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Neue Noten 2025/06 – Kompositionen mit Quartett- und Quintettbesetzung

Untertitel
Musik von Edmund Finnis, Fabián Panisello, Michel van der Aa, José María Sánchez-Verdú und anderen
Vorspann / Teaser

Edmund Finnis: Devotions (String Quartet No. 3) | Fabián Panisello: Seven Japanese Sketches | Michel van der Aa: Link | José María Sánchez-Verdú: Libro de glosas | ALEPH Guitar Quartet: Compositions for its 30th Anniversary (2023)

Publikationsdatum
Paragraphs
Text

1

Edmund Finnis: Devotions (String Quartet No. 3) (2022)
Schott, Mainz. ED 14236 (Partitur und Stimmen)

Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Ausgehend von gemächlichen harmonischen Wechseln und graduell entfalteten Stimmgeflechten kreist die tonal konzipierte, dynamisch zurückhaltende und möglichst vibratolos vorzutragende Musik um wechselnde Situationen harmonischer, melodischer und klanglicher Entfaltung.

Form, Struktur
Die Komposition besteht aus acht kurzen Sätzen von jeweils individueller Formgebung. In ihnen werden, basierend auf einfachen rhythmischen und melodischen Bausteinen, in ruhigen Tempi unterschiedliche harmonische Prozesse und melodische Verzweigungen realisiert.

Notation, Dauer, Schwierigkeit
Mit Ausnahme einiger natürlicher Flageolett-Passagen, die unter Verwendung alternierender Bogenpositionen hervorzubringen sind, gibt es keine besonderen Spieltechniken.
Dauer: ca. 23 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer

Kommentar 
Der durchweg schlanke Klang, gelegentlich choralartig anmutende melodische Bildungen sowie Anspielungen auf Beethovens Streichquartett op. 132 lassen sich als Anknüpfungspunkte für vielerlei Kombinationen des Werkes mit älteren oder jüngeren Streichquartetten nutzen.

2

Fabián Panisello: Seven Japanese Sketches (2023) für Oboe und Streichquartett
Edition Peters, Leipzig. EP 14713

Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Auf sensible Weise bringen die sieben Miniaturen Elemente abendländischen Komponierens in einen Dialog mit Klangmaterialien, die im japanischen Kulturraum – etwa in der Akustik von Tempelglocken, im Klang der Shō und in melodischen Wendungen des Nō-Theaters – verwurzelt sind.

Form, Struktur
Jedem der sieben Stücke liegt eine individuelle klangliche Idee zugrunde. Die formalen Verläufe pendeln zwischen instrumentalen Geweben aus solistischen Einzelstimmen und der gleichberechtigten Einbettung sämtlicher Parts in einen homorhythmisch organisierten Kollektivklang.

Notation, Dauer, Schwierigkeit
Neben Mehrklängen für Oboe enthält die Partitur differenzierte mikrointervallische Vorzeichnungen für alle Instrumente; die Rhythmik ist stellenweise mithilfe proportionaler Angaben notiert.
Dauer: ca. 19 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr schwer

Kommentar 
Die vorwiegend lyrisch geprägten Miniaturen weisen hohe Anforderungen in Bezug auf Intonation, Klangfarbengestaltung und Zusammenspiel auf. Ihre Wiedergabe setzt entsprechende Erfahrungen mit der Interpretation zeitgenössischer Musik voraus.

3

Michel van der Aa: Link (2025) für Holzbläserquintett (Oboe, Klarinette, Altsaxophon, Bassklarinette und Fagott)
Boosey & Hawkes, Berlin. Partitur (Print on Demand)

Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Aus dem virtuosen Zusammenwirken rhythmisch eng miteinander verflochtener und einander ergänzender Einzelstimmen ergeben sich bewegliche Texturen, aus deren tonal geprägten harmonischen Kontexten wechselweise einzelne Instrumentalparts in solistischer Funktion heraustreten.

