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Neue Musik-Zeitung - Vor 100 Jahren

Neue Musik-Zeitung – Vor 100 Jahren 

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Vor 100 Jahren: Musikbriefe [Alexander Lászlós Farblichtklavier, Hauseggers Natursinfonie]

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F. P., Neue Musik-Zeitung, 47. Jg., 2. April-Heft 1926
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München. Wir haben wieder einmal ein neues „Gesamtkunstwerk“. Sein Schöpfer (besser Erfinder) und Prophet ist der ungarische Pianist A. Laszlo, der dieser Tage im ausverkauften Residenztheater einem neugierigen Publikum erstmals Werke eigener Komposition für Klavier und Farblichtklavier vorführte. Den Flügel kennt jedermann und Laszlos Kompositionen dafür wiesen zwar manches Hübsche, jedoch nichts wesentlich Neues auf.

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Das Farblichtklavier – von einem kongenialen Maler-Musiker zu bedienen – ist samt der zugehörigen Farblichtnotation Laszlos eigene Erfindung und projiziert auf eine Leinwand im verdunkelten Bühnenhintergrund farbige, abstrakte (expressionistische) Bildmalereien, die gleichzeitig mit dem Ablauf der Musik erscheinen abrollen, verschwinden, überleuchtet oder umgefärbt werden etc. Aufgeführt wurden elf kürze Präludien und eine dreisätzige „Sonatina“‚, auf der Leinwand erschienen außer reinen Phantasieformen allerhand farbige Sonnen, Dreiecke, Keile, expressionistische Schneegebirgs-und Friedhofslandschaften, gelegentlich auch drei veritable bunte Rieseneier.

Von dem proklamierten Gesamtkunstwerk wurde nicht allzuviel merkbar, da z.B. mitunter nicht einmal ein entscheidender Harmoniewechsel der Musik mit entsprechendem Stimmungswechsel der Farbgebung genau zusammenfiel. Zudem machte der farblichtbildnerische Teil. für dessen Entwürfe der Maler M. Moll verantwortlich zeichnete, nicht den Eindruck bedeutender schöpferischer Potenz, und ohne diese geht die Zusammenspannung zweier Künste schon gar nicht an. So erlebte man nicht die Geburt einer neuen Kunst, sondern wohnte einem ästhetisch-psychologischen Experiment bei, dem man anstandshalber seinen Beifall spendete.

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F. P., Neue Musik-Zeitung, 47. Jg., 2. April-Heft 1926

F. P., Neue Musik-Zeitung, 47. Jg., 2. April-Heft 1926

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Überzeugender als die Farblichtmusik wirkte entschieden die farblose Musik der letzten Zeit. Hausegger brachte mit seiner Natursinfonie die ganze Wucht seiner ethisch-hochgespannten Persönlichkeit zum Ausdruck und führte unter anderem jüngst Busonis reizvolle Turandotsuite schlechthin vollendet auf. In einem Konzert vertrat ihn Dr. Rudolf Siegel (Krefeld) mit sehr eindrucksvoller Wiedergabe der ersten Mahlersinfonie, nach Mendelssohns Violinkonzert, das Alma Moodie vollkommen souverän interpretierte. Daß man Schuberts große C dur-Sinfonie innerhalb sechs Tagen nicht weniger als viermal aufführte, zeugt von verkehrter Programmpolitik, namentlich hier und heute, wo der Konzertbesuch ohne dies schlecht genug ist. […]

F. P., Neue Musik-Zeitung, 47. Jg., 2. April-Heft 1926

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