Social Distortion +++ Paul McCartney +++ The Beaches +++ Death Cab For Cutie +++ Dogstar +++ Die Toten Hosen
Death Cab For Cutie liefern mit „I Built You A Tower“ wieder mal keine Enttäuschung ab
Nicht jeder Abschied ist schwer
So richtig sind die südkalifornischen Punkrocker von Social Distortion in Deutschland leider nie angekommen. Dabei lohnt es sich, jedes Album dieser Band zu hören. Jedes machte sie erwachsener. Auch das erste und somit aktuelle Album seit 15 Jahren, „Born to kill“, zeigt die älteren Herren in breitbeiniger Form, mehr „Ready to Rock“ als „Born to kill“. Wie immer wohnt Social Distortion diese Wandlungsfähigkeit inne. Das Album kann bei der Gartenparty laufen, bringt jede Broker-Business-Incentives-Veranstaltung auf Hochtouren und passt hervorragend zum herbstlichen Spaziergang durch sausende Laubblätter mit rauschunterdrückenden Kopfhörern. Wahrscheinlich ist Social Distortion sogar Heiligabend kompatibel. Eine wunderbare Band mit einem wunderbaren neuen Album, aber auch wunderbarem Gesamtwerk. (Epitaph)
Paul McCartney wagt sich mit „The Boys Of Dungeon Lane“ zurück in die Vergangenheit, denn thematisch erzählt Paul McCartney laut Beipackzettel „über seine Kindheit im Nachkriegs-Liverpool, die Widerstandskraft seiner Eltern und die frühen Abenteuer mit George Harrison und John Lennon, lange bevor die Welt je von Beatlemania gehört hatte“. Dass diese Geschichten funktionieren, ist klar. Musikalisch hat uns Paul McCartney schon mit dem Opener „As you lie there“ erwischt. Coole Nummer, der sich „Lost Horizon“ dann schon eher beatleesk anschließt. Alle weiteren zwölf Songs sind gelungene Paul McCartney Kompositionen, hinweisend auf die Beatles, aber nie kopierend oder effekthaschend. Schönes, schnörkelloses Album. (Capitol Records)
Krasser Gegensatz zu Social Distortion und Paul McCartney: The Beaches und ihr drittes Album „No Hard Feelings“. Geprägt ist der Longplayer von einer erstklassig klangbreiten Produktion, die sich um jeden Song schichtet, aber jedes Sediment gut nach oben lässt. Natürlich sind die Songs allesamt in dieser zeitgenössischen emotionalen Rockdynamik geschrieben: alles ist ein Höhepunkt. Das muss man können, solche Songs zu schreiben und zu performen, wie man neudeutsch sagt. The Beaches gelingt das mühelos und „No Hard Feelings“ zeigt sich als extrem hörenswertes Stück Musik. (AWAL Recordings America)
Death Cab For Cutie liefern mit „I Built You A Tower“ wieder mal keine Enttäuschung ab. Wie man so liest, verarbeitet Ben Gibbard als Zentrifuge des Ganzen viel Leben und viel Trauer mit der aktuellen Veröffentlichung. Hört man nicht immer, kommt aber durch. Letztendlich bleiben sich Death Cab For Cutie treu. Nie zu viel Euphorie, nie zu wenig Melancholie. Für ihre Art des gediegenen Indie- und/oder Alternative Rock passt das perfekt. Gut gelungen scheint zudem die Reihenfolge der Songs zu sein, ein Merkmal, auf das heutzutage kaum mehr Wert gelegt wird. Es wird nicht nur Song an Song gereiht. Man hat den Eindruck, hier hat man sich emotional und dramaturgisch etwas überlegt. „I Built You A Tower“ und seine Songs spuken lange nach dem Hören im Kopf weiter. Schön gemacht. (LLC)
Death Cab For Cutie liefern mit „I Built You A Tower“ wieder mal keine Enttäuschung ab
Mit einer sehr langen Pause eingerechnet, existiert Dogstar aus Los Angeles bereits seit 1991. „All In Now“ erfüllt jede Erwartung, die man an ein Rockalbum stellt. Netter bis unaufdringlicher Gesang, interessante, nicht zu komplexe Gitarrenriffs, dahinter ein Schlagzeug, das mitschwimmt und ein Bass, der das tut, wozu es ihn nun einmal gibt. Fertig ist das Rock-Trio. Dass „All In Now“ von Nick Launay (IDLES, Nick Cave & the Bad Seeds) produziert wurde, mag nicht weiter auffallen, hinterlässt aber doch einen leicht dunklen Anstrich im Timbre der Songs. Und ja, der Vollständigkeit halber: Schauspieler Keanu Reeves spielt Bass bei Dogstar. Macht aber gar nichts. (Dillon Street Records)
Knapp zehn Jahre nach „Laune der Natur“ veröffentlichen Die Toten Hosen ihr angekündigtes letztes reguläres Studioalbum. „Trink aus, wir müssen gehen!“ (plus Bonusalbum „Alles muss raus!“). Wer mit der Opel Gang aufgewachsen ist, hätte sich diesen finalen Schritt eher gewünscht, denn mal ehrlich: „Tage wie dieser“ war bereits das Ende und die Ankunft im ZDF Fernsehgarten. „Trink aus“ bleibt somit als Abschluss übrig, ohne Höhepunkte, dafür mit klassischen Hosen-Riffs und gängigen Campino-Texten. Kein Hochglanz-, aber ein Arbeiteralbum. (JKP)
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