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Junge Teilnehmerinnen im Austausch mit einer Musikerin des SWR Symphonieorchesters. Foto: TomBa Media

Junge Teilnehmerinnen im Austausch mit einer Musikerin des SWR Symphonieorchesters. Foto: TomBa Media

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Erfahren, dass die Welt veränderbar ist

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Das Partizipationsprojekt „Oper macht stark“ von SWR Symphonieorchester und Festspielhaus Baden-Baden
Vorspann / Teaser

„Wir können immer noch höher und noch lauter“, sagt Anne Romeis und bläst mit voller Kraft in ihre Piccoloflöte. Die Schülerinnen und Schüler der 6b aus der Realschule Baden-Baden halten sich vorsichtshalber die Ohren zu. „Mit der Querflöte kann ich schöne Melodien spielen oder auch mal einen Vogel zwitschern lassen“, erklärt die Flötistin des SWR Symphonieorches­ters und spielt auf ihrem Instrument funkelnde, weiche Töne. Auch die Flatterzunge demonstriert Romeis. „Ich kann sogar mit dem Instrument küssen“ – und schmatzt in die Querflöte. Die 12-jährigen Jugendlichen kichern.

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Auch Soloklarinettist Sebastian Manz ist im Festspielhaus Baden-Baden dabei, schwärmt von der großen dynamischen Bandbreite der Klarinette und zeigt mit Multiphonics, dass das elegante Instrument mit diesen Mehrklängen starke Effekte erzielen kann. „Damit können wir das Publikum erschrecken“, sagt Komponist Hauke Berheide, der den Workshop leitet. Zum ersten Mal treffen an diesem Morgen die Schülerinnen und Schüler bei dem über zwei Jahre angelegten Partizipationsprojekt „Oper macht stark“ auf Mitglieder des SWR Symphonieorches­ters. Da ist seitens der Klasse noch viel Unsicherheit im Spiel. Nur ganz allmählich weicht die Schüchternheit. Am Ende der Arbeitsphase steht die Aufführung einer selbst komponierten Oper unter der Regie von Nelly Noack im Festspielhaus Baden-Baden. Der Weg dahin ist noch weit.

Die Idee zu diesem Projekt hatte Carolina Nees, als sie noch die Partizipationsabteilung des Festspielhauses leitete. Seit letztem Sommer ist sie als Musikvermittlerin beim SWR Symphonieorchester angestellt. Bereits bei der „Diggin’ Opera“ hatte das Festspielhaus mit der Felicitas und Werner Egerland Stiftung zusammengearbeitet. Die Stiftung finanziert gemeinsam mit dem Festspielhaus auch das Projekt „Oper macht stark“, bei dem zusätzlich das Freiburger Institut für Musikermedizin untersucht, inwiefern die persönlichen Erfahrungen der 22 Schülerinnen und Schüler Auswirkungen haben auf die Offenheit für klassische Musikkultur und das Engagement in der Schule. Angefangen hat das Abenteuer im Herbst 2025 mit einem Besuch der Klasse im Festspielhaus und einem Blick hinter die Kulissen. Dann wurden mit dem Poetry Slammer Phriedrich Chiller, dem Berliner Künstlerkollektiv Kling Klang Klong und dem Komponisten Hauke Berheide in der Schule erste Ideen entwickelt.

Aus selbst geschriebenen Heldengeschichten entstand ein Libretto mit Monstern, die Playstation spielen, mit einer Entführung und einer Liebesgeschichte – das Ganze vor dem Hintergrund der Apokalypse. Immer wieder kam das Team in die Musikklasse von Vania Mangalov, um die Ideen der Schülerinnen und Schüler festzuhalten. Dabei half auch ein von Kling Klang Klong entwickeltes, mit einer Tiefenkamera arbeitendes Tool, mit dem man Bewegungen in Klänge umsetzen kann. Hier in den kleineren Gruppen in ihrem Klassenzimmer fühlten sich die Sechstklässler laut Berheide wohler und beteiligten sich rege am gemeinsamen Arbeitsprozess. „Wichtig war uns, dass alle wesentlichen Entscheidungen von den Kindern kommen. Wir haben auch mal abgestimmt, ob wir an einer Stelle ein f oder fis verwenden“, sagt Hauke Berheide. „Ich stelle beim Arbeitsprozess mein Wissen zur Verfügung und notiere das gemeinsam Erarbeitete. Natürlich können Schülerinnen und Schüler nicht eine Partitur für 12 Instrumente schreiben.“

