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Musical-Ausbildung mit Aussicht. Foto: Ursula Gaisa

Musical-Ausbildung mit Aussicht. Foto: Ursula Gaisa

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Eine Bühne fürs Leben

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Wie die Ludwigs Kids Academy und die Perform! Academy am Festspielhaus Neuschwanstein junge Talente fördern
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Der Traum von der Musicalbühne beginnt für viele schon früh – doch der Weg dorthin ist oft schwierig. Professionelle Musicalausbildungen sind in Deutschland rar, staatlich geförderte Plätze begrenzt und private Schulen teuer. Während es in Städten wie Hamburg, Berlin oder Wien einige renommierte Ausbildungsstätten gibt, müssen viele junge Talente ihre Heimat verlassen oder hohe Ausbildungskosten stemmen, um ihren Traum verfolgen zu können.

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Genau hier setzt die Perform! Academy am Festspielhaus Neu­schwanstein an. Gemeinsam mit der bereits etablierten Ludwigs Kids Academy entsteht in Füssen ein Ausbildungsmodell, das künstlerische Förderung, Persönlichkeitsentwicklung und unmittelbare Bühnenerfahrung verbindet – direkt an einem professionellen Theaterbetrieb. Geleitet wird beides von Stefanie Gröning (künstlerische Leitung) und Alexandra Bode als Head of Marketing & Brandmanagement. „2018 habe ich die Kids Academy gegründet“, erzählt Stefanie Gröning. „Inzwischen haben wir 250 Kinder in der Academy.“ Was zunächst als Freizeitangebot für theaterbegeisterte Kinder begann, entwickelte sich schnell weiter. Viele der Jugendlichen wollten nach Jahren des Unterrichts professionell weitermachen.

„Es war immer schon die Frage da: Können wir auch eine richtige Ausbildung anbieten?“, sagt Bode. Während der Corona-Zeit konkretisierte sich die Idee. „Wir haben tolle Lehrer, tolle Räume und direkt die Bühne vor Ort – eigentlich war alles perfekt.“ Für die Umsetzung holte sich Stefanie Gröning Alexandra Bode ins Boot, die bereits Erfahrung im Aufbau von Musicalschulen in Stuttgart mitbrachte. Gemeinsam gründeten sie 2025 die Perform! Academy. „Ich habe gedacht: Ich traue mir das nur zu, wenn Alex mit dabei ist“, erinnert sich Gröning.

Die beiden teilen sich heute die Aufgaben: Während Gröning weiterhin die Kids Academy leitet und den kreativen Bereich betreut, verantwortet Bode gemeinsam mit ihr den Aufbau der professionellen Ausbildung.

Geschützter Raum für Kinder

Die Ludwigs Kids Academy ist inzwischen zu einer festen Größe in der Region geworden. Die Kinder kommen einmal pro Woche für jeweils drei Stunden ans Festspielhaus. Unterrichtet werden Tanz, Gesang und Schauspiel, ergänzt durch Zusatzangebote wie Tuchakrobatik, Hip-Hop, Jazz oder Ballett.

„Wir unterrichten inzwischen von Montag bis Samstag durchgehend“, erzählt Gröning. Werbung brauche man inzwischen kaum noch. „Wir haben damals Flyer verteilt und dachten, vielleicht kommen zehn oder zwanzig Kinder. Am ersten Tag standen plötzlich 80 Kinder da.“ Heute gebe es lange Wartelisten. Besonders wichtig sei den Verantwortlichen allerdings nicht nur die künstlerische Ausbildung. „Das Wichtigste für uns ist, dass die Kinder hier einen geschützten Raum haben, in dem sie sich ausprobieren können“, betont Bode. „Bei uns gibt es kein falsch und kein richtig.“

Gerade in einer Zeit, in der Kinder häufig unter Leistungsdruck stünden, wolle man einen Gegenpol schaffen. „In der Schule hören viele ständig: Das ist richtig, das ist falsch. Hier dürfen sie laut sein, improvisieren, Fehler machen und mutig werden.“

Die Veränderungen seien oft deutlich sichtbar. „Eltern kommen zu uns und sagen, sie erkennen ihre Kinder kaum wieder“, erzählt Bode. „Plötzlich halten sie Referate ohne Angst, treten selbstbewusster auf oder gehen wieder lieber in die Schule.“ Auch das soziale Miteinander spiele eine große Rolle. Die älteren Kinder unterstützen die jüngeren bei Proben und Aufführungen. „Dieses Gemeinschaftsgefühl ist unglaublich wertvoll“, sagt Bode. „Sie lernen, dass man gemeinsam stärker ist.“

