Margarete Huber: Frauen – Leben – Liebe – Arbeit | Isabel Mundry: Wait | Johannes Boris Borowski: Songs after Poems by Sara Teasdale | Julia Mihály: Abrieb | Stefan Litwin: The Bells
Neue Partituren 7/8 2026
Neue Noten 2025/07–08 – Vokalmusik
1
Margarete Huber: Frauen – Leben – Liebe – Arbeit. Ein Liederzyklus aus dem 21. Jahrhundert (2025) für Sopran und Klavier
Verlag Neue Musik Berlin. NM 4442 (2 Spielpartituren)
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
In drei Liedern verdichtet die Komponistin Stilmerkmale, Stimmklänge und Anschlagstechniken unterschiedlichster Herkunft zu szenischen Miniaturen, die sich wechselnden emotionalen und gesellschaftlichen Aspekten eines zeitgenössischen Frauenlebens im 21. Jahrhundert widmen.
Form, Struktur
Die Lieder („Wut“ – „I’m a female genius“ – „I love it so to work“) basieren jeweils auf klanglich-musikalischen Ideen, die aus der spezifischen Gestik der Textdeklamation abgeleitet sind und in enger Verzahnung mit dem Klavierpart zu kurzen Formverläufen ausgesponnen werden.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Während die Notation keinerlei Besonderheiten aufweist, fordern die Vortragsanweisungen besondere Vokaltechniken und Ausdruckshaltungen ein.
Dauer: ca. 6 Minuten
Schwierigkeitsgrad: schwer
Kommentar
Aufgrund ihrer speziellen Ausrichtung bietet sich die für beide Ausführende herausfordernde Komposition hervorragend als kritisches Gegenstück zu Einzelliedern und Liederzyklen des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts und den darin vermittelnden Frauenbildern an.
2
Isabel Mundry: Wait (2021) für hohe oder tiefe Stimme solo (Text in Anlehnung an Sappho)
Breitkopf & Härtel, Mainz. EB 9423 (Fassung für Sopran und Tenor) und EB 9424 (Fassung für Alt und Bass)
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Unter Einbeziehung von Mikrointervallik und erweiterten Stimmtechniken werden wechselnde Ausdrucksdimensionen herangezogen, um ausgewählte Textfragmente der antiken griechischen Lyrikerin Sappho musikalisch zu beleuchten und klanglich abzutasten.
Form, Struktur
Die Komposition besteht aus vier Sätzen unterschiedlichen Charakters, deren Verläufe jeweils variativ aus den initialen musikalischen Elementen (Intervalle, Artikulationsweisen) und dem daran geknüpften Umgang mit (englischsprachigen) Silben oder Phonemen entwickelt werden.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Der Notentext enthält eine Vielzahl von dynamischen Angaben; besondere Notationsweisen und Gesangstechniken werden im Vorwort erläutert.
Dauer: ca. 8 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr schwer
Kommentar
Der technisch herausfordernde Zyklus, entstanden als Pflichtstück für den 70. Internationalen Musikwettbewerb der ARD 2021, bietet Interpretierenden aller Stimmlagen eine intensive und klanglich reizvolle Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Ausdrucksformen der Stimme.
3
Johannes Boris Borowski: Songs after Poems by Sara Teasdale (2023/24) für (Frauen-)Stimme und Klavier
Boosey & Hawkes – Bote & Bock, Berlin (Partitur mit Alternativen für hohe oder tiefe Stimme)
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
In 25 kontrastreichen Vertonungen nähert sich der Komponist den um Liebe, Natur und Tod kreisenden Gedichten von Sara Teasdale (1884–1933) und versieht die poetische Sprache der US-Amerikanerin mit ebenso zurückhaltenden wie vielgestaltigen musikalischen Hüllen.
Form, Struktur
Die Form jedes einzelnen Liedes wird aus einer musikalischen Idee und deren Konfrontation mit den Textworten heraus entwickelt. Dabei finden sich neben sehr einfach begleiteten Stücken auch Kompositionen mit komplexeren Klavieranteilen.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Mit Ausnahme einer gelegentlichen Erweiterung des Klavierparts auf bis zu vier Systeme weist die Notation keinerlei Besonderheiten auf.
Dauer: ca. 0,5 bis 4 Minuten pro Lied; Gesamtdauer: ca. 53 Minuten
Schwierigkeitsgrad: schwer
Kommentar
Die Lieder können in beliebiger Auswahl und Abfolge aufgeführt werden. Aufgrund einer bewusst sparsamen Auszeichnung mit dynamischen Angaben bietet der Notentext viele interpretatorische Möglichkeiten und Freiräume für beide Ausführenden.
4
Julia Mihály: Abrieb (2026) für Countertenor (mit Luftballon) und 4-Kanal-Zuspielung
Topus Musikverlag, Berlin. TP 1305 (Partitur; Aufführungsmaterial auf Anfrage)
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Worte aus einem Interview mit dem Komponisten Michael Maierhof über seine Arbeit mit Reibeklängen werden unter Verwendung verschiedener Vokaltechniken vertont und mit zugespielten Geräuschen sowie mit Klängen, die mittels eines Luftballons hervorgebracht werden, kombiniert.
Form, Struktur
Das einsätzige Stück entfaltet sich am Text entlang als klingender Kommentar zu den Worten Maierhofs und den darin formulierten ästhetischen Überlegungen. Dabei werden die Luftballon-Aktionen als eine Art Kontrapunkt zur Stimme eingesetzt.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die Partitur enthält Notationssymbole für einzelne Vokaltechniken sowie für die Klangerzeugung mit dem Luftballon.
Dauer: ca. 4 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer bis schwer
Kommentar
Anlässlich des 70. Geburtstags von Michael Maierhof setzt sich Julia Mihály auf spielerische Weise mit zentralen klanglichen Eigenarten von dessen Musik auseinander und bringt die vertonten Worte in ein Spannungsverhältnis zu hervorgebrachten und zugespielten Klängen.
5
Stefan Litwin: The Bells (2006) für Sprechstimme und präpariertes Klavier (nach Edgar Allan Poe)
Verlag Neue Musik Berlin. NM 3546 (2 Spielpartituren)
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Edgar Allan Poes onomatopoetisches Gedicht „The Bells“ dient als Grundlage für ein Melodram, das sich immer weiter von den initialen Harmonien entfernt und durch Verfremdung des Klavierklangs sowie durch vokale Loops eine zunehmend unheimlichere Atmosphäre zeichnet.
Form, Struktur
Die Entwicklungsform der einsätzigen Kompositionen geht von glockenartigen Klangkonfigurationen aus, die – analog zur Beschreibung des Glockenklangs im Text – durch schrittweisen Einbezug des Klavierinnenraums und Präparierung der Saiten immer stärker verändert werden.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die Sprechstimme ist in einem Dreiliniensystem notiert und mit vielen Vortragsanweisungen versehen; der Klavierpart umfasst bis zu vier Systeme.
Dauer: ca. 20 Minuten
Schwierigkeitsgrad: schwer bis sehr schwer
Kommentar
Der Vokalpart verlangt eine Beherrschung verschiedenster Sprechtonfälle bis hin zum Singen. Die besondere Herausforderung des Klavierparts liegt im Übergang vom normalen Spiel zum Spiel auf den Klaviersaiten samt einer damit einhergehenden Präparierung während des Vortrags.
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