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Anne Gourdet-Marès, Alicia Grünwald. Foto: © Matthias Jung

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Faszinierende Klangwelten – Oxana Omelchuks „Laterna Magica“ in Bonn uraufgeführt

Vorspann / Teaser

Neugier – für den einen mag das eine Schwäche sein, für die Entwicklung der Menschheit jedoch war selbige eine Grundvoraussetzung. Der stetige Drang, die Dinge zu erforschen und wissen zu wollen, warum und wie etwas funktioniert, ist untrennbar mit dem zivilisatorischen Fortschritt verbunden. Um die Neugier dreht sich im Grunde genommen auch „Laterna Magica“ von Oxana Omelchuk, ein Auftragswerk der Oper Bonn, das jetzt in der Werkstattbühne uraufgeführt wurde. 

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Dort gibt es einmal pro Saison unkonventionelle szenische Kammeropern zu sehen. Infinito Nero von Giacinto Scelsi oder zuletzt die A-cappella-Oper Svadba von Ana Sokolović waren ebenso außergewöhnliche wie hochinteressante und -spannende Produktionen, die die Messlatte ziemlich hochgelegt haben.

Auch das Setting von Omelchuks Stück ist zweifelsohne faszinierend und originell. Die Hauptrolle spielt genau genommen eine Laterna Magica, ein Projektionsgerät, mit dem bewegte Bilder projiziert werden konnten, und das damit gewissermaßen einer der Vorläufer des Kinos war. Besagte Laterna ist hier der Katalysator für die Neugier eines Studenten, der von seinem Lehrer in die Geheimnisse des Apparates und der Schöpfung eingeführt wird. Natürlich ist der Student gespannt, will mehr wissen, als er eigentlich soll, wird ungeduldig und unzufrieden, weil er nur an der Oberfläche der Dinge, nämlich ihrem Abbild, kratzen kann. Mehr als Bilder projizieren kann die Laterna eben doch nicht, das „wahre Leben“, der Grund aller Dinge, lässt sich schlicht nicht so einfach einfangen.

So verhält es sich in gewisser Weise auch mit Omelchuks statischem Stück, das die Handlung nur stark symbolhaft darstellt. Eine dramatische Handlung auf der Bühne gibt es eigentlich nur bedingt. Anne Gourdet-Marès bedient das altertümliche Projektionsgerät und wirft Bilder auf eine Leinwand. Die beiden Protagonisten (Marie Heeschen und Alicia Grünwald) stehen derweil in historischen Kostümen an Pulten und singen ihre Partien. Nur selten verlassen sie ihre Position, etwa um hinter der Leinwand als Schattenriss oder in visueller Symbiose mit den Projektionen zu agieren. Der Text (Libretto: Oliver Riedmüller) ist dabei nicht immer nachzuvollziehen, da Omelchuk die Partien beider Protagonisten eng miteinander verzahnt, fragmentiert und mit dissonanten Reibungen anreichert.

Musikalisch bietet der Abend faszinierende Klangwelten. Omelchuk entfaltet ein mystisches Kontinuum, das dem unsichtbaren Mysterium der Dinge entspricht. Sich eng umspielende Melodielinien oder deren Fragmente, mysteriöse Geräusche und wabernde Klangwolken sind ihre Zutaten. Da spielt auch das verwendete Instrumentarium eine nicht unbedeutende Rolle. Neben Violine (Jin Choi), Posaune (Oliver Meißner) und Cembalo / Keyboard (Carolina Benedettini) werden auch Instrumente aus Glas aufgeboten, die von Sascha Reckert gespielt werden. Die sorgen für sphärische Klänge und eine geheimnisvolle Atmosphäre. Das konzise Dirigat von Avishay Shalom hält alles zusammen.

Das Ergebnis ist zweifellos nicht uninteressant, erreicht aber kaum den Grad an musikalisch-szenischer Dichte, durch den sich die vorherigen Produktionen auszeichneten. Omelchuks Opus lenkt den Blick auf die Faszination des Unsichtbaren und kann mit berückenden Klängen und einer ungewöhnlichen Idee aufwarten. Letztlich kratzt das Stück aber genauso „nur“ an der Oberfläche wie die Laterna Magica. Die „Handlung“ wird nur so verklausuliert geschildert bzw. rudimentär dargestellt, dass man sie nur schwer nachvollziehen kann, wenn man nicht über weitere Informationen verfügt. Marie Heeschen und Alicia Grünwald singen ihre Partien immerhin ausgezeichnet und die Bilder aus der Laterna Magica sind auch nicht ohne Reiz.

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