum Obmann des Bayreuther Orchesters gewählt, mit diesem gleich in neuen Konflikten.

Bayreuth als Sehnsuchts- und Wahnvorstellung

01.06.07 (Peter Dannenberg) -

Opernfragmente von Friedrich Nietzsche über Cosima Wagner, rekonstruiert und durch eine Rahmenhandlung ergänzt von Siegfried Matthus: so heißt der Untertitel eines neuen musiktheatralischen Versuchs, der vom Staatstheater Braunschweig uraufgeführt worden und kurz darauf in Gera nachgespielt worden ist. Und Matthus weiß uns dazu eine aufregende Geschichte zu berichten. Bei Restaurierungsarbeiten im Schlossvon Rheinsberg, dem Sitz seiner Opern-werkstatt, habe man unter den Dielen des Arbeitszimmers von Kronprinz Friedrich eine Kiste mit sensationellem Fund entdeckt, im Kriege aus dem Bayreuther Wahnfried-Archiv ausgelagert und später vergessen – unvollendete Skizzen des komponierenden Friedrich Nietzsche über die von ihm angebetete Cosima Wagner, ergänzt um deren Tagebuchvermerke aus dem späten 19. Jahrhundert. Cosima, so gehe daraus hervor, habe sich mit allen Winkelzügen in den Besitz dieser Nietzsche-Oper gesetzt, die niemals an die Öffentlichkeit kommen dürfe, da sie mit den Szenen aus Cosimas Leben die Herrin von Bayreuth kompromittiert hätte.

Zwischen Träumen und Alpträumen

01.05.07 (Peter Dannenberg) -

Der Orchestergraben in der Lübecker Oper prallgefüllt mit Schlagwerk aller Art, darunter balinesische Instrumente, in einer indonesischen Gamelan-Fabrik gefertigt nach den Anweisungen des Komponisten, das alles bedient von sechs Spielern; dazu ein Synthesizer und ein elektronisch verstärktes Cello: eine sich ins Brutale aufbäumende Klangwelt. Peer Nörgard hat sie geschaffen für Adolf Wölfli, den Berner Bub, der in 35 Jahren im Irrenhaus zum Dichter, Zeichner und Musiker geworden ist und sich mit seiner Kunst aus einem elenden Leben zu befreien versuchte. Er ist hinter Gittern entflohen in eine unendliche Weite, die er mit seinen Träumen und Ängsten, mit sich selbst in vielerlei Gestalt bevölkert hat, aus Hoffnungen immer wieder ins Chaos stürzend, ein „Fortsetzungsroman eines lückenlosen Universums – zehnmilliardenmal höher als die paar Akten zu seiner Person“, wie Adolf Muschg 1986 so treffend geschrieben hat.

Nicht provinziell und kein Lärm

01.04.07 (Peter Dannenberg) -

Eckernförde? Wer südlich von Hamburg weiß schon, wo das liegt! Ein Städtchen von etwa 27.000 Einwohnern, 30 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt Kiel, an der Ostsee gelegen, gewesene Kreisstadt, gewesener großer Fischereihafen. Und durch die Gegenwart weht die Vergangenheit: eine Altstadt mit kleinen Bürgerhäusern und den einstigen Winterresidenzen des mittelholsteinischen Landadels, die den Modernisierungs-Kahlschlag der 60er-Jahre ziemlich unbeschadet überstanden hat.

Eine andere, eine querständige Mélisande

01.12.06 (Peter Dannenberg) -

Auch dies, kaum begreiflich, gibt es also noch: die Deutsche Erstaufführung einer Oper von Jules Massenet, die zwar nicht zu seinen drei oder vier Chefs d’Oeuvrefs zählt, aber in den französischen Theatern und Plattenkatalogen gelegentlich doch immer wieder einmal auftaucht. Marc Adam, der aus dem Elsass stammende, in Kürze nach Bern wechselnde findige Leiter der Lübecker Bühnen, beendete seinen über Jahre gestreckten Massenet-Zyklus jetzt mit „Grisélidis“, der sehr französischen, eigenwilligen Metamorphose des alten Griselda-Mythos von der unerschütterlichen Gattenliebe und Treue, der schon etliche barocke Komponisten, unter ihnen Vivaldi und Alessandro Scarlatti, zu Werken für das Musiktheater animiert hat.