Der Weg auf die Bühne

Viele Kinder aus der Academy stehen bereits in Produktionen des Festspielhauses auf der Bühne – etwa bei „Ludwig“, „Die Päpstin“, „Cinderella“ oder „Rudolph“. Für einige wurde daraus inzwischen mehr als ein Hobby. Sechs Schüler aus der ersten Generation der Kids Academy wechselten bereits direkt in die neu gegründete Perform! Academy. „Es ist unglaublich schön zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln“, sagt Bode. „Man begleitet sie über Jahre hinweg.“

Die Ausbildung an der Perform! Academy dauert drei Jahre und kombiniert intensiven Unterricht mit praktischer Bühnenerfahrung. Anders als an vielen anderen Schulen stehen die Schüler hier bereits wenige Wochen nach Ausbildungsbeginn auf professionellen Bühnen: „Unsere Schüler bekommen nicht nur Unterricht, sondern sammeln sofort Praxis“, erklärt Alexandra Bode. „Schon nach vier Wochen standen die ersten bei Produktionen auf der Bühne.“

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Alexandra Bode (li.) und Stefanie Gröning. Foto: Festspielhaus

Alexandra Bode (li.) und Stefanie Gröning. Foto: Festspielhaus

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Die Nachwuchsdarsteller wirkten bereits bei Aufführungen im Festspielhaus Neuschwanstein, im Deutschen Theater München und sogar in Oberhausen mit. Genau darin sehen die Gründerinnen den besonderen Vorteil ihres Konzepts. „Letztlich zählt in dieser Branche nicht nur das Zeugnis, sondern die Erfahrung und die Kontakte“, sagt Bode. „Unsere Schüler lernen früh den echten Theateralltag kennen.“

Zwischen staatlicher Anerkennung und Praxisnähe

Musicalausbildungen in Deutschland sind oft privat organisiert und mit hohen Kosten verbunden. Staatliche Schulen existieren zwar, etwa in Berlin, Wien oder Osnabrück, doch die Plätze sind begrenzt. Auch die Perform! Academy ist aktuell eine private Ausbildungsschule. Langfristig streben die Verantwortlichen jedoch eine staatliche Anerkennung an. Dafür müssen zunächst mehrere Ausbildungsjahrgänge erfolgreich externe Prüfungen absolvieren.

Gleichzeitig wollen die Gründerinnen ihre Freiheit behalten. „Viele staatliche Vorgaben passen eher auf klassische Ensembleleitung als auf eine moderne Musicalausbildung“, erklärt Bode. „Unsere Schüler brauchen viel mehr Tanz, viel mehr Praxis und individuelle Förderung.“ Das Schulgeld liegt derzeit bei 690 Euro monatlich. Um die Belastung abzufedern, erhalten viele Schüler zusätzlich einen Minijob direkt am Theater – etwa im Ticketing, Marketing oder Einlassdienst. „So können sie sich einen großen Teil der Ausbildung selbst finanzieren“, erklärt Bode. Ein besonderer Schwerpunkt der Perform! Academy liegt auf der Persönlichkeitsentwicklung. Denn gerade in der Musicalbranche gehören Ablehnung und Konkurrenz zum Alltag. „In diesem Beruf bekommt man ständig Absagen“, so Alexandra Bode. „Und oft hat das gar nichts mit dem eigenen Können zu tun.“ Deshalb gibt es einmal pro Woche ein spezielles Mentaltraining – unter anderem mit Pferdecoaching. Dort lernen die Schüler Teamarbeit, Selbstvertrauen und den Umgang mit Drucksituationen. „Wir wollen unsere Schüler stark machen, damit sie nicht anfangen, an sich selbst zu zweifeln“, erklärt Bode.

Auch künstlerisch geht die Academy inzwischen eigene Wege. Für den Sommer entstand mit „Der Zauberer von Oz“ eine Eigenproduktion, die speziell für die vielen Kinder und Jugendlichen geschrieben wurde. „Bei klassischen Verlagsstücken waren wir oft eingeschränkt“, so Bode. „Jetzt können wir Rollen, Musik und Szenen genau auf unsere Schüler zuschneiden.“ Die Botschaft des Stücks passe perfekt zur Philosophie der Academy: „Alles liegt bereits in dir.“

Große Pläne für die Zukunft

Die Academy wächst stetig weiter. Erst kürzlich entstanden neue Tanz-, Gesangs- und Schauspielräume direkt am Festspielhaus. Langfristig wünschen sich die Gründerinnen zusätzlich offene Angebote für Erwachsene – etwa Tanzkurse, Chöre oder kreative Workshops. Vor allem aber hoffen sie, junge Menschen nachhaltig prägen zu können: „Natürlich wäre es wunderschön, ehemalige Schüler irgendwann auf großen Bühnen zu sehen“, wünscht sich Bode. „Aber das Wichtigste ist eigentlich, dass sie selbstbewusst ihren eigenen Weg gehen – egal wohin.“

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