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Raphael Amend. Foto: © VdM/Kerstin Heiderich

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Wir müssen noch lauter werden

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Ein Gespräch mit dem neuen VdM-Bundesgeschäftsführer Raphael Amend
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Raphael Amend ist seit 1. September 2025 Bundesgeschäftsführer des Ver­bandes deutscher Musikschulen (VdM). Der Kulturmanager und Musikpädago­ge war zunächst Lehrkraft für Violine und Elementare Musikpädagogik an der Bergischen Musikschule Wuppertal und ab 2012 Koordinator für Schulkooperationen. Dabei war er auch für den Ausbau des Landesprogramms „JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Sin­gen“ verantwortlich. Seit 2017 war Ra­phael Amend Leiter der Musikschule und widmete sich seit der Gründung einer Talentakademie intensiv dem Thema Nachwuchsförderung sowie dem Auf-und Ausbau interkulturel­ler Programme.Als stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen in NRW konnte Raphael Amend die Entwicklungen mit einem Schwerpunkt auf dem Bereich Perso­nalentwicklung und Talentförderung maßgeblich mitgestalten. Im Landes­musikrat NRW leitete er als Vorsitzen­der des Landesausschusses seit 2023 den Landeswettbewerb Jugend mu­siziert NRW. Ein Höhepunkt in seiner Wuppertaler Zeit war die Ausrichtung des Bundeswettbewerbs Jugend musi­ziert 2025 in Wuppertal. Claudia Wan­ner, Pressesprecherin des VdM, hat ihn zu seinen ersten Wochen in der Bun­desgeschäftsstelle und seinen Zielen befragt. 

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VdM: Seit Anfang September bist Du Bundesgeschäftsführer des VdM. Was hat Dich in den ersten Wochen hier am meisten bewegt? 

Raphael Amend: Bewegt im Sinne von begeistert hat mich, wie herzlich ich aufgenommen wurde und es mir so auf der menschlichen Ebene sehr leicht gemacht wurde, richtig schnell anzukommen. Die zweite Komponente ist, die Bedeutung des VdM von der In­nenperspektive kennenzulernen: das, was der VdM leistet – und was er po­tenziell noch leisten kann. 

VdM: Gab es auch etwas in diesen ersten Wochen, das Dich überrascht hat? 

Amend: Ich wusste natürlich um die Größe des Netzwerkes, in dem sich der VdM „tummelt“. Überrascht und be­eindruckt hat mich aber doch, an wie vielen Stellen der VdM mitredet, mitre­den darf, mitreden soll. Die Bedeutung des VdM ist hoch – gleichzeitig ist es unverzichtbar, dass wir uns noch lau­ter machen, weil wir an vielen Stellen eben doch nicht gehört werden. 

VdM: Welche Prioritäten hast Du Dir für diese erste Zeit gesetzt? 

Amend: Auf der einen Seite war es mir wichtig, die Menschen in der Ge­schäftsstelle und im Vorstand und die Prozesse in den Arbeitsabläufen zü­gig kennenzulernen. Und das andere ist natürlich die politische Ebene und die vielen Verbände und Institutionen, in denen der VdM auch mitwirkt. Hier gilt es die Themen, die auf den bundes­weiten Plattformen bewegt werden, schnell zu erfassen und dort zügig mit draufzuspringen. Das alles sinnvoll zu priorisieren ist durchaus eine Heraus­forderung. 

VdM: Bei den politischen Themen ist der Fachkräftemangel ein absolut wichtiges Thema. Was ist aus Deiner Sicht hier sinnvoll, zu tun? 

Amend: Das Thema Fachkräfteman­gel ist das Thema, das uns im Verband, aber auch vermutlich jede Musikschu­le im VdM am intensivsten bewegt und uns durchaus Sorgen macht für die Zu­kunftsfähigkeit der Musikschulen. In­sofern finde ich das, was jetzt durch die MiKADO-Studie zwar wenig über­raschend, aber in seiner Deutlichkeit doch sehr alarmierend schwarz auf weiß steht, was wir an Mangel erwar­ten und welche Appelle es nun gibt, die in die verschiedenen Richtungen aus­gesendet werden, wahnsinnig wich­tig. Diese Appelle müssen wir wirklich ernst nehmen und nutzen. 