Der 70. Geburtstag, ein Konzert und eine Uraufführung des Komponisten Friedhelm Döhl

01.07.06 (Peter Dannenberg) -

Ein Geburtstagswunsch geht hinauf in die alte Hansestadt Lübeck, und er gilt Friedhelm Döhl, der am 7. Juli seinen 70. Geburtstag feiert. Man hat ihn dort, wo er vor einem Vierteljahrhundert nach langen Wanderjahren sein Lebenszentrum gefunden hat, schon im Voraus geehrt – in der Musik-und Kongresshalle, aus deren gläsernen schräg-schicken Fronten man über die Trave hinwegschaut auf die von Jahrhunderten angewitterten Fassaden der Kaufmannskontore und Warenlager unter den berühmten backsteingotischen Türmen – eine Silhouette, einladend und abweisend zugleich.

Kunstvolle Verschränkung zweier Welten

01.06.06 (Peter Dannenberg) -

Es ist schon merkwürdig. Erstaunlich viele große und kleine Theater haben im näheren oder weiteren Umkreis des Jubiläums-Jahres „La clemenza di Tito“, sonst eher ein Stiefkind des Mozart-Repertoires, angesetzt und weitere Bühnen werden noch folgen. Aber keine hat – ist es Gedankenfaulheit oder Bequemlichkeit – sich auseinandergesetzt mit den von Manfred Trojahn komponierten Orchesterrezitativen, die schon 2002 in Amsterdam uraufgeführt worden waren und allseits höchste Anerkennung gefunden hatten.

Nicht Heiliger und nicht Teufel

01.04.06 (Peter Dannenberg) -

Rasputin? Rasputin, ja: der einflussreiche Günstling des letzten Zaren; der Vertraute, womöglich sogar Geliebte der Zarin; Wunderheiler des von den Ärzten aufgegebenen Zarewitsch; ein saufender sibirischer Bauernbursche, der in den Gemächern des Hofes zu Hause war. Orthodoxer kirchenfrommer Wanderprediger, der orgiastische Exzesse mit Nonnen und Mägden feierte; glühender Pazifist und hemmungsloser Kriegstreiber; prophetischer Verkünder einer blutigen Zukunft; ein machtbesessener Intrigant, der die Massen verführte und sich Adel und Duma zu Todfeinden machte. Selbst sein Ende 1916 war von Unbegreiflichkeiten bestimmt. Vergiftet, erschossen und erstochen wollte er nicht sterben, und noch als man ihn endlich ertränkte, soll er immer noch Lebenszeichen gegeben haben. Zwei Jahre nach ihm werde die Zarenfamilie sterben, hatte er vorausgesagt – auch darin hat er Recht behalten.

Dankbare Aufgabe für die Kieler Residenz-Bläser

01.12.05 (Peter Dannenberg) -

Das ist die Bilanz des mehr als halbstündigen Werkes: Ein „Wilder Besenritt gegen die geistreichen Trottel, die arroganten Schönredner und die gefährlichen Dummköpfe“. Rezensenten-Schelte eines Komponisten, der sich zuweilen der Apostel der musikalischen Fortschrittsgläubigkeit und des seriellen Dogmatismus im Darmstadt oder Donaueschingen von einst zu erwehren hatte? Die Frage bleibt absichtsvoll offen – auch andere Professionen, vorzugsweise in der Politik, könnten in diesen Hexensabbat geraten sein, der freilich, wie tröstlich, sich weniger infernalisch und grimassierend als bei Berlioz gibt und wohlgelaunt und gut dressiert vom Hexenmeister endet.

Der schiefe Schrank und die Unabhängigkeit

01.09.01 (Peter Dannenberg) -

Eines Tages, Gerhard Rohde wohnte damals im Frankfurter Westend, hatte ich einen Schrank zu ihm zu transportieren. Er selbst war natürlich irgendwo auf der Autobahn unterwegs. Ich entsinne mich ganz genau: Als der Spediteur, ein grämliches, verschwitztes Männlein, die Wohnung betrat, den Schrank absetzte und sich umschaute, fing er unversehens zu strahlen an, breitete emphatisch die Arme aus und rief: „Hier wohnt ein freier Mensch!“ Der alte Mann, der Rohde nie gesehen hatte, erkannte ihn genau. Dass einer eines seiner Zimmer dazu nutzte, Stapel von Zeitungen und Berge von Büchern auf der Erde zu lagern, dass eine Vitrine auch auf drei Beinen gut zu stehen vermag, wenn man den Inhalt daneben auf dem Teppich ausbreitet, das zeigte dem überraschten Manne, dass hier einer wenig auf den üblichen Verhaltenskodex, auf Konventionen, gar auf Repräsentation Wert legte. Recht hat er gesehen.

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