Form, Struktur
Die Komposition besteht aus fünf kurzen Einzelsätzen, die – jeweils gekennzeichnet durch individuelle Tempi (Viertel = 130, 56, 130, 56 und 170) und musikalische Charaktere – zu einem kontinuierlichen musikalischen Ereignisverlauf zusammengefügt sind.

Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die Partitur enthält keinerlei ungewöhnliche Notations- oder Vortragsweisen.
Dauer: ca. 10 Minuten
Schwierigkeitsgrad: schwer

Kommentar 
Der besonderer Reiz des Werkes liegt in den vielseitig eingearbeiteten Kontrasten zwischen rhythmisch geprägten Passagen und melodisch agierenden Instrumenten. Die Umsetzung der Partitur setzt höchste Präzision und Klarheit im Zusammenspiel voraus.

4

José María Sánchez-Verdú: Libro de glosas (2007) für Holzbläserquintett (Klarinette, Oboe, Fagott, Saxophon, Bassklarinette)
Breitkopf & Härtel, Wiesbaden. Edition Breitkopf KM2514 (Partitur) und KM 2515 (Stimmen)

Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Die Komposition basiert auf dem „Trattado de glosas“ (1553) von Diego Ortiz. Im Mittelpunkt steht die intertextuelle Auseinandersetzung mit „verschiedenen Materialien und musikalischen Techniken und Prozessen der Musik des 16. Jahrhunderts“ (Sánchez-Verdú).

Form, Struktur
Die fünf kurzen, „attacca“ aufeinanderfolgenden Sätze („Recercada“ I, II, III, IV und „Batalla“) stützen sich auf kompositorische Elemente (Akkordverbindungen, Ostinati, Melodien) aus Vorlagen des 16. Jahrhunderts, die zu jeweils individuellen Formverläufen entfaltet werden.

Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die Partitur enthält einige Notationssymbole für besondere Spielanweisungen, die im Vorwort erläutert werden.
Dauer: ca. 10 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr schwer

Kommentar 
Das Werk ist ein gelungenes Beispiel für die produktive Aneignung historischer Musik und kompositorischer Techniken aus dem Blickwinkel eines an zeitgenössischen Kompositionsverfahren geschulten Klangdenkens. Seine Ausführung setzt ein erfahrenes Ensemble voraus.

5

ALEPH Guitar Quartet: Compositions for its 30th Anniversary (2023). 3 Bände mit Kompositionen für vier Gitarren von 23 Komponist:innen
Verlag Neue Musik Berlin. Band I: NM 4067, Band II: NM 4332, Band III: NM 4333 (Spielpartituren); alle Stücke auch in Einzelausgaben erhältlich

Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Die drei Bände der Sammlung beinhalten insgesamt 23 in musikalischer Hinsicht äußert disparate Kompositionen. Auf engstem Raum ermöglichen sie Einblicke in klangliche Möglichkeiten, Ausdruckspotenzial und spieltechnische Neuerungen der zeitgenössischen Gitarrenkammermusik.

Form, Struktur
Auf Grundlage unterschiedlicher ästhetischer Ansätze kreisen die ausschließlich einsätzigen Miniaturen um jeweils individuelle kompositorische Ideen. Dabei stehen sehr knapp formulierte, eher skizzenhaft anmutende Stücke neben formal ausgefeilteren Kompositionen.

Notation, Dauer, Schwierigkeit
Das Spektrum der Notation reicht von der herkömmlichen Partiturdarstellung bis hin zur Verwendung komplexer, jeweils vor den Einzelstücken erläuterter Symbole für spezielle Spieltechniken.
Dauer: variabel (ca. 1 bis 5 Minuten)
Schwierigkeitsgrad: schwer bis sehr schwer

Kommentar 
Die Sammlung ermöglicht es, die große Diversität zeitgenössischer kompositorischer Stilistiken kennenzulernen. Je nach Konzeption der Miniaturen werden die Ausführenden auf vielfältige Weise durch spieltechnische oder gestalterische Aufgabenstellungen gefordert.

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