Hauptbild
Alpträume aus seiner traumatischen Kindheit: der erwachsene Rudolf vorne links im Bild. Foto: Michael Böhmländer/Festspielhaus Neuschwanstein

Alpträume aus seiner traumatischen Kindheit: der erwachsene Rudolf vorne links im Bild. Foto: Michael Böhmländer/Festspielhaus Neuschwanstein

Hauptrubrik
Banner Full-Size

Ein erstickter Traum von der Zukunft

Untertitel
Erstmals in Deutschland am Festspielhaus Neuschwanstein: das Musical „Rudolf – Der letzte Kuss“
Vorspann / Teaser

„Peng, peng“ macht es gleich am Anfang der Neuinszenierung und deutschen Erstaufführung des Musicals „Rudolf – Der letzte Kuss“ im Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen am 7. Mai 2026. Und obwohl ja allgemein bekannt ist, wie das historische Drama rund um den Habsburgischen Kronprinzen und seine Geliebte Baronesse Mary Vetsera in Mayerling ausging, bleibt die Geschichte bis zu den Standing Ovations im ausverkauften Haus am Ende enorm spannend.


 

Publikationsdatum
Paragraphs
Text

Nach „Elisabeth“ und „Ludwig²“ komplettiert „Rudolf“ die Habsburger-Trilogie am Musical-Theater mit Blick auf Neuschwanstein und den Forggensee und passt natürlich hervorragend in das prachtvolle Haus mit der größten Drehbühne Europas. Zum „Ring vom Forggensee“ ernannte der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, der extra zu einem Staatsempfang gekommen war, gar die drei Musicals. Das Bohemian Symphony Orchestra Prague unter der Leitung von Koen Schoots spielte live die gesamte Länge von drei Stunden inklusive Pause. Das inzwischen staatlich geförderte Festspielhaus hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend auf eigenständige oder deutschsprachige Musicalproduktionen spezialisiert und versucht damit, sich von den großen kommerziellen Musicalketten abzugrenzen. Produktionen wie „Die Weiße Rose“ oder jetzt „Rudolf“ unterstreichen das Vorhaben.

In der Füssener Inszenierung von Regisseur Alex Balga wurde das Stück gegenüber seinen Vorgängerproduktionen weiterentwickelt, Autor Christian Struppeck und Übersetzer Wolfgang Adenberg haben zum Beispiel zwei neue Songs hinzugefügt. Der Figur der Gräfin Larisch und ihrer Vorgeschichte mit Graf Taaffe wurde mehr Raum gegeben, so konnte Barbara Obermeier in dieser Rolle glänzen. Genau wie die zweite starke weibliche Nebenrolle, die Kristine Emde als Kronprinzessin Stephanie großartig zum Leben erweckte – mit einer beeindruckenden Stimme und Präsenz. Und selbstverständlich bleiben auch Katia Bischoff und Oedo Kuipers in den Hauptrollen im Gedächtnis. Vor allem die Duette „Du bist meine Welt“ und „Vertrau in uns“ sind echte Ohrwürmer, die jedes Musical braucht.

Von Anfang bis Ende passend und sehr abwechslungsreich sind das Bühnenbild und das Videodesign von Morgan Large: eine zweigeschossige Treppen-Galerie-Konstruktion, die die 28 Meter Durchmesser der Bühne aus­reizt. Lichtdesigner Michael Grundner erzeugt durch den Einsatz von Licht und Schatten eine Film-noir-artige Atmosphäre, die den Gegensatz des bunten höfischen Lebens über aufregende alkohol- und sexgeschwängerte Halbwelten, in denen sich die adeligen Herren vergnügen, bis hin zu der von politischen Unruhen und Armut geprägten grauen Welt der Untertanen illustriert. Ein Musical-Thriller also, der am Ende die Frage aufwirft, was passiert wäre, wenn der strenge 40 Jahre lang regierende Kaiser Franz-Joseph den Ideen seines Sohnes Raum gelassen hätte.

  • Spielzeit noch bis 7. Juni 2026 und wieder vom 19. September bis 1s1. Oktober 2026.

Weiterlesen mit nmz+

Sie haben bereits ein Online Abo? Hier einloggen.

 

Testen Sie das Digital Abo drei Monate lang für nur € 4,50

oder upgraden Sie Ihr bestehendes Print-Abo für nur € 10,00.

Ihr Account wird sofort freigeschaltet!