VdM: Bei der Nachwuchsförderung können die Musikschulen ebenso wie die Musikhochschulen viel tun – in die Richtung gehen auch die Appelle der MiKADO-Studie. 

Amend: Die Musikschulen können ei­nen wichtigen Beitrag durch die Eta­blierung von Praktikums-und Mento­ring-Programme sowie der Studien­vorbereitenden Ausbildungen (SVA) leisten. Auch die Förderung von regionalen Kooperationen zwischen Hoch­schulen und öffentlichen Musikschu­len gehört dazu, um das Angebot der Musikschulen bei der Nachwuchsför­derung zu ergänzen. 

VdM: Mit welchem Appell müssen wir uns an die Musikhochschulen wenden? 

Amend: Einer der Appelle an die Mu­sikhochschulen ist, dass die künstle­risch-pädagogischen Inhalte viel stär­ker auch in den künstlerischen Studi­engängen platziert sein müssen. Das muss sich intensiv miteinander ver­weben – auch um der Abwertung des künstlerisch-pädagogischen Berufs entgegenzuwirken. Denn wir brauchen eine realitätsbezogene Ausbildung an den Hochschulen. 

Als Musikschulen und als Musikschul­verband müssen wir uns zum einen na­türlich immer nach außen wenden und klarmachen, was wir für Rahmenbe­dingungen brauchen und was wir uns von den Hochschulen wünschen. Aber uns auch immer wieder an die eigene Nase fassen. Dass wir selbst auch bei uns genau schauen, was unsere Aufga­be als öffentliche Musikschulen in die­sem Kreislauf Nachwuchsgewinnung ist. Und dass wir uns unserer wichti­gen Position dabei bewusst werden. 

VdM: Welche weiteren Faktoren sind im Hinblick auf den zunehmenden großen Fachkräftemangel wichtig? Was kann die Politik hier machen? 

Amend: Die MiKADO-Studie formu­liert die Forderung an die Politik ganz deutlich: „Attraktive Arbeitsbedingun­gen an Musikschulen, sowie eine ent­sprechende Erhöhung der Budgets für die Umsetzung und bedarfsabhängige Lohnzuschüsse in strukturschwachen Regionen.“ Es gilt also sowohl, Ein­sparungen bei der öffentlichen För­derung für Musikschulen zu verhin­dern, als auch weitere finanzielle Mit­tel zu ermöglichen, um dieses wich­tige Bildungsangebot zu erhalten und grundsätzlich allen Kindern und Ju­gendlichen weiter anbieten zu können. 

VdM: Wie kannst Du Dich jedes Mal für all diese Herausforderungen und Aufgaben, die dir wichtig sind, selbst motivieren? 

Amend: Ein wesentlicher Teil meiner Motivation ist, dass ich die Perspek­tive als Musikschullehrkraft und als Musikschulleiter sehr gut kenne und genau weiß, was es bedeutet, vor Ort mit guten oder eben auch weniger gu­ten Rahmenbedingungen klarzukom­men. Dadurch kann ich mir gut vor­stellen, welche Dinge bewegt werden müssen, damit es besser wird. Ich kann mich hineinversetzen und nach­vollziehen, was es heißt, mit begrenz­ten Ressourcen einen guten Job in der Musikschule zu machen und wie frustrierend es sein kann, wenn Rahmen­bedingungen nicht so sind, wie man sie sich eigentlich vorstellt. Diese Mo­tivation nehme ich in den Verband mit: Mich für die Verbesserung der Rah­menbedingungen auf allen möglichen Ebenen einzusetzen und immer wie­der zu versuchen, die Perspektive der Musikschulen in den Vordergrund zu nehmen. Denn diese Perspektive ist sehr unterschiedlich, allein schon we­gen der ungleichen gesetzlichen Auf­stellung in den 16 Bundesländern, aber auch wegen der Unterschiede zwi­schen Kommunen im großstädtischen und im ländlichen Raum und der Be­deutung, die Musikschulen in der Stadtgesellschaft haben oder haben müssten. Gerade diese unterschied­lichen Perspektiven sind für mich Mo­tivation, die Vielfalt wahrzunehmen und dafür gute Impulse zu setzen. 

VdM: Wie organisierst Du Deinen Ar­beitsalltag zwischen der strategischen Arbeit, Vorstandsabstimmung, Mit­gliederkontakt und Geschäftsstelle? 

