Heftiger Einstieg in die Mitte des Frühlings. Black Label Society +++ Höchstinteressant ist das Album, besser die EP „I Sure Am Getting Sick Of This Bowling Alley“ von McLusky +++ Nina Hagen kehrt mit „Highway to heaven“ zu ihrer Gospel-Liebe zurück. +++ Bis es wieder besser wird, sei ein weiteres Album der Tedeschi Trucks Band empfohlen. „Future Soul“ weist auf erfreulichere Erdzeiten hin. +++ The Goo Goo Dolls waren nun mit vier Songs an der Reihe. Wieder einmal beweist die Band, welch erstklassige Musiker sie sind.
Nina Hagen kehrt mit „Highway to heaven“ zu ihrer Gospel-Liebe zurück.
Freidenker und Schreibtischtäter
Heftiger Einstieg in die Mitte des Frühlings. Black Label Society, die knochentrockene Heavy Metal Band um Gitarrist Zakk Wylde, lässt die Maiglöckchen gleich schneller sprießen. „Engines of Demolition“ nennt man wohl das, was man gerne schreibt, wenn alle Eckdaten eines Metal-Albums erfüllt sind: kompromisslos. Bedeutet. Ziemlich deutlich sind Zakk Wyldes Blueseinflüsse zu hören, relativ ungeschminkt und düster sind alle sonstigen Riffs, Soli und Gitarreneffektgeräte einzuordnen. Nebenbei gibt es dreizehn teils hymnische, teils heroische Songs zu hören, die mitunter recht bitter den Rachen hinunterlaufen. Das ist schließlich nur als fabelhaft zu bezeichnen. (Spinefarm Music Group).
Höchstinteressant ist das Album, besser die EP „I Sure Am Getting Sick Of This Bowling Alley“ von McLusky. Könnte bei einigen klingeln, denn der Name spukte Ende der 1990er schon durchs Business. Es folgten jedoch Auflösung, Wiedervereinigung, Auflösung, Halbvereinigung und mehrere Zwischenperioden (nicht zwingend in dieser Reihenfolge), so dass man den Überblick verlieren darf. 2025 erst ein richtiges Album, 2026 folgt die EP. Sechs Songs, die so charmant unangepasst sind und zwischen Sex Pistols, Beastie Boys, Nine Inch Nails als Lo-Fi-Version und einer lockeren LMAA-Haltung beinahe cremig hin- und her schwanken. Da wird geknurrt und gekeift, da nerven ADHS-Gitarrenriffs, die sich während des Songs keinen Deut ändern (Spock Culture) oder die Texte machen angenehm angriffslustig, weil sie vordergründig Nonsens bedeuten, aber trotz aller Ironie beißend sind. Für jüngere Hörer: Wenn man sich bei der Schwiegermutter missliebig machen oder die Peer Group von der eigenen Nerdigkeit überzeugen will: McLusky hilft. (Ipecac Records)
Nina Hagen kehrt mit „Highway to heaven“ zu ihrer Gospel-Liebe zurück. Das ist so anmutig crazy, dass man nur feststellen kann: Dieses Album kann nur Nina Hagen machen. Denn, Gospel mag man hören, doch was durchschimmert, sind auch Pop, Rock, Soul, Blues und irgendwas Transzendierendes, das in dieser Form, dieser Konstellation und in diesem Moment nur Nina Hagen vollbringen kann. Man darf sich nicht davon abschrecken lassen, dass Nana Mouskouri und Gitte Hænning dabei sind und mit ihr Evergreens neu auflegen, etwa von Mahalia Jackson oder Kitty Wells. „Highway to heaven“ glänzt mit Kurzweil und Einzigartigkeit. (Groenland Records)
Nina Hagen kehrt mit „Highway to heaven“ zu ihrer Gospel-Liebe zurück.
In Zeiten wie diesen beschwört man gerne die Formel, alles wird wieder gut. Nun ja. Könnte sich ziehen. Bis es wieder besser wird, sei ein weiteres Album der Tedeschi Trucks Band empfohlen. „Future Soul“ weist auf erfreulichere Erdzeiten hin. Würziger Country-Soul-Rock-Blues-Pop ist das Alleinstellungsmerkmal der Band. Das hat nichts mit den naiven, uns bekannten, Country-Barden oder Country-Girls zu tun, die die Wurzeln des Genres für Streams oder Image verkaufen. Die Tedeschi Trucks Band zeigt sich einmal mehr als virtuoses 12-köpfiges Country-Orchester, das gescheite Songs schreibt, unprätentiöse Emotionen bedient und gleichzeitig diesen verpönten Begriff der „guten Laune“ bedient. Dazu passt, dass „Future Soul“ von Produzent Mike Elizondo arrangiert und betreut wurde, der immerhin Erfahrungen mit Rapkünstler Dr. Dre oder den Hardcore-Punkern von Turnstile vorweisen kann. So gesehen, hatte die Tedeschi Trucks Band von Beginn an keine Chance, schwülstig zu werden. Zum Einstieg gerne „Hero“ (Track 4) hören. (Fantasy Records)
Seit vielen Jahren sind die „Tiny Desk Concerts“ des amerikanischen Hörfunknetzwerks NPR absoluter Kult. Wenn man so möchte, vielleicht das neue und das eigentlich echte MTV unplugged. Auf gefühlten drei Quadratmetern drängen sich Musiker und Instrumente, es gilt, Können unter Beweis zu stellen, fernab digitaler Studiotechnik. The Goo Goo Dolls waren nun mit vier Songs an der Reihe. Wieder einmal beweist die Band, welch erstklassige Musiker sie sind und schmerzlich wird bewusst, dass sie in Deutschland nur mit „Iris“ bekannt sind, einer Hollywood-Schnulzen-Soundtrack-Ballade. Auch die gibt es freilich bei „Live From Npr‘s Tiny Desk“ zu hören. Die vier Songs der vorwiegend ruhigeren Art überzeugen mit smartem Arrangement (viel Piano) und der Erkenntnis, dass die Goo Goo Dolls weit mehr sind als ein One-Hit-Wonder. (Youtube)
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