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Alle Artikel kategorisiert unter »Guido Krawinkel«

Zwischen Kitsch und Kunst – Li-Tai-Pe von Clemens von Franckenstein in Bonn

10.06.22 (Guido Krawinkel) -
Nächster Coup an der Oper Bonn: im Rahmen der äußerst verdienstvollen Reihe Fokus ’33 hat man wieder eine veritable Repertoirelücke aufgetan: Li-Tai-Pe von Clemens von Franckenstein. Oper wie Komponist sind heutzutage weitgehend der Vergessenheit anheimgefallen, was mehr als erstaunlich ist. Bis zur Schließung der Theater 1944 war die Oper eine der meistgespielten in Deutschland und auch Franckenstein war kein Unbekannter: Als Intendant in Wiesbaden und München hat er Spuren hinterlassen, als Komponist ebenfalls. Und doch kennt ihn ebenso wie seine Oper heute kaum noch jemand.

Konzentriert und symbolhaft – Viktor Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis“ in Duisburg

14.05.22 (Guido Krawinkel) -
Es ist vollbracht! Drei Jahre lang schleppte man an der Deutschen Oper am Rhein die Produktion von Viktor Ullmanns Einakter „Der Kaiser von Atlantis“ nun schon mit durch die Spielpläne, nun hat es auf der Bühne des Theaters Duisburg endlich geklappt mit der Premiere. Und wieder wäre man fast gescheitert: in letzter Minute musste krankheitsbedingter Ersatz für zwei Rollen gefunden werden, und das – kleine Pointe am Rande – hatte noch nicht mal was mit Corona zu tun.

Eheklamotte macht Laune – Paul Hindemiths „Neues vom Tage“ in Gelsenkirchen

11.05.22 (Guido Krawinkel) -
Seinerzeit sorgte sie für einen handfesten Skandal, heutzutage ist nicht mal die Premiere ausverkauft: Paul Hindemiths „Lustige Oper“ Neues vom Tage. Was in den 1920er Jahren noch für einen Sturm der Entrüstung sorgte, ist heute nur eine Eheklamotte von Anno dazumal, aber eine, die wenigstens Laune macht. Denn die Spiellaune auf der Bühne des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier ist nicht zu übersehen. Das Ensemble sorgt vor nicht ganz ausverkauftem Haus für kurzweilige zwei Stunden. Auch eine pfiffige Marketing-Idee des MiR schien da nicht gefruchtet zu haben: frisch Geschiedene oder Getrennte erhielten Freikarten für die Premiere.

Ein Ereignis – und ein unterkomplexes Spektakel: York Höllers „Der Meister und Margarita“ in Köln

06.04.22 (Guido Krawinkel) -
30 Jahre ist es her, dass die Oper „Der Meister und Margarita“ von York Höller zum ersten Mal Premiere in der Heimatstadt des Kölner Komponisten gefeiert hat. Nun hat man sich den Stoff von Michail Bulgakow ein zweites Mal vorgenommen, um den 78-jährigen Höller zu ehren, aber auch weil das Werk an sich so komplex und tiefsinnig ist, dass es nicht verkehrt erscheint sich nochmal damit zu beschäftigen.

Katastrophe – Leoš Janačeks „Katja Kabanova“ in Duisburg

08.03.22 (Guido Krawinkel) -
Die Konstellation ist eigentlich altbekannt: ein willensschwacher Ehemann, der unter der Fuchtel eines „Schwiegermonsters“ steht. Eine Schwiegertochter, die nie gut genug ist. Und eine Liebesgeschichte, die tragisch endet. Gespielt wird das auf einer konventionellen Guckkastenbühne, die sich den ganzen Abend nur in Details verändert. Die allerdings sind entscheidend und unter anderem ein Grund dafür, dass Leoš Janačeks Oper Katja Kabanova im Theater Duisburg zu einem packenden Drama wird.

