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v.l.n.r.: Jordi Savall, Bethan Morgan-Williams, Kitty Xiao und Hovik Sardaryan. Fotos: Rui Camilo/EvS

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Historische Aufführungspraxis, junges Komponieren

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Ernst von Siemens Musikpreis 2026 an Jordi Savall, Förderpreise Komposition an Bethan Morgan-Williams, Hovik Sardaryan und Kitty Xiao
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Der Ernst von Siemens Musikpreis 2026 geht an den katalanischen Cellisten und Gambisten Jordi Savall. Die Auszeichnung für ein „Leben im Dienste der Musik“ ist mit 250.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 23. Mai 2026 im Prinzregententheater in München statt. Die Förderpreise Komposition mit je 35.000 Euro werden 2026 der britischen Komponistin Bethan Morgan-Williams, Hovik Sardaryan aus Armenien und der australischen Komponistin Kitty Xiao verliehen.

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Jordi Savall hat als Musiker, Forscher und Vermittler Maßstäbe für die Alte Musik und die historische Aufführungspraxis gesetzt. Seine Konzerte und Aufnahmen gelten international als Referenzen. Über Generationen hinweg prägte er als Lehrer und Ensembleleiter zahlreiche Musiker:innen. Nach einem Violoncellostudium in Barcelona wandte er sich aus Begeisterung für die Renaissance der Viola da Gamba zu und schloss seine Ausbildung an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel ab, wo er später selbst unterrichtete. Seit den späten 1960er-Jahren engagiert sich Savall unermüdlich für die Alte Musik – sowohl als Interpret als auch als Wissenschaftler mit Schwerpunkt auf mittelalterlichen und Renaissance-Handschriften. Eine enge künstlerische Partnerschaft verband ihn bis zu ihrem Tod 2011 mit seiner Ehefrau, der Sopranistin Montserrat Figueras.

In den vergangenen Jahren intensivierte Savall sein musikpädagogisches Engagement mit dem Youth Orchestra and Choir Professional Academies (YOCPA), einem von der Fundació Centre Internacional de Música Antiga (CIMA) getragenen und von der EU geförderten Projekt. Die zwölftägigen Akademien bieten jungen Musiker:innen Weiterbildung und Berufserfahrung und führen etablierte Künstler:innen, Nachwuchs­profis und ausgewählte Talente zusammen. Auch gesellschaftlich bezieht Savall Position: 2018 gründete er das Ensemble Orpheus XXI für geflüchtete Musiker:innen aus Nordafrika und dem arabischen Raum. In seiner Forschung machte er zudem die historischen Verflechtungen afrikanischer und europäischer Musik entlang der Routen der Sklaverei sichtbar. Bis heute setzt er sich für Frieden ein und betont die verbindende Kraft der Musik.

Förderpreise Komposition

Die Förderpreise Komposition sind mit jeweils 35.000 Euro dotiert und beinhalten zudem eine digitale Tonträgerveröffentlichung.

Die walisische Komponistin Bethan Morgan-Williams studierte bei Diderik Wagenaar in Den Haag und Gary Carpenter in Manchester. Sie arbeitete unter anderem mit dem London Symphony Orchestra, dem Ensemble Musikfabrik und der Birmingham Contemporary Music Group. Morgan-Williams lebt zurückgezogen in Wales; der Spannungsbogen zwischen ländlicher Ruhe und urbaner Reizüberflutung prägt ihre vielschichtigen, rhythmisch komplexen Werke.

Hovik Sardaryan, geboren in Armenien, studierte zunächst in Eriwan bei Ashot Zohrabyan. Mit einem DAAD-Stipendium setzte er seine Ausbildung in Deutschland fort, unter anderem bei Wolfgang Rihm und Arnulf Hermann. Er war Stipendiat der Karajan-Akademie und Teilnehmer der Roche Young Commissions 2021. Seine Kompositionen greifen häufig auf armenische Traditionen zurück und zeichnen sich durch den Einsatz ungewöhnlicher Stimmungen und Mikrotonalität aus.

Kitty Xiao, geboren in Australien, ist Komponistin, Klangkünstlerin und Produzentin. Nach Studien in Melbourne promoviert sie seit 2022 an der Columbia University in New York unter anderem bei Georg Friedrich Haas und George Lewis. Kooperationen mit dem Ensemble Modern, dem Mivos Quartet und der Australian National Academy of Music markieren ihren bisherigen Weg. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper und dessen Erfahrungsraum.

Die Förderpreise Ensemble ’26 werden an NO HAY BANDA aus Kanada und das Ensemble for New Music Tallinn aus Estland verliehen.

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