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Frankfurt/Main (ddp). Der Cartoonist und Schriftsteller Friedrich Karl Waechter ist tot. Er starb am frühen Freitagmorgen im Alter von 67 Jahren nach langer schwerer Krankheit, wie das Caricatura Museum für Komische Kunst seiner Wahl-Heimatstadt Frankfurt am Main mitteilte.
Seinen Hang zum Skurrilen beschrieb Friedrich Karl (F.K.) Waechter so: «Der Hauptquell für Komik kommt aus dem Leiden, aus Niederlagen», schrieb er 1991 in seinem Buch «Mich wundert, dass ich fröhlich bin». F. K. Waechter war der bekannteste und zügelloseste Satirezeichner Deutschlands, seine große Stärke die bisweilen bizarr anmutenden Betrachtungen über das Menschliche, das er hintersinnig aufs Papier brachte. Vor allem aus dem Satire-Magazin «Titanic», dessen Mitbegründer er war, sind seine Zeichnungen bekannt.Geboren wurde Friedrich Karl Waechter 1937 als Sohn eines Lehrers in Danzig. Nach der Flucht kam er 1945 mit seiner Familie nach Schleswig-Holstein, besuchte die Schule in Ratzeburg und machte in Hamburg eine Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker. 1962 kam Waechter nach Frankfurt, zeichnete zuerst für das linke Satire-Magazin «pardon», später für «Titanic».
Er lernte die anderen Granden der späteren «Neuen Frankfurter Schule» kennen, wie sich die Gruppe in ironischer Anlehnung an die Gesellschaftskritik der Frankfurter Schule des Soziologen Theodor W. Adorno nannte: Robert Gernhardt, F. W. Bernstein und Clodwig Poth, mit denen er in den 70er Jahren eine vollkommen neue, scharfsinnig-abgründige Komik etablierte.
Die Gruppe verstand sich als satirische Flanke der 68er-Bewegung, welche den vermufften Konsensgeist der Nachkriegsrepublik und deren Autoritäten aufmischen wollte und da auch tat. Waechters süßlich-anarchische Zeichnungen und Sprüche sind bis heute in WG-Fluren oder als Klo-Sinnsprüche zu finden.
Bekannt wurde Waechter in den 70er-Jahren zudem durch seine Kinder- und Jugendbücher. Am bekanntesten ist sein 1970 erschienener «Anti-Struwwelpeter» für den er 1975 den Deutschen Jugendbuchpreis erhielt. Es ist ein satirisches Gegenstück zu Heinrich Hoffmanns Kindermoralfibel «Struwwelpeter» aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Darin zieht er die furchteinflößenden Quark Gestalten vom Daumen-Schneider, das brennende Paulinchen und andere schwer durch den antiautoritären Kakao. Seit 1974 schrieb Waechter auch Theaterstücke für Kinder. Als Künstler arbeitete für die Satirezeitschriften «pardon», «Konkret» und «Titanic», ebenso für «Twen» und das «Zeit-Magazin».
Waechter gehörte zu den bekanntesten deutschen Theater- und Jugendbuchautoren. 2002 ehrte das Institut für Jugendbuchforschung sein Werk. Im Jahr 2003 erhielten Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Hans Traxler und Friedrich Karl Waechter als Vertreter der «Neuen Frankfurter Schule» den mit 50 000 Euro dotierten Binding-Kulturpreis 2003 der Binding-Kulturstiftung.
Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er den 1983 Brüder-Grimm-Preis für das Stück «Kiebich und Dutz», 1993 den Hessischen Kulturpreis, 1999 den Deutscher Jugendliteraturpreis für «Der rote Wolf» und 2003 den Alex-Wedding-Preis für sein Gesamtwerk.
In der Nacht zum Freitag ist er im Alter von 67 Jahren in Frankfurt einem Lungenkrebsleiden erlegen.
Peter Leveringhaus