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Der Garten heißt Max Prosas neues Album

Der Garten heißt Max Prosas neues Album 

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Sauerstoff fürs Rückenmark

Untertitel
Neuerscheinungen der Popindustrie, vorgestellt von Sven Ferchow
Vorspann / Teaser

The Hellacopters +++ U2 +++ Mumford & Sons +++ New Found Glory +++ Max Prosa

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The Hellacopters aus Schweden, neben den Dänen D-A-D sicher unter den Top 5 der coolsten Rockbands, sind auf Schatzsuche gegangen. Nach vierzig Jahren im Geschäft sind einige Goldmünzen auf dem Album „Cream Of The Crap! Collected Non-Album Works – Volume 3“ übriggeblieben und wurden auf Hochglanz poliert. 24 Rocksongs aus dem oberen Regal liegen nun auf dem Plattenteller, die Jahre 1995 bis 2004 werden bestaunt. Jeder Song ein Einzelstück, doch permanent in diesem latent durchscheinenden „Alles egal“-Style. Dazu gibt es ein paar Coversongs von Motörhead, Wilson Pickett oder Adam West, die ebenso ordentlich Sauerstoff ins Rückenmark pumpen. (Nuclear Blast)

Muss man schon von einer Heimsuchung sprechen, wenn U2 ein neues Album veröffentlichen? „Days of Ash“ hat sich wie alle jüngeren Alben der Iren recht heimlich auf den Markt geschlichen. Eine EP mit sechs Songs, die die Hörenden von Minneapolis über die Ukraine bis nach Gaza führen sollen. Textlich selbstverständlich eine gewohnt solide Abarbeitung Bonos an den dringlichen Themen des Weltgeschehens. „American Obituary“ befasst sich mit dem Tod von Renée Good durch einen ICE Agenten, „Yours Eternally“ vereint U2, Ed Sheeran und den ukrainischen Sänger Taras Topolia. Überraschend angenehm ist der trockene, reduzierte Sound der Aufnahmen. Absoluter Pluspunkt. Doch leider können die Song dieser Prämisse nicht folgen. Als hätte man viele alte Songteile zusammengeflickt, hier ein Refrain aus 2010, da eine Strophe aus 1998. Die Magie, die U2 einst versprühten, die lässt sich auf diesem Mini-Album nicht greifen und wird höchstens bei „Song of the Future“ aufgebrochen, das lässig und angenehm unbestimmt groovt. (Island Records)

Dass Mumford & Sons mit „Prizefighter“ nach dem 2025er-Album (Rushmere) gleich wieder nachlegen, konnte man so nicht erwarten. „Prizefighter“ ist ein klassisches M&S-Album geworden. Wunderschöne Melodien, die tief in der Seele wühlen, die in jeder britisch-irischen Kneipe funktionieren, aber auch die größten Live-Arenen der Welt zum Schluchzen bringen. Mumford & Sons ist eine der wenigen Bands, die es schaffen, den Zuhörer zuhören zu lassen. Da entsteht eine Verbindung zwischen Song, Band und Hörer. (Island Records)

Tatsächlich gibt es New Found Glory, die Pop-Punker schlechthin, noch. „Listen Up“ nennt sich das elfte Album. Und so ein klein wenig hält das Album die Zeit an. Als die Kalifornier Anfang der 2000er so richtig auf die Bühnen der Postgrunge-Ära krachten. Hart und schnell, dabei immer der Melodie verbunden, sogar ab und an romantische Pinselstriche. So klang Punk zu Beginn des Jahrtausends. Exakt diese Songs würde man erwarten, wenn New Found Glory in 15 Jahren ihr 17. Album veröffentlichen. (Pure Noise Records)

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Der Garten heißt Max Prosas neues Album

Der Garten heißt Max Prosas neues Album 

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Für alle, die Max Prosa nicht kennen, hier die Kurzvorstellung. Max Prosa ist ein deutscher Songschreiber und Dichter. Mehr darf man nicht vorwegnehmen. Denn es besteht die Möglichkeit, einen Künstler kennenzulernen, der definitiv alles fordert von denen, die ihn hören mögen und können. Kurzer Textausschnitt zum neuen Werk (maxprosa.de): „Der Garten heißt Max Prosas neues Album und ist ein musikalischer Ort zum Verweilen. Es treffen darin Menschen auf Engel, Esel auf Könige und der Papst auf Johnny Cash. Die Göttin Nacht schluckt die Sonne, es verpassen sich ewig Wartende und es finden sich ungleiche Liebende.“ Wer hier aussteigt, tut dies zurecht. Es macht keinen Sinn, sich selbst als Intellektuellen oder gar Musikverstehenden zu sehen. Max Prosa ist weit über uns allen. „Der Garten“ blüht in einer textlichen Vielfalt, die wunderschöne Gräben öffnet, eine großartige Auswahl lang nicht mehr gehörter Wörter und eine Kombination derselben anbietet, die jede KI bezwingen würde. Musikalisch durchaus eigen, glaubt man Reinhard Mey zu hören oder dissonante Biermann-Töne. Ab und an sogar sehr viel Gundermann. Aber Max Prosa kopiert nichts oder hängt sich einfach dran. Zwischen Indie-Songs (Engel auf dem Berg) und Gewerkschaftshymne (Reiselied) bewegt sich Max Prosa leicht und sorry: spielerisch. Nicht nur dieses Album, auch alle anderen Max-Prosa-Alben sind ein Vergnügen, ein Zwiegespräch zwischen ihm und den Hörenden. Mutig, anmutig und irgendwie zerbeult. (Prosa Records)

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