Diskrepanz der Mittel – Herzog Blaubarts Burg am Aalto-Theater Essen

22.02.22 (Guido Krawinkel) -
Nur gut eine Stunde dauert Béla Bartóks einzige Oper Herzog Blaubarts Burg. Nicht selten wird sie deshalb mit anderen Werken gekoppelt, um doch noch einen ausgefüllten Opernabend voll zu bekommen. Nicht so am Aalto-Theater Essen. Hier setzt man ausschließlich auf Bartóks seinerzeit für unspielbar gehaltenen Opernsolitär. Das mag dramaturgische Gründe haben oder organisatorische, wobei der Stoff und die Vertonung an sich ja durchaus eindrucksvoll genug sind, um nachhaltig zu beeindrucken. In Essen blieb dieser Eindruck allerdings gemischt, wirft die Inszenierung von Paul-Georg Dittrich doch mehr Fragen auf als sie beantwortet.

Unterhaltsam, temporeich, pointiert – Moritz Eggerts „Iwein Löwenritter“ an der Oper Bonn

31.01.22 (Guido Krawinkel) -
Dieser Iwein, der macht Kinder froh … und Erwachs‘ne ebenso. So könnte man in Anlehnung an die Werbung eines aus Bonn stammenden Süßwarenherstellers titeln, denn die Oper aus der Feder von Moritz Eggert, die in der Regie von Aron Stiehl am dortigen Opernhaus uraufgeführt wurde, bringt tatsächlich das Kunststück fertig Alt wie Jung zu begeistern.

Bonner Baustellen und ein Blick in die Zukunft

21.01.21 (Guido Krawinkel) -
„Die Macht in der BRD war ausgesprochen männlich, denn du kannst nicht mit den Großen pissen.“ Eine ernüchternde Erkenntnis war es, die die Journalistin Ursula Kosser da lieferte. Sie berichtete von den goldenen Zeiten der Bundesrepublik, vom Bundespresseball und den Mechanismen der Macht, die sie jahrelang hautnah miterlebt hatte. Dabei stand sie inmitten der Garderoben der völlig entkernten Beethovenhalle, eines Torsos, der in gewisser Weise symptomatisch für den derzeitigen Stand des Beethovenjahres ist, denn der ist ausgesprochen trostlos.

Antworten auf Frage nach dem Klang unserer Zeit

17.12.20 (Guido Krawinkel) -
2013 hatte die Bonner Pianistin Susanne Kessel ihr Projekt „250 piano pieces for Beethoven“ gestartet, nun ist bei zwei Konzerten im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses der 10. und letzte Band der dazugehörigen Notenedition vorgestellt worden. Aus 250 sind mittlerweile 260 Stücke geworden, rund 150 Komponisten aus 47 Ländern waren in den Vorjahren zur Uraufführung ihrer Werke angereist, und dann kam Corona und machte dem großen Finale erst mal einen Strich durch die Rechnung. Dennoch, abgearbeitet ist das Projekt für Kessel noch lange nicht: die letzten Korrekturfahnen sind gerade erst gelesen, viele Stücke müssen noch für eine spätere Veröffentlichung aufgenommen werden. Insgesamt aber kann man sagen: Es ist vollbracht.

Kontrabass ausgebootet, Bratsche gewinnt

11.11.20 (Guido Krawinkel) -
An Karneval kommt im Rheinland keiner vorbei, auch nicht 1790, auch nicht, wenn man Ludwig van Beethoven heißt. Seinerzeit war das in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen vermutlich eher ein geziemendes Vergnügen denn ein ungezügeltes Über-die-Stränge-Schlagen. Der 20-jährigen Beethoven komponierte jedenfalls für eine Karnevalsveranstaltung des Grafen Ferdinand von Waldstein ein Ritterballett, zwölf kurze Sätzchen mit zusammen kaum 12 Minuten Spieldauer, ein „karakteristischen Ballet in altdeutscher Tracht“, das, mit den Worten des Grafen, die „Hauptneigungen unsrer Urväter, zu Krieg, Jagd, Liebe und Zechen“ in ebenso schicklicher wie überzeichneter musikalischer Form aufgreift.
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