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Die Erscheinungen der Natur sind für Kristine Tjögersen die wesentliche Inspirationsquelle.

Die Erscheinungen der Natur sind für Kristine Tjögersen die wesentliche Inspirationsquelle.

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Räume der Dunkelheit

Untertitel
Neue CDs neuer Musik, vorgestellt von Dirk Wieschollek
Vorspann / Teaser

Gentle Fire +++ Kristine Tjögersen +++ Mirela Ivičević

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Ein echtes historisches Fundstück, das diese Rundfunk-Kooperation von rbb und hr zu Tage gefördert hat: Anfang der 1970er Jahre gastierte die Londoner Formation Gentle Fire in Deutschlands Rundfunkhäusern. Der Berliner Komponist Erhard Grosskopf war da gerade in seiner politischen Phase und so verstand sich „Looping“ (1973) als direkte Reaktion auf den gerade beendeten Vietnamkrieg, Textzeilen von Mao Tse Tung inklusive. Das vielfarbig fluktuierende Kontinuum aus Ensemble und Bandzuspielung entfaltet Klang-Spektren, deren harmonische Fundamente die Instrumentalstimmen setzen. Eine interessante Gemengelage offenbart Graham Hearns „Art Must Be Fed“ (1972): Melancholische Jazz-Intarsien von Klavier, Trompete und Stimme (Chet Baker lässt grüßen) treffen auf punktuell perkussive Geräuschartikulationen, die sich Zufallsoperationen verdanken. Interessant, die ganz unterschiedlichen Eigengewächse des Improvisations-Kollektivs, die in ihrer Geräuschintensität an die Aktivitäten des heutigen Zeitkratzer-Ensembles erinnern: Die „Group Composition III“ (1971) stellt ein selbstentworfenes Metallobjekt ins Zentrum des Geschehens, den gHong, der von allen Spielern beflissen beackert wird. Das „Music Project V-II“ (1971) entfaltet irisierend schönen Minimalismus, wenn eine Dominante und eine Subdominante ineinander geblendet werden. Das war’s auch schon ... (Paradigm Discs)

Die Erscheinungen der Natur sind für Kristine Tjögersen die wesentliche Inspirationsquelle. In „Night Lives“ (2023) widmet sie sich einer Welt, die für uns größtenteils unsichtbar bleibt. Eine Reise durch die kreatürliche Nacht in sieben Etappen, entstanden als interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Vertretern aus Biologie, Szenografie und Licht-Design. Aus der Raum-Installation wurde nun das akustische Surrogat destilliert, das so vielfältig und suggestiv daherkommt, dass man eigentlich gar nichts Visuelles vermisst: eine klanglich höchst diverse Artenvielfalt zwischen instrumentalem Geräuschklang und Elektronik, mit all ihren potentiellen Lebenszeichen nächtlicher Daseinsformen. Zwei Klangquellen spielen dabei eine besondere Rolle: das Flötenspiel von Anne-Karin Hauge und diverse Moog-Synthesizer. Letzteres führt in „Beyond Violet“ zu Ambient-Klängen mit kleinen Melodie-Partikeln und im „Bat Club“ zu pulsierenden Beats. Warum am Ende in „Mountain of green Stentors“ dann Monteverdis Marienvesper anklingt, erscheint in diesem Kontext ein wenig rätselhaft. Klingt wunderschön, aber warum? (Aurora Records)

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Die Erscheinungen der Natur sind für Kristine Tjögersen die wesentliche Inspirationsquelle.

Die Erscheinungen der Natur sind für Kristine Tjögersen die wesentliche Inspirationsquelle.

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2021 war Mirela Ivičević Siemens-Förderpreisträgerin, nun ist ihre Portrait-CD erschienen, eingespielt von den ästhetischen Verbündeten des Black Page Orchestras. Ähnlich wie bei Kollegin Milica Djordjević ist die bemerkenswerte Intensität ihrer Musik von existentiell-politischen Hintergründen gespeist. In „Sidra in the Sky with Diamonds/Rainbow Hoodie“ (2024) wird die schneidend-aggressive Klangwelt bewegt vom Tod des siebenjährigen Mädchens Sidra, das zu einem der prominentesten Opfer in Gaza wurde. Ivičević knüpft hier eindringliche Texturen der Unruhe und Bedrohung, die oft in Augenblicke brutaler Klang-Massierung hineinlaufen. Jederzeit kann in Ivičevič’ Musik das Unerwartete hereinbrechen: zum Beispiel eine Flötenmelodie aus einem dalmatinischen Beerdigungsritual oder die Tape-Zuspielung eines kindlichen Hilferufes während der israelischen Bombardierungen. Auch durch „Case Black“ (2016) geistert die Unerbittlichkeit des Krieges in rastlosen Wiederholungsschleifen. Es ist eine Erinnerung an Ivičevič’ Großvater, der 1943 im kroatischen Partisanenkampf umkam. Am Ende erklingt ein Widerstandslied als nostalgisches Objet trouvé, instrumentiert wie in einem Italo-Western. Eine deutlich kontemplativere Atmosphäre vermittelt „Better Place (Angels Ascending)“ (2024) mit den United Instruments of Lucillin. Kein hartes Aufeinanderprallen verschiedener klanglicher Realitäten mehr, sondern harmonisch schwebende Flächen, die im Angedenken an die Kinderopfer enthemmter Kriegs-Maschinerien der Gegenwart in eine ätherische Ferne entschweben. Das dünkt gefährlich kitschig, ist es klanglich aber nicht … (Prospero Classical)

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