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Zwischen Freiheit, Vergangenheitsbewältigung und Ostsee-Feeling:  Jugendlicher auf Hiddensee. Foto: Peter Brunde/ITWORKS!

Zwischen Freiheit, Vergangenheitsbewältigung und Ostsee-Feeling: Jugendlicher auf Hiddensee. Foto: Peter Brunde/ITWORKS!

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Das Romanische Café der Ostsee

Untertitel
Der Dokumentarfilm „Hiddensee“ bietet einen frischen Blick zurück und nach vorn
Vorspann / Teaser

Filmdokus können ja, pardon, streckenweise etwas langweilig sein. Was man von „Hiddensee“ von Annekatrin Hendel so ganz und gar nicht behaupten kann. Da ist schon die hypnotische Filmmusik von FLAKE mit „schuld“, die dem Ganzen oft einen leicht bedrohlichen Unterton verleiht. Auch das konsequente Schwarzweiß verleiht dem Film eine Zeitlosigkeit, die aktuelle politische Entwicklungen geschickt mit der Vergangenheit verbindet. Geschichte vergeht nicht, sie ist immer da, so das Fazit.

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„Wer einmal auf der Insel war, kommt nie wieder oder immer wieder, sagen alle.“ So reiste und reist man natürlich wegen Sonne, Strand und Meer auf die Insel Hiddensee. Gegenwart und Vergangenheit fließen ineinander, wenn Annekatrin Hendel von den 1920er- und 30er-Jahren erzählt, als die kleine Insel in der Ostsee jede Menge Intellektuelle und Künstler anzog: Stummfilmstar Asta Nielsen, Nobel-Preisträger Gerhart Hauptmann, Joachim Ringelnatz, Friedrich Hollaender, Thomas Mann, Mascha Kaléko, Billie Wilder oder Sigmund Freud.

Bereits 1922 wird aber auch schon mit dem Prädikat „judenfrei“ im Badeprospekt geworben. Bedrohlich wurde es dann natürlich ab 1933, und viele Künstlerinnen wie Asta Nielsen gingen ins Exil, während sich National-Dichter und Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann mit den Nazis anfreundete und blieb, jedenfalls in den Ferien. Das erfährt man über Tagebucheinträge seiner letzten Ehefrau Margarete, vorgelesen von Eva Mattes. Die Tänzerin Gret Palucca, die noch für die Nazis tanzte, entscheidet sich 1948 für die DDR und Hiddensee. Wunderbar dargestellt werden diese historischen Gestalten durch einen inselansässigen Marionetten-Spieler.

Während der DDR-Zeit zog Hiddensee Revoluzzer wie den Gründer der Punk-Band Feeling, B Aljosha Rompe an, der mit seiner Band in den 1980er-Jahren Konzerte am Strand gab. „Flake“ Lorenz, der später bei Rammstein landen würde und wie erwähnt die Filmmusik komponierte, war damals auch dabei. Genauso wie Paul Landers, der sich ebenfalls Rammstein anschloss. Rompe starb übrigens im Jahr 2000 in seinem Berliner Wohnmobil an einem Asthmaanfall – mit nur 53 Jahren. Wer damals zu DDR-Zeiten die Fähre von Stralsund nutzen wollte, musste eine Unterkunft auf Hiddensee vorweisen, denn es war Grenzgebiet im Osten.

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Zwischen Freiheit, Vergangenheitsbewältigung und Ostsee-Feeling:  Jugendlicher auf Hiddensee. Foto: Peter Brunde/ITWORKS!

Zwischen Freiheit, Vergangenheitsbewältigung und Ostsee-Feeling: Jugendlicher auf Hiddensee. Foto: Peter Brunde/ITWORKS!

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Die Gegenwart kommt mit jungen Menschen ins Spiel, die für die Modedesignerin Maren Lass und die Fotografin Beate Nelken früh Morgens Modell stehen. Coole moderne Bilder entstehen so, für die die Insel-Kulisse perfekt ist. Und dann sind da natürlich noch die Inselbewohner, die seit Jahrzehnten auf der Insel leben oder täglich pendeln: der Pastor, der ehrenamtliche Bürgermeister, der auch noch Fischer ist, hundertjährige Inselbewohner, die Kurdirektorin, die Leiterin des Hauptmann Museums oder die des Heimatmuseums... Alle lässt Hendel zu Wort kommen. Vor poltischen Querelen und Verwicklungen macht sie auch nicht Halt. „Hauptmann statt Mallorca“ steht an einer Hauswand. Jürgen Drews wurde während eines Festivals hier ausgebuht. Aktiv mitgemacht wird bei Konzerten in der Kirche.

Schöne poetische Bilder unterbrechen und illustrieren die Doku, so dass man eigentlich sofort hinfahren möchte. Auf die Insel, die voller Stille, im Sommer voll mit Tagesgästen und im Winter voll Melancholie und Schatten ist. Annekatrin Hendel hat über Jahre gefilmt und ein facettenreiches Hiddensee-Porträt geschaffen, das lange nachwirkt, letzten Endes auch durch die Musik. In ausgewählten Kinos deutschlandweit.

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