Beck +++ Ellur +++ Keni Titus +++ Megadeth
Künstler am Anfang und am Ende
Nun, ohne Zweifel. Beck ist ein durchaus streitbarer Künstler. Nicht nur geworden, sondern permanent gewesen. Neuere Aufnahmen sind Mangelware, dafür hat er sich entschieden, eine Sammlung seiner bereits aufgenommenen Liebeslieder zu veröffentlichen. Wie romantisch. Lediglich zwei der auf dem Album vorhandenen Titel wurden für das Album „Everybody’s gotta learn sometime“ noch einmal neu eingespielt („True love will find you in the end“ und „Your cheatin’ heart“). Dass Beck Liebeslieder kann, ist bekannt, ob die Zusammenfassung auf diesem Album nötig war, sei dahingestellt. Erwähnenswert bleibt natürlich ein weiteres Mal das wunderschöne „Everybody’s gotta learn sometime“, das ebenso wie die Elvis Cover-Version „Can’t Help Falling in Love“ ganz wunderbar anzuhören ist. Das Album ist selbstverständlich für verträumte, nachdenkliche und visionäre Momente sehr gut zu gebrauchen. Konzentration auf das Wesentliche. Keine Ablenkung. Für Sammler eine lohnende Investition. (Capitol Records)
„Alternative Music“ muss Mitte der Zwanziger keine wirkliche Auszeichnung mehr sein. Viel zu oft wurden Künstler und Bands in diese Schublade geschoben, um sich letztlich doch nur als Popmusiker zu verkaufen und damit zu verraten. Ziemlich anders läuft es mit Ellur und dem Album „At Home In My Mind“. Die britische Sängerin und Songwriterin hat wirklich ihr Herz in die Hand genommen und ein zauberhaftes Album vorgelegt, das man fürwahr als „Alternative Music“ bezeichnen kann. Es handelt sich um herrlich lakonisch abperlende Musik, die den Hörer trifft. Zuweilen ins Herz. Es sind zarte, anlehnungsbedürftige Harmonien, die je nach Song mal anschwellen oder abebben. Unterschwellig neigt man ständig dazu, diese Songs als Rocksongs zu begreifen, so subtil sind die Alternativ-Botschaften, die sie sendet. Immer wieder wuchten die Refrains einen Krater aus den fundamentalen Strophen zuvor. Selten kommt man zur Ruhe, weil die Songs eben nicht aufwühlend sind, sondern erstaunlich still, behutsam und irgendwie im Lot stehen. Ein Album zudem, das komplett funktioniert. Ohne Ausnahme. Großer Wurf. (Dance to the Radio)
Keni Titus, quasi eine amerikanische Kollegin von Ellur, brettert mit einem ähnlich überragenden Singer-Songwriter Album namens „AngelPink“ (ja, zusammengeschrieben) in das noch junge Jahr 2026. Tolle Melodien, eine einnehmende Stimme, zwischen brüchig, heiser und Stimmbandentzündung. Herrlich. Begleitet von stets dezenten, im Hintergrund agierenden Instrumenten (oft Akustikgitarren), singt die 21-jährige Keni Titus ziemlich offen über (ihre?) Emotionen oder Gefühlslagen im Allgemeinen. Hier und da lugt ein spätjugendlicher Humor um die Ecke, den man den Texten zu entnehmen glaubt. Ihre Karriere in den Staaten wird begleitet von hochfrequenten Social-Media-Anpreisungen, das ist eben die Plattenfirma der Generation Z, Instagram und Co. Man muss diese Album all denjenigen ans Herz legen, die nach etwas Echtem auf der Suche sind. Die es satthaben, mit den Konserven-Aufgüssen der vermeintlich jungbleiben wollenden Plastikkünstler belästigt zu werden. Ein Album Keni Titus ersetzt zehn Alben Taylor Swift. Auf Ernst! (Banner Yeer Recordings)
Und während Keni Titus also in den ersten Zügen ihrer Laufband liegt, wendet sich die amerikanische Thrash Metal Band Megadeth um ihr Mastermind Dave Mustaine den letzten Zügen des musikalischen Schaffens zu. „Megadeth“ ist das lang angekündigte Abschiedsalbum, mit dem sich die Rocker samt Tour in den Ruhestand verabschieden. Für Dave Mustaine (65) mag es hoffentlich eine Erlösung sein. Endlich loslassen vom Trauma, einst bei Metallica vor die Tür gesetzt worden zu sein und deshalb nicht Mitglied der erfolgreichsten Rockband der Welt gewesen zu sein. Kein Interview, in dem er nicht lamentierte oder einfach schlecht gelaunt war. Schade. Denn Mustaine kann Songs schreiben. Das Album „Megadeth“ beweist dies einmal mehr. Hätte er nur halb so viel Energie in all die anderen Megadeth- Alben gesteckt, statt jedes Mal darauf hinzuweisen, dass er zahlreiche Metallica-Songs geschrieben hätte, wer weiß, eventuell wäre Megadeth noch größer als Metallica geworden. „Megadeth“ ist jedenfalls ein ehrenwerter und würdiger Abschluss. (Frontiers Records)
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