Zurück im Festspielhaus. Nachdem Flöte, Klarinette, Cello und Schlagzeug vorgestellt wurden, entscheiden sich die Kinder, zu welchem Instrument sie gehen möchten. Einzelne Szenen der Oper werden gemeinsam komponiert. Dita Lammerse improvisiert eine Melodie am Cello für die Liebesszene und fragt die drum herumstehenden Mädchen, wie es ihnen gefällt und was sie verändern soll. Am Lebendigsten ist der Austausch beim Schlagzeuger Franz Bach. Daniil und Dorart nehmen selbst die Sticks in die Hand und schlagen auf die kleine Trommel. Die Ergebnisse werden präsentiert, die Oper ist wieder ein kleines bisschen gewachsen. Am Ende dirigiert Friederike Scheunchen das ganze Ensemble für einen Walzer. Die Klasse hört zu und freut sich über die Szene im Kaffeehaus, die schon richtig gut klingt. „Wir haben bei ‚Oper macht stark‘ wirklich bei Null angefangen‘, sagt Projektleiterin Lara Werner. „Das ist sehr besonders.“ Flötistin Anne Romeis findet es schön, dass das Projekt gut ausgestattet ist und professionell aufgezogen wird. „Es ist nicht immer leicht, die Kinder bei der Stange zu halten. Ich hätte mir beim Workshop noch mehr Eigeninitiative gewünscht, aber das kann vielleicht noch kommen“, sagt Romeis im Nachgespräch. Sebastian Manz wünscht sich ein wenig mehr Führung im Arbeitsprozess: „Meiner Ansicht nach werden Freiheit und Krea­tivität größer, wenn es gewisse Regeln gibt und auch manche Entscheidungen abgenommen werden.“ Manz würde sich freuen, wenn die Jugendlichen durch dieses Projekt noch mehr Zugang zur Musik finden würden. „Das Ergebnis ist weniger wichtig als der lange Weg dorthin.“

Kira hat der Workshop im Festspielhaus Spaß gemacht, besonders das selbst Komponieren. „Jetzt ist es noch spannender, weil wir schon einiges festgelegt haben.“ Sophia mochte das Treffen mit den Musikerinnen und Musikern. „Es war toll, wie sie ihre Instrumente gespielt haben.“ Für die Musiklehrerin Vania Mangalov ist das Projekt eine Herzenssache. „Ihr seid jetzt die Komponisten – wie Mozart oder Beethoven“, sagt sie zu ihren Schülerinnen und Schülern und freut sich über deren Ideen.

Auch in ihrem eigenen Unterricht arbeitet sie in kleineren Gruppen und möchte, dass die Kinder musikalisch aktiv werden mit Keyboards, Blockflöten, Trommeln oder Boomwhackers, einfach zu spielenden Klangröhren. Als Schwierigkeit sieht die Lehrerin nur, mit der Klasse die Phasen zu durchstehen, in denen es nicht so schnell weitergeht mit der Oper. „Die Klasse wird sich noch mehr entfalten“, ist sich Mangalov sicher. Das große Engagement der Musiklehrerin spiele eine entscheidende Rolle für das Projekt, betont Hauke Berheide. Und schwärmt von der Oper als multimedialster Kunstform unserer Zeit. „Die Jugendlichen treffen in unserem Projekt viele eigene Entscheidungen und erfahren, dass die Welt veränderbar ist. Das verleiht ihnen Wirkmächtigkeit.“ Macht Oper stark? Das werden am Ende die Untersuchungen des Freiburger Instituts für Musikermedizin zeigen. Vania Mangalov jedenfalls bejaht die Frage eindeutig. Und berichtet von einem zurückhaltenden Mädchen, das sie nach dem Workshop mit zwei Sängern gefragt habe, ob es selbst bei der Oper auch etwas singen könne.

Bis zum Dezember geht die Kompositionsphase weiter. Die Instrumentation wird festgelegt, die einzelnen Szenen im Detail ausgearbeitet. Und es muss entschieden werden, wer von den Schülerinnen und Schülern welche Rolle übernimmt und wie die Gesangsstudierenden der Karlsruher Musikhochschule eingebunden werden. Die szenischen Proben erfolgen im April 2027 – Premiere ist am 5. Mai 2027 auf der großen Bühne des Festspielhauses Baden-Baden. Die Mons­ter wollen sich schließlich nicht verstecken.

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