Emilie Meyer ( Constanze Quartett) +++ Vítezslava Kaprálová (Signum Quartett) +++ Zygmunt Noskowski (Meccore String Quartet) +++ Steve Reich (Quatuor Zaïde)
Signum Quartett
Vierstimmig, vielstimmig
Dass Emilie Meyer ein hochkarätiges kompositorisches Œuvre hinterlassen hat, ist mittlerweile auch auf Tonträgern erfreulich gut dokumentiert. In der zweiten Folge ihrer Serie beim Label cpo mit den Streichquartetten machen die hochkompetenten Damen des Constanze Quartetts deutlich, dass Meyer auch auf diesem Gebiet Beachtliches vorzuweisen hatte. Harmonisch und was die grundsätzlichen Satzcharaktere betrifft, ist sie deutlich am mittleren Beethoven orientiert, kann mit ihrer thematischen Erfindung und Verarbeitung aber duchaus eigene Akzente setzen. Im sanglichen F-Dur-Quartett (ca. 1850) liegt das Hauptgewicht auf einem über viertelstündigen Variationensatz mit erheblichem Tiefgang, was Meyer souverän mit einem kurzen Sonatenrondo als Finalsatz ausbalanciert. Das 1864 als Opus 14 erschienene g-Moll-Quartett ist insgesamt gewichtiger, wobei der langsame Satz den stärksten Eindruck hinterlässt. Höchst willkommen. (cpo)
Tragisch kurz war das Wirken der tschechischen Komponistin Vítezslava Kaprálová. Zu ihrem erstaunlichen Werk zählt auch das zwischen keckem Neoklassizismus und folkloristischer Expressivität gekonnt changierende Streichquartett op. 8, das vom Signum Quartett nun mit höchster Verve eingespielt wurde. Überzeugend ist auch der Kontext, in den es auf diesem Album gestellt wird: Die beiden Quartette Leos Janáceks – technisch tadellos gespielt und im Ausdruck kompromisslos, aber ohne Übertreibungen auf den Punkt gebracht – werden um eigene Arrangements moravischer Volksmusik und von Miniaturen aus Janáceks Album für die angebetete Kamila Stösslová ergänzt. Durchdacht, durchfühlt. (Pentatone)
Signum Quartett
Der Name Zygmunt Noskowski ist hierzulande nicht wirklich geläufig. Wie diese ausgezeichnete Aufnahme mit dem Meccore String Quartet beweist, war der Lehrer Karol Szymanowskis ein versierter Komponist mit Eigensinn und Witz. Ersteres beweist der ebenso orginelle wie berührende langsame Satz seines 1883 vollendeten zweiten Streichquartetts, Letzteres das vierminütige „Humoristische Quartett“. Das klingt wie eine Vorahnung von Karl Valentins Orchesterprobe („Da spielt ja jeder ein anderes Stück!“). Köstlich (Capriccio)
Zu einem modernen Klassiker hat sich seit seiner Uraufführung 1988 Steve Reichs „Different Trains“ entwickelt. Musikalisch und konzeptionell überzeugt das Stück nach wie vor mit seinem Verfahren, die Sprachmelodien der hineingeschnittenen Sprachaufnahmen aus den USA und Europa vor, während und nach dem Krieg in instrumentale Motive zu verwandeln. Das Quatuor Zaïde macht sich das Werk auf überzeugende Weise zu eigen, die gute Aufnahmequalität tut ein Übriges. Einzig weitere Zugaben neben Bryce Dessners „Pulsing“ hätten der kurzen CD gut angestanden. Packend. (NoMadMusic)
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