Die Theaterferien sind vorbei. Endlich wieder Zeit für große Oper. Die Semperoper startete mit Verdis „Un ballo in maschera“ in die neue Saison.
Germán Enrique Alcántara (Renato), Rosalia Cid (Oscar), Komparsen; Semperoper Dresden/ Jochen Quast
„Maskenball“ in der Dresdner Semper-Manege – pures Liebesdrama oder politische Oper?
Während nun insbesondere das konfliktgeladene Trio Riccardo, Amelia und Renato spielerisch überzeugend agiert hat – genial der zentrale Moment, als Mann und Frau den bedrohten Gouverneur vor seinen Feinden retten wollen, ohne aber zu wissen, dass sie ein Paar sind –, wirkten sämtliche Chorszenen sehr statuarisch. Davon vermochte Rosalia Cids Oscar zwar mit großer Agilität ein wenig abzulenken, überdeckt werden konnte trotz aller burlesken Szenen aber nicht, wie wenig Verdis „Maskenball“ einer stringenten szenischen Idee zu folgen vermochte.
Vor Jahresfrist hat Daniele Gatti zum ersten Mal eine Spielzeit der Sächsischen Staatsoper Dresden mit Verdi eröffnet. Auf den damaligen „Falstaff“ (nmz online 7.10.2025) folgte nun „Un ballo in maschera“. Einmal mehr also Giuseppe Verdi zum Saisonbeginn der Semperoper mit dem Italiener am Pult der Sächsischen Staatskapelle.
Verbunden war dies mit dem Regie-Einstand der gefeierten Sängerin Angela Denoke, die seit einigen Jahren auch inszenatorisch reüssiert, an diesem Haus. Die Sopranistin war hier in Wagners „Lohengrin“ zu erleben, im „Wozzeck“ von Alban Berg sowie in den Strauss-Opern „Arabella“ und einer Neuproduktion des „Rosenkavalier“. Das italienische Fach habe ihrer Stimme nicht so gelegen, dem nähert sie sich nun als Regisseurin. Mit besonderer Vorliebe, wie sie gestand, just für den „Maskenball“, der in Dresden selbstverständlich im italienischen Original erklang.
Nach vielem Hin und Her konnte das von der damaligen Zensur erst verhinderte und dann überarbeitete Werk 1859 endlich in Rom uraufgeführt werden. Dresdens Hofoper zog bereits 1868 nach. Gewiss in einem gänzlich anderen Klangbild als dem von Chefdirigent Daniele Gatti. Er bewegte dieses faszinierende Stück über Maskeraden und Identitäten, über Täuschungen und Enttäuschungen in unterschiedlichsten Klang- und Bewegungsräumen. Als öffne er dem Werk eine neue Dimensionalität. Sein sowohl von großer Liebe als auch von enormer Kenntnis durchdrungenes Verständnis dieser Oper evoziert neben reinem Genuss auch eine enorme Spannung, von der Staatskapelle in gewohnter Klangqualität entfaltet. Gatti kitzelte jede Menge Ornamentik aus der Partitur, widmete sich en detail den Korrespondenzen sowohl innerhalb des Grabens als auch im Verbund mit der Bühne. Das Resultat war – trotz mitunter gedehnter Tempi – eine schillernde Brisanz, die in Tutti-Passagen von Orchester, Solisten und energiegeladenem Opernchor überwältigend geriet.
Rosalia Cid (Oscar), Vladyslav Buialskyi (Samuel), Tilmann Rönnebeck (Tom), Germán Enrique Alcántara (Renato), Komparsen; Foto: Semperoper Dresden/ Jochen Quast
In ihrer ersten Regiearbeit an einem wirklich großen Haus durfte sich Angela Denoke sowohl auf die szenische Mitarbeit von Fabio Toraldo als auch auf die imposante Ausstattung von Timo Dentler und Okarina Peter verlassen. Ein kreisförmig raumgreifender Messingkranz hing über der Bühne, der mal einen manegenartigen Rundvorhang trug, sich mal öffnete und drei massive Elemente freigab, die ineinander drehbar waren und unterschiedlichste Raumsituationen erzeugten. Schlussendlich taugte das Ganze auch für ein prachtvolles Ballsaal-Ambiente. Mitsamt glitzernder Kostüme, farbenfroher Garderoben und seidig-samtiger Anzüge gab es reichlich Futter fürs Auge.
Fürs Ohr, siehe oben, galt dies ähnlich, denn neben Gatti, Chor und Orchester wetteiferten die Solistinnen und Solisten um einen Premierenabend als Stimmfest. Francesco Meli lieh seinen Strahletenor einem angstfrei herrschüchtigen Riccardo, den scheinbar nichts umwerfen kann. Als dies dann aber doch geschah, sich seine Liebe zu Amelia als nicht lebbar erwies und ihm der Betrug am besten Freund auf der Seele lag, fand er zu ergreifend menschlichen Tönen, beinahe zart. Die geliebte Amelia freilich, verheiratet mit Riccardos einzig wahrem Vertrautem, lebt in einer Ehe zwischen Treue und Überdruss, changiert emotional von stolz bis zerbrochen, will ausbrechen, bekennt ihre Liebe zu Riccardo, und fügt sich dann doch ins Schicksal der zu bestrafenden Betrügerin. Nicole Car formte dazu eine überwiegend feine Lyrik, wurde in der Höhe spitz, leistete sich nonchalant auch mal ein klitzkleines Holpern, spielte mit Grandezza und erwies sich als geradezu ideale Besetzung. Gleiches lässt sich von Rosalia Cid sagen, deren Oscar gewissermaßen den hintergründigen Spielleiter dieses Melodrammas abgab. Klug und gewitzt in Spiel und Stimme, errang die Spanierin verdientermaßen immensen Premierenapplaus. Der brandete zwar auch beim Dresdner Hausdebüt von Germán Enrique Alcántara auf, einem kraftstrotzdenden Bariton aus Argentinien, dem einige Buhs am Ende aber wohl seine etwas ruppige Stimmführung vorwerfen wollten.
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Termine: 7., 10., 17. und 21. Oktober
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