Amend: Die Gleichzeitigkeit der The­men ist eine echte Herausforderung. In der Geschäftsstelle habe ich ein starkes Team, das mich sehr gut un­terstützt, und einen aktiven Bundes­vorstand, der wirklich etwas für die öffentlichen Musikschulen in Deutsch­land verändern will. Das macht die Abstimmungen einerseits leicht, weil es überhaupt nicht zäh ist. Anderer­seits entsteht genau daraus auch ein gewisser Druck: Es gibt viele Ideen und wichtige Impulse, die parallel lau­fen, und man möchte am liebsten alles gleichzeitig weiterdenken. Hier muss ich sehr bewusst priorisieren und ge­nau überlegen, an welchen Stellen ich Themen wirklich vorantreibe, damit sie auch zu Ergebnissen führen und nicht zu viele Dinge dauerhaft gleich­zeitig in der Luft bleiben. Dieses Jon­glieren gehört schlicht dazu, es ist auch sehr spannend und komplex, und das muss sich auch in meiner Tätigkeit widerspiegeln. 

VdM: Wofür möchtest Du intern als Person stehen und was sollen Kollegen und auch die Mitglieder in einem Jahr über Dich sagen können? Was wäre hier Dein Ziel? 

Amend: Mir ist wichtig, intern wie ex­tern für Transparenz zu stehen. Ich möchte, dass sowohl die Mitarbeiten­den in der Geschäftsstelle als auch die Mitglieder nachvollziehen können, was wir tun, was ich in meiner Tätig­keit tue, warum es den VdM braucht und wie wichtig er für die öffentlichen Musikschulen ist. Gleichzeitig möchte ich als jemand wahrgenommen wer­den, der viele Menschen einbindet und keine Alleingänge macht. Mir geht es darum, die Expertise derjenigen auf­zugreifen, die sich engagieren wollen, Dinge zu bündeln und dann auch Ent­scheidungen zu treffen, aber immer in Abstimmung mit den Menschen, die entscheidend sind, damit das Gesamt­konstrukt funktioniert und stabil wei­terläuft. 

VdM: Wie können dabei auch die Mit­gliedsschulen im VdM dazu beitragen, dass diese Ziele, die Du für die Musik­schulen erreichen möchtest, umge­setzt werden können. Und wie kannst Du dabei am schnellsten Rückmel­dungen erreichen? 

Amend: Wir haben mit den 16 Lan­desverbänden ein spannendes und leistungsfähiges Konstrukt, mit dem ich eng zusammenarbeiten und das ich möglichst schnell kennenlernen möchte. Dadurch komme ich auch mit vielen Mitgliedsschulen in Kontakt, zum Beispiel bei Mitgliederversamm­lungen. Der beste Weg ist aus meiner Sicht, dass sich die Mitgliedsschulen in ihren Landesverbänden engagie­ren und dort Themen einbringen, die wir dann im Bundesverband aufgrei­fen können. Gleichzeitig sind wir als VdM auch für die Mitgliederberatung da. Das heißt, jede Musikschule kann sich mit Fragen und Anliegen auch di­rekt an uns wenden und sagen, was ihr wichtig ist. Solche Rückmeldungen helfen uns sehr dabei, uns schnell zu orientieren und die richtigen Schwer­punkte zu setzen. 

VdM: In diesem Jahr findet im April die Bundesversammlung mit Haupt­arbeitstagung statt. Welche Themen und Schwerpunkte werden dabei im Vordergrund stehen? 

Amend: Wir sind dabei, das Grund­satzprogramm und Leitbild der öf­fentlichen Musikschulen im VdM zu novellieren. Allen Mitgliedern haben wir dabei die Möglichkeit gegeben, sich dazu zurückzumelden. Beides wollen wir in Erfurt verabschieden. Und gleichzeitig werden wir uns na­türlich mit den ganz akuten Themen wie dem Fachkräftemangel befas­sen und uns hier insbesondere mit den nun wichtigen Schritten nach der MiKADO-Studie beschäftigen. Eng damit verbunden ist auch die Frage der Sichtbarkeit: Wir werden die öf­fentliche Musikschule noch stärker in den Fokus rücken und deutlicher machen müssen, wie unverzichtbar musikalische Bildung für die Stadtge­sellschaft, für Kultur und für das Mit­einander in diesem Land ist.

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