Siegfried Translateur: Wiener Praterleben – Walzer, Intermezzi, Märsche. Nürnberger Symphoniker +++ Bernard de Vienne: L’étoffe des rêves. Diverse Interpreten
unüberhörbar 11/2026
Siegfried Translateur: Wiener Praterleben – Walzer, Intermezzi, Märsche. Nürnberger Symphoniker, Ltg.: Jan Michael Horstmann. CPO
Das Titelstück, sein bekanntestes Werk, führt uns ganz schön in die Irre: Siegfried Translateur (1875–1944) war kein Wiener, sondern ein aus der Breslauer Gegend stammender Jude, der in Berlin eine steile Karriere hinlegte, zunächst als Komponist, dann auch als erfolgreicher Musikverleger. Noch bis zum Ende der Weimarer Zeit verströmten seine geschmack- und humorvollen Walzerfolgen den Duft der guten alten Zeit, sprich: des 19. Jahrhunderts, das in den Schützengräben des Weltkrieges versunken war. Doch der Bedarf an melodischer und gefühlvoller, noch dazu altmodisch tanzbarer Musik, welchen die aufziehende musikalische Moderne nicht zu stillen vermochte, bestand weiterhin. Elegantere Interpreten als die Nürnberger Symphoniker kann ich mir für diese zauberhaften, sorgfältig gearbeiteten Kleinodien gar nicht vorstellen. Höchste Zeit, auch im Konzert- und Ballsaal den in Theresienstadt umgekommenen Translateur wieder aufleben zu lassen!
[Mátyás Kiss]
Bernard de Vienne: L’étoffe des rêves. Diverse Interpreten. Polymuz (2 CDs)
Am Vorabend seines 70. Geburtstags erscheint eine vorzüglich kuratierte Box mit einer kleinen Werkauswahl von Bernard de Vienne (*1957). Die beiden CDs versammeln dabei neun Kompositionen, entstanden zwischen 1992 und 2024: von der knapp gefassten Kammersinfonie Nr. 1 (L’Envie de partir), mit der Vienne 1993 den Kompositionswettbewerb in Triest gewann (live eingespielt vom Klangforum Wien), bis zum Streichquartett Nr. 4 (2024), das zwei Tage nach der Uraufführung vom Quatuor Lontano aufgenommen wurde. Bernard de Vienne geht mit seinem Œuvre einen bemerkenswert eigenen Weg mit Klangkonstellationen, klar gefassten Rhythmen und dramatischen Entwicklungen – Aspekte, in denen sich womöglich auch sein weit gefasstes Interesse an Poesie, Malerei, Philosophie und Naturwissenschaften spiegelt. Ein 18-seitiges Interview sowie einzelne Werkkommentare machen die Veröffentlichung zu einer Dokumentation eines im deutschen Sprachraum weithin Unbekannten.
[Michael Kube]
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