Die DEGEM (Deutsche Gesellschaft für elektronische Musik) feiert Jubiläum mit der 25. CD-Veröffentlichung +++ Eloain Lovis Hübner gehört zu den Komponistinnen, die nicht müde werden, die Klang-Ressourcen „klassischer“ Instrumente und illustrer Alltagsobjekte gewinnbringend miteinander zu vernetzen. +++ An der Schnittstelle von Jazz und Neuer Musik zählt DLW seit einigen Jahren zu den eloquentesten Formationen.
Eloain Lovis Hübner im Podium der Gegenwart.
Verwobenes vom Planet Klang
Die DEGEM (Deutsche Gesellschaft für elektronische Musik) feiert Jubiläum mit der 25. CD-Veröffentlichung: „Sonic Planet“ heißt die diesmal vom Studiengang Sound Arts der Hochschule der Künste Bern (HKB) unter der Leitung von Teresa Carrasco kuratierte Ausgabe und entsprechend global sind die Quellen, aus denen hier Klangkunst und elektroakustische Komposition schöpfen, um einerseits die „komplexe Verwobenheit der Welt“ hörbar zu machen, andererseits den Fokus auf spezifische akustische Biotope zu legen. Utopie und Dystopie geben sich hier die Hand. Das kann mit abstraktem Understatement geschehen wie in Dorothee Schaberts „La Boule“, wo nichts als eine umherrollende Boule-Kugel den Klangraum vermisst; das kann aber auch abgründige Reflexion des Kalten Krieges sein, wenn Denise Ritter in „Area One“ eine verzerrte Rückschau auf das rheinland-pfälzische Militärgelände aufmacht, die wie eine Hommage an die frühen Einstürzenden Neubauten klingt. Natürlich kommt auch diese Ausgabe an den ästhetischen Standards akusmatischer Musik nicht immer ganz vorbei, wenn Realklänge diverser Field Recordings in imaginäre Klangräume transformiert werden. Oft haben die ihren Anknüpfungspunkt in der Natur: Leon Goltermann hat sich in „versunken“ dem Sound einer Teichlandschaft verschrieben, wo sich ein Instrumentalensemble in den Gesang von Unken hineinschleicht. Gerald Fiebig hat in „Seven Cs“ das Rauschen des Meeres auf den Basiston C getrimmt und mit diversen Filterungsprozessen das ganze elektroakustische „Worlding“ selbstironisch in Frage gestellt. (Edition Degem)
Eloain Lovis Hübner gehört zu den Komponistinnen, die nicht müde werden, die Klang-Ressourcen „klassischer“ Instrumente und illustrer Alltagsobjekte gewinnbringend miteinander zu vernetzen. Da kommen in den „crunch modes“ (2023–25) auch mal Kuscheltiere, Salatschleudern oder Grillroste zum Einsatz. Der Begriff ‚crunch modes‘ bezeichnet im Englischen Stress- und Krisensituationen mit erhöhter Aktivität und entsprechend nervös geht es in den dichten Ensemble-Texturen und ihren ausgefeilten Klangartikulationen zu. Ihre Verläufe sind angenehm unvorhersehbar und halten explosive Noise-Attacken ebenso bereit wie lyrische Klaviereinsprengsel. Die ganze Bandbreite erweiterter Vokaltechniken nutzt „[untitled]“ für sechs Stimmen und Audiozuspielung (2021), dessen unbestimmte Assoziationsräume durch die berühmte Flughafenszene aus „Casablanca“ cineastisch eingenordet werden. Substantiell durchdrungen von den Befindlichkeiten der Corona-Pandemie ist die dreiteilige Serie „Trauma und Zwischenraum“ (2021) für ganz unterschiedliche Besetzungen. Das Brüchige und Defizitäre wird hier zum elementaren Erfahrungsprogramm und in den Aktionen des Arditti Quartetts geradewegs zur Zerreißprobe. (Wergo)
Eloain Lovis Hübner im Podium der Gegenwart.
An der Schnittstelle von Jazz und Neuer Musik zählt DLW seit einigen Jahren zu den eloquentesten Formationen. Ihre vierte Veröffentlichung auf bastille musique unterstreicht in brillant abgemischten Live-Sets nachdrücklich die bemerkenswerte Präzision und Energie des Trios, aufgezeichnet an verschiedenen Konzertorten zwischen 2023 und 2025 (insofern ist der Titel „Live at Salle Cortot“ etwas irreführend). Christopher Dell (Vibraphon), Christian Lillinger (Schlagzeug) und Jonas Westergaard (Kontrabass) präsentieren hier unterschiedliche Assemblagen des DLW-Repertoires, wo Wiederholung und Weiterdenken, strenger Materialbegriff und interaktive Impulsivität aufs Engste zusammenhängen. Es ist ausgesprochen interessant, anhand mehrfach auftauchenden Materials hörend nachzuvollziehen, wie unterschiedlich diese kollektive Kompositorik im Wechselspiel von Ort/Raum und Zeit klingen kann. Dass es sich um Konzert-Ausschnitte handelt, wo die abgebildeten Einzelstücke nicht immer klar abgrenzbar sind, ist eher signifikant als problematisch, denn im Grunde ist diese Musik als Ganzes betrachtet ein einziger fein verästelter Organismus, der von einer strukturellen „Superformel“ zusammengehalten wird. (bastille musique)
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