Dr. Peter Hanser-Strecker verstarb am Abend des 22. Januar 2026 im Alter von 83 Jahren im Kreise seiner Familie in Wiesbaden. Mit ihm verliert die Musikwelt einen Visionär, der über ein halbes Jahrhundert die Geschicke eines der bedeutendsten Musikverlage der Welt lenkte und das kulturelle Erbe der Moderne maßgeblich mitgestaltete. Dr. Peter Hanser-Strecker hinterlässt seine Ehefrau Ingrid, drei Kinder und neun Enkelkinder.
Erst im Jahr 2020 konnte der Mainzer Schott Verlag konnte sein 250. Jubiläum feiern. Gründer war Bernhard Schott im Jahre 1770, dem Geburtsjahr Ludwig van Beethovens. Neben dessen 9. Sinfonie wurden das gesamte kompositorische Werk von Richard Wagner und etliche Werke von W.A. Mozart bei Schott verlegt. Das Engagement des Verlags für die Musik der Gegenwart ist immens. Hanser-Strecker pflegte enge Bindungen zu Komponisten wie György Ligeti, Krzysztof Penderecki und Jörg Widmann.
Peter Hanser-Strecker, der in München und Mainz Musikwissenschaft und Jura studiert hatte, stand in einer großen Traditionslinie, als er 1968 im Alter von 26 Jahren als Leiter der Rechtstabteilung in den Verlag seines Großvaters eintrat. Erst wenige Monate zuvor hatte Peter Hanser-Strecker über das Thema „Das Plagiat in der Musik“ promoviert und auch seine Studien in den USA und in Lausanne am renommierten IMEDE-Institut beendet.
Seit seiner Berufung in die Geschäftsführung im Jahr 1974 und der Übernahme des Vorsitzes 1983 transformierte er das Mainzer Traditionshaus zu einem global agierenden Medienunternehmen. Unter seiner Führung expandierte Schott Music mit Niederlassungen in den USA, Japan, Frankreich, China und Russland. Er verstand es, das „Papiergeschäft“ der Notenedition mit technologischem Pioniergeist zu verknüpfen: So führte er bereits in den 1980er-Jahren den digitalen Notensatz ein und etablierte frühzeitig zukunftsweisende E-Commerce-Strukturen.
In der Ära Hanser-Strecker hat sich die Arbeit eines Musikverlages stärker verändert hat als in den zwei Jahrhunderten davor. Die Hauptherausforderung liegt heute in der Digitalisierung des gesamten Verlags- und Musikgeschäfts. Hier mussten der Mainzer Verlag und die gesamte Branche einen immensen Werteverfall konstatieren, Stichwort „Streaming“. Dennoch ist das Kerngeschäft, das sogenannte Papiergeschäft bis heute eine solide Basis des Verlags. „Solange Musik aufgeführt wird“, so Hanser-Strecker in einem Interview mit der nmz, „muss es auch Noten dazu geben. Insofern war das Notengeschäft von Anfang an der wichtigste Teil unserer Tätigkeit. Das ist selbstverständlich auch heute noch so. Nach wie vor ist die Herstellung von Aufführungsmaterial eine aufwändige Angelegenheit, auch wenn es längst den Computer-Notensatz gibt. In Zukunft werden die Noten immer häufiger für die Wiedergabe auf dem Bildschirm konfiguriert. Hier eröffnen sich neue Absatzwege und Benutzervorteile.“
Über die Verlagstätigkeit hinaus prägte Dr. Hanser-Strecker das Musikleben in zahlreichen Ehrenämtern, unter anderem als Präsident des Deutschen Musikverleger-Verbandes (1997–2002) und als langjähriges Aufsichtsratsmitglied der GEMA. Sein tiefes humanistisches Ethos fand Ausdruck in seinem Engagement für die Stiftung „Menschen für Menschen“ sowie in der Gründung zahlreicher Stiftungen zur Förderung der Musikerziehung und der Erforschung verfemter Musik. Für seine herausragenden Leistungen wurde er 2014 mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Im Jahr 2024 leitete Hanser-Strecker die Übertragung der Geschäftsanteile des Verlages auf die von ihm gegründete gemeinnützige Strecker-Stiftung ein, wodurch die Unabhängigkeit des Hauses Schott dauerhaft gesichert wurde. Hanser-Strecker war bis zu seinem Tod im Stiftungsvorstand engagiert.