Staatsorchester übernimmt Patenschaft über Grundschule in Golzow


18.03.20 -
Frankfurt (Oder)/Golzow - Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) kooperiert jetzt enger mit Grundschulen in ländlichen Regionen. Musiker kommen regelmäßig in den Unterricht, um Kindern klassische Musik und einzelne Instrumente vorzustellen.
18.03.2020 - Von dpa, Jeanette Bederke, KIZ

«Drei Chinesen mit dem Kontrabass» klingt es fröhlich in der Grundschule «Kinder von Golzow» (Märkisch-Oderland). Begleitet werden die 27 Dritt- und Viertklässler bei ihrem Gesang von Stefan Große Boymann am Kontrabass. Der Musiker des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder) hat ihnen das größte Streichinstrument zuvor genauer vorgestellt. Wie entsteht ein Ton? Was bewirkt der Resonanzkörper? Welche Klangfarben gibt es?

«Ihr habt echt Rhythmusgefühl», bescheinigt der Profi den Schülern gleich zum Auftakt, als sie im Drei-Viertel-Takt mitklatschen und mit den Füßen stampfen. Schulleiterin Gabriela Thomas hört das nur zu gern. Denn die musische Bildung ist ein Unterrichtsschwerpunkt in der einzügigen Grundschule mit nur 130 Schülern, die immer wieder um ihre Existenz kämpft. «Wir haben uns bereits vor zehn Jahren für das Landes-Projekt Klasse Musik für Brandenburg beworben», erzählt sie. Mit dieser Initiative des Verbandes der Musik- und Kunstschulen Brandenburg solle die Grundlage geschaffen werden, jedem Kind unabhängig von seiner sozialen Herkunft den Zugang zu musikalischer Bildung zur ermöglichen.

«Landesweit gibt es 81 Bildungseinrichtungen, die mit 189 Bläser- Streicher-, Perkussion- oder Gitarrenklassen bei dem Projekt mitmachen und dafür mit 23 Musikschulen zusammen arbeiten», erklärt Verbandssprecherin Katja Bobsin. In der ersten und zweiten Klasse bekommen die Golzower Grundschüler elementare Musikpraxis vermittelt, ab der dritten Klasse erlernen sie das Gitarrenspiel. «Die Klassen erhalten kostenfrei einen Instrumentensatz. Musiklehrer und ein Musikpädagoge, der vom Land bezahlt wird, agieren als Tandem. Die Kinder lernen zwei Jahre lang, gemeinsam zu musizieren», so Bobsin. Insgesamt 12 175 Mädchen und Jungen haben das Projekt laut Verband landesweit bereits absolviert, 4275 sind aktuell dabei.

Die Grundschule Golzow aber will mehr. Mit dem Brandenburgischen Staatsorchester verbindet die Bildungseinrichtung eine jahrelange Kooperation, die gerade in einem Patenschaftsvertrag mündete. «Wir denken, dass wir als Landesorchester in der Verantwortung sind, nicht nur in Frankfurt präsent zu sein, sondern auch in den angrenzenden Landkreisen», sagt Mitarbeiterin Christine Hellert, zuständig für Schülerprojekte.

Da das Ensemble zwei Musikpädagoginnen habe, sei die Arbeit mit Mädchen und Jungen naheliegend und solle verstärkt werden. «Jedes Kind sollte die Chance haben, mit klassischer Musik in Berührung zu kommen, denn Musik weckt die Phantasie», sagt Hellert. Gerade in ländlichen Regionen sei das jedoch schwierig. «Wir sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und da ist der Weg beispielsweise in Musikschulen oder zu einer Probe des Orchesters weit und kostenintensiv», sagt die Schulleiterin.

Deswegen kommen Musiker des Staatsorchesters regelmäßig nach Golzow, um Schülern Musik zu vermitteln. «Wir erklären und demonstrieren, wie ein Orchester funktioniert, stellen Instrumente vor, geben kleine Konzerte und basteln mit ihnen Gartenschlauch-Hörner oder Walnuss-Kastagnetten», beschreibt Musikpädagogin Anne Kathrin Meier. Wichtig sei das Erleben von Musik, meint sie und greift selbst zur Geige, dem kleinsten Streichinstrument, das sie den Schülern vorstellt.

Solo-Kontrabassist Große Boymann sei unter den Musikern des Staatsorchesters ein Glücksfall, betont Meier. «Ihr Instrument spielen können alle über 80 Mitglieder des Ensembles, es Kindern zu vermitteln, aber nur wenige», macht sie deutlich. Berührungsängste haben die Mädchen und Jungen nicht. Der Mann am Kontrabass war doch neulich im «Sommernachtstraum»-Konzert auf der Bühne der Esel, entdecken einige von ihnen schnell.

«Die Golzower sind unheimlich interessiert und neugierig. Da macht es einfach Spaß, den Schülern zu zeigen, wie einfach man miteinander musizieren kann», sagt der Konzertmusiker und beginnt zu spielen. Der neunjährige Ben hat schnell begriffen, wie und in welchem Takt er eine Saite am Kontrabass zupfen muss, um den Profi bei Gustav Mahlers 1. Sinfonie rhythmisch zu begleiten. Und auch seine Mitschüler sind eifrig dabei, mit dem Bogen über einen Kontrabass oder eine Geige zu streichen und dabei möglichst wenig schräge Töne zu fabrizieren. «Um diese Erlebnisse zu haben, kommen wir gern in die Schulen», sagt Hellert. Die nächsten Patenschaftsverträge mit einer Grundschule in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) sowie im polnischen Rzepin seien in Vorbereitung.

 

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