Gwyn Pritchard: Game | Christian Wolff: She Had Some Horses | Stefan Streich: Grand Duo | Xaver Paul Thoma: Begegnungen auf 8 Saiten | Yiran Zhao: PIEP
Neue Noten 2026/04 – Duos für unterschiedliche Besetzungen
1
Gwyn Pritchard: Game (2007) für Flöte und Schlagzeug
Verlag Neue Musik Berlin. NM 4416 (Stimmen)
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Jeder Instrumentalpart dieses „Spiels“ besteht aus rhythmuslos notierten Abfolgen von Tonhöhen, die zunehmenden Registerkontrasten unterliegen. Beide Mitwirkende sind angehalten, durch Einwurf signalartiger „Change Cues“ den Vortrag des Gegenübers zu beeinflussen.
Form, Struktur
Die beiden Stimmen enthalten ein festgelegtes Grundmaterial, dessen Vortrag jedoch infolge der „Change Cues“ beträchtlichen Tempo- und Dynamikschwankungen unterliegt. Der musikalische Charakter des resultierenden interaktiven Dialogs ist daher nur in Grenzen vorhersehbar.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die rhythmuslose Notation und die „Spielregeln“ des Stücks erfordern eine gewisse Einarbeitung.
Dauer: ca. 2 bis 4 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer bis schwer
Kommentar
Die besondere Herausforderung bei der Wiedergabe besteht darin, den eigenen Part gemäß den vom Gegenüber eingestreuten „Change Cues“ zu gestalten und dessen Vortrag wiederum dem eigenen Spiel entsprechend (oder kontrastierend dazu) durch Platzierung von Signalen zu verändern.
2
Christian Wolff: She Had Some Horses (2001) für Viola und Zither
Edition Peters, New York. EP 68627 (Spielpartitur, Faksimile)
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Die apart instrumentierte Komposition, betitelt nach einem Gedicht der US-amerikanischen Dichterin Joy Harjo, ist über weite Teile hinweg als Dialog zweier teils eng miteinander verflochtener, teils jedoch auch unabhängig voneinander agierender Partner angelegt.
Form, Struktur
Das Grundmaterial des Stückes wird aus den musikalischen Buchstaben der Worte aus Harjos Gedicht abgeleitet. In formaler Hinsicht besteht die Komposition aus einer Abfolge mehrerer Abschnitte unterschiedlichen Tempos und Charakters.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die Partitur beinhaltet keine besonderen Notationsymbole und verzichtet zudem auf Angaben zu Dynamik, Klangfarbe und Artikulation; gelegentlich fehlen auch die Taktstriche.
Dauer: ca. 18 Minuten
Schwierigkeitsgrad: schwer
Kommentar
Das generelle Fehlen interpretatorischer Vorgaben jenseits der als Richtwerte fungierenden Tempi sowie die unabhängig voneinander auszuführenden Passagen ermöglichen einen kreative Umgang mit dem Notentext im Sinn eines differenzierten kammermusikalischen Dialogisierens.
3
Stefan Streich: Grand Duo (2021–23) für Bassflöte/Flöte und Violoncello
Edition Gravis, Brühl. eg 3159 (2 Spielpartituren in Einzelblättern)
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Das Duo kreist um zumeist leise, seltener auch um dynamisch stärker hervortretende Erkundungen vielfach abgestufter Klang- und Geräuschnuancen, die – von vielen Pausen durchzogen – im Mit- und Gegeneinander beider Instrumentalstimmen erzeugt werden.
Form, Struktur
Die Komposition besteht aus neun Sätzen von individueller Formgebung und Länge. Jeweils eng begrenzte Klangmaterialien dienen als Ausgangspunkt für das permanent sich verändernde Verhältnis zwischen Flöte und Violoncello und die daraus resultierenden Ereignisverläufe.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die Ausführung erweiterter Spieltechniken und besondere Arten der Klanggebung werden im Vorwort anhand der entsprechenden Notationssymbole erläutert.
Dauer: ca. 80 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr schwer
Kommentar
Aufgrund der außerordentlichen Länge stellt das Duo hohe Anforderungen an die Konzentration der Ausführenden. Das variable Austasten der stark differierenden Intensitäts- und Expressivitätsgrade setzt zudem viel Erfahrung im Umgang mit zeitgenössischer Musik voraus.
4
Xaver Paul Thoma: Begegnungen auf 8 Saiten (2022), Musik für Violine und Violoncello
Hubert Hoche-Musikverlag, Helmstadt. XTP199B (2 Spielpartituren)
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Dem Werktitel gemäß unterliegt das Verhältnis der Streichinstrumente einem mehrmaligen Wechsel, der zwischen klanglich einheitlichen Situationen der Begegnung einerseits und dem Gegeneinander kontrastierend gestalteter Parts andererseits schwankt.
Form, Struktur
Ausgangspunkt der einsätzigen Komposition ist eine vierstimmige, harmonisch geschärfte Satzstruktur, deren charakteristische Elemente (Harmonik, Rhythmik oder Melodik) im weiteren Verlauf benutzt werden, um die titelgebenden Begegnung beider Instrumente zu kennzeichnen.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die Notation weist keinerlei Besonderheiten auf.
Dauer: ca. 14 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer bis schwer
Kommentar
Die Übergänge zwischen Mit- und Gegeneinander erfordern ein überlegtes Agieren und bieten den Ausführenden einige reizvolle Möglichkeiten zur Erkundung unterschiedlicher musikalischer Ausdrucksbereiche zwecks Präsentation ihrer technischen Fähigkeiten.
5
Yiran Zhao: PIEP (2014/15) für zwei KORG MA-1 Metronome
Verlag Neue Musik Berlin. NM 4246 (2 Spielpartituren)
Stilrichtung, allgemeiner Charakter
Auf gleichermaßen überraschende wie humorvolle Weise lotet die Komponistin die rhythmischen, melodischen und klanglichen Möglichkeiten eines dialogischen, mit theatralen Komponenten durchwirkten Spiels mit zwei KORG MA-1 Metronomen aus.
Form, Struktur
Ausgehend von zunächst alternierenden und dann immer stärker verzahnten Rhythmusimpulsen beider Parts werden über den einsätzigen Formverlauf hinweg verschiedenste Verfahren im Umgang mit den elektronischen Klangerzeugern erschlossen und einander gegenübergestellt.
Notation, Dauer, Schwierigkeit
Die Notation in zwei Systemen pro Part erfordert ein gewisses Maß an Einarbeitung, was durch ein ausführliches Vorwort erleichtert wird.
Dauer: ca. 10 Minuten
Schwierigkeitsgrad: schwer
Kommentar
Die Komposition eignet sich sehr gut für Perkussionist:innen, kann jedoch auch von anderen Ausführenden wiedergegeben werden. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich mit den Klangerzeugungsmöglichkeiten des Metronoms und der besonderen Art der Notation vertraut zu machen.
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