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Bass-is – das Fundament im Vordergrund

Untertitel
Jazzneuheiten, vorgestellt von Hans-Dieter Grünefeld
Vorspann / Teaser

Einst war der Kontrabass im Jazz vor allem das harmonisch und auch rhythmisch stützende Korsett. Jetzt sind sowohl das Instrument als auch dessen Protagonisten vom Hinter- in den Vordergrund gerückt, nämlich als exponierte Solisten und profilierte Komponisten.

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Zu den Pionieren dieser Equipe gehört Miroslav Vitouš aus Tschechien, dessen „Mountain Call“ durch seinen expressiven Bass con arco sich im Duo mit Michel Portal an der Bassklarinette in Call & Responses reflektiert. Diese Programm-Coda verklammert das lyrische Intro „New Energy“ in gleicher Besetzung. Dazwischen ein melodischer „Tribal Dance“ mit Schlagzeuger Jack DeJohnette, die mystische „Epilog“-Aura mit selbst wie Aquarelle arrangierten Orchester-Kolorits, deren Intensität bei der „Rhapsody“ mit dem Gesang von Esperanza Spalding und lyrischen Combo-Improvisationen noch gesteigert wird. (ECM)

Zehn Jahre jünger ist Anders Jormin aus Schweden. Im Dialog mit der US-amerikanischen Pianistin Marilyn Crispell gedenkt er in einem schwebenden Dialog aus konstanten Klavier-Arpeggien, Bass-Flageoletts und alternierenden Tönen tiefen Registers „For The Children“. Solche poetischen Stillleben ergeben sich aus filigran gestalteten Erzählungen, manchmal pointillistisch am Klavier und gestrichenem Bass, manchmal Pizzicato in freien Assoziationen zu dichten Tasten-Akkorden. Ihre „Memento“-Momente sind emotionale Korrespondenzen von berührender Aufrichtigkeit. (ECM)

Aus den USA und gleicher Generation kommt Michael Formanek. Per Septett späht er nach „New Digs“, erkundet entlang einer Litanei Konturen von „Old New World“, wobei das Thema ein Strukturelement für polyphone Improvisationen mit stoischer Bass-Konstante ist. Diesem Prinzip folgt er auch, wenn aus flackernden Akkordblöcken ein swingendes Muster entsteht, ein Sax-Solo zu einer Misterioso-Stimmung strebt oder Hammond-Gluckser sich zur Rockjazz-Façon verdichten. Feste Motiv-Gerüste sind Gelenke für hochgradiges Interplay, im Ganzen: elastische Klangformate. (Intakt)

Nun seit knapp vier Jahren lebt Makar Novikov aus Russland in Berlin. Während seiner „Long Journey“ hat er unterwegs einige Latin-Kolorits adaptiert, die er auf einem „Desert Island“ mit hellem Bossa con arco präsentiert. Unprätentiös bleibt er allerdings eher Regisseur seines Trips, etwa durch vibrierendes Ostinato am „Emergency Exit“, wo ein symmetrisches Brass-Thema zur Groove-Abfahrt wartet, die dann im ungeraden Latin-Metrum stattfindet. Im Titelsong singt Olivia Trummer, auch als sublim artikulierende Pianistin aktiv, eine Ballade, deren Sujet zwischen Traum und Wirklichkeit schwankt. Dieses Repertoire öffnet Fenster zu unerwarteten Perspektiven. (Rainy Days Records)

Ist der akustische Kontrabass auch weiterhin unverzichtbar, so hat Björn Meyer aus Schweden neue Dimensionen seines sechssaitigen Elektro-Basses entdeckt und entwickelt, die beide Versionen zur „Convergence“ (Annäherung) bringen, etwa indem er einen repetitiven Loop aus dem Off im Sinne eines gezupften Pizzicato kommentiert. 

Oder Kontraste von impressionistischer Diskant-Melodik zu delikaten Registerwechseln herstellt. Vertikale Slaps und Flageoletts in Hall-Resonanzen haben ähnliche Effekte dieser Solo-Konversationen, die stets in imaginativen Bereichen bleiben. Seine mehrstimmigen Kompositionen sind ebenso sonore wie komplexe Selbstgespräche eines nachdenklichen Solitärs. (ECM)

Als Quintessenz deutet das doppeldeutige Anagramm „Bass-is“ auf die Balance der Fundament-Funktion und direkt prägende Bass-Präsenz des modernen Jazz. 

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