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Neue Noten in der nmz. 2026/11. Die Übersicht von Stefan Drees

Neue Noten in der nmz. 2026/11. Die Übersicht von Stefan Drees

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Neue Noten 2025/11 – Duos für Melodie- und Tasteninstrument

Untertitel
Kompositionen von Lev Abeliovich, Gerald Resch, Jakob Gruchmann, John Casken und Lera Auerbach
Vorspann / Teaser

Lev Abeliovich: Aria | Gerald Resch: fluid | Jakob Gruchmann: Unsichtbare Städte | John Casken: Tree of Angels | Lera Auerbach: 24 Preludes („Wanderer“).
 

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Text

1

Lev Abeliovich: Aria (1973) für Viola und Klavier, hrsg. von Rostislav Krimer
Edition Peters, Leipzig. EP 14877 (Partitur und Stimme)

Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Unterstützt durch einen transparenten Klaviersatz entfaltet sich ein instrumentaler Klagegesang der Viola, der – zwischendurch immer wieder in unbegleitete Passagen mündend – über alle Registerlagen hinweg die melodischen Qualitäten des Streichinstruments zur Geltung bringt.

Form, Struktur
Das Stück basiert auf einem liedhaften Thema und folgt einer dreiteiligen Liedform (A–B–A’), deren Mitte und Höhepunkt ein ausgedehnter Kadenz-Ausbruch bildet. Während der Beginn Ausdruck tiefster Trauer ist, wendet sich die Musik mit der Reprise einem tröstlicheren Tonfall zu.

Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die Komposition weist keinerlei Besonderheiten der Notation auf.
Dauer: ca. 8 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer bis schwer

Kommentar
Gegenüber der gelegentlich zu hörenden Fassung für Violine und Kammerorchester handelt es sich hier um die erstmals veröffentlichte Originalversion der „Aria“. Das Stück erfordert viel Gespür bei der Gestaltung melodischer Linien und der Wiedergabe von Rubato-Passagen.

2

Gerald Resch: fluid (2021) für Violine und Klavier
Sikorski, Berlin. edition sikorski 04402 (Partitur und Stimme)

Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Im permanenten Fluss gegenseitigen Aufeinander-Reagierens dialogisieren die beiden stark rhythmisch geprägten Instrumentalparts in hohem Tempo miteinander. Gelegentlich beruhigt sich die Musik zugunsten zarterer Abschnitte, in denen die Klangfarbe stärker ins Zentrum rückt.

Form, Struktur
Die einsätzige Komposition entwickelt sich aus einer Textur, die vom raschen Wechselspiel kurzer Motive bestimmt ist. Im Kontext eines rondoähnlichen Formverlaufs tritt sie immer wieder auf und wird zwischendurch von alternierenden Episoden abgelöst.

Notation, Dauer, Schwierigkeit
Der Notentext weist keinerlei besondere Notationsarten auf.
Dauer: ca. 6 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer bis schwer

Kommentar
Das kurze Stück eignet sich für Ausführende, die weniger Erfahrungen mit zeitgenössischer Musik haben. Es erfordert allerdings eine rhythmisch genaue Ausführung der Einzelstimmen und setzt bei der Wiedergabe eine hohe Präzision des Zusammenspiels voraus.

3

Jakob Gruchmann: Unsichtbare Städte (2014) für Flöte und Klavier
Musikverlag Zimmermann, Mainz. ZM 36490 (Partitur und Stimme)

Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Angeregt durch Italo Calvinos Roman „Le città invisibili“ entwirft der Komponist fragmentarische Porträts imaginärer Städte, die durch ein Miteinander von scheinbar bekannten gestischen Elementen, erweiterter Tonalität und zeitgenössischen Spieltechniken bestimmt sind.

Form, Struktur
Die Komposition besteht aus drei Sätzen unterschiedlichen Charakters (Lento; Scherzo; Lento – Furioso) und individueller Formgebung. Jedem Satz liegt eine musikalische Idee zugrunde, die im gleichberechtigten Dialog beider Instrumente entwickelt und ausgeleuchtet wird.

Notation, Dauer, Schwierigkeit
Vermittelt über leicht erschließbare Symbole enthält der Flötenpart einige zeitgenössische Spieltechniken (äolische Klänge, Zungenpizzicato, Klappenschläge).
Dauer: ca. 10,5 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer bis schwer

Kommentar
Die Komposition, Pflichtstück im Österreichischen Bundeswettbewerb Prima La Musica 2027, stellt einige Anforderungen an das kammermusikalische Zusammenspiel. Sie bietet sowohl in den expressiven Passagen als auch in den virtuoseren Abschnitten viele Gestaltungsmöglichkeiten.

4

John Casken: Tree of Angels (2023) für Violoncello und Orgel
Schott, Mainz. ED 14312 (Partitur und Stimme)

Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Das Duo ist als weit ausgreifender Gesang des Violoncellos angelegt, der sich in eng verflochtenem Dialogisieren mit der Orgel entfaltet. Sein kantabler Grundcharakter wird sowohl durch dramatischere als auch durch klanglich zurückhaltendere Passagen aufgelockert.

Form, Struktur
Die einsätzige Komposition basiert auf einem gesanglichen Thema, zu dessen Ausdruck die Musik immer wieder zurückkehrt. Damit kontrastierende Passagen sind in rezitativischem Duktus komponiert oder nähern sich klanglich dem motettischen Stil des 13. Jahrhunderts an.

Notation, Dauer, Schwierigkeit
Der Notentext weist keine besonderen Notationsweisen auf; Angaben zu den Orgelregistern beschränken sich auf ein Minimum.
Dauer: ca. 15 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer bis schwer

Kommentar
Die besondere Herausforderung von Caskens Werk liegt in der Koordination des gemeinsamen Vortrags bei ständigen Wechseln zwischen instrumentalem Singen, deklamatorisch geprägtem Spiel, dramatischen Verdichtungen oder zarter, vibratoloser Klanglichkeit.

5

Lera Auerbach: 24 Preludes for Viola and Piano („Wanderer“) (2017)
Sikorski, Berlin. edition sikorski 04404 (Partitur und Stimme)

Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Die 24 nach dem Quintenzirkel in allen Dur- und Molltonarten angeordneten Miniaturen sind als musikalisches Reisetagebuch konzipiert, das, gestützt durch die Titelgebung der Stücke, die besuchten Städte während eines Europa-Aufenthalts der Komponistin miteinander verknüpft.

Form, Struktur
Jedes Stück des Zyklus weist eine individuelle Formgebung auf. Diese geht, abhängig vom jeweils intendierten musikalischen Charakter und den damit verknüpften Ausdrucksmitteln, mit dem Einsatz stilistisch vielfältiger kompositorischer Verfahrensweisen einher.

Notation, Dauer, Schwierigkeit
Der Notentext enthält keinerlei besondere Notationsarten, weist aber viele assoziative Vortragsanweisungen auf.
Dauer: ca. 45 Minuten
Schwierigkeitsgrad: schwer

Kommentar
Der Zyklus besticht durch seinen abwechslungsreichen Charakter: Jede einzelne Miniatur konfrontiert die Ausführenden mit anderen gestalterischen Aufgaben, die von der Koordination virtuoser Passagen bis hin zur Ausgestaltung atmosphärischer Klangsituationen reichen.

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