„Das Besondere war die Möglichkeit, über Musik zu kommunizieren, neue Freundschaften zu schließen“, meint Margaux. Oder wie es Iaroslav formuliert: „Musik wurde zur Lingua franca, um Ideen im Austausch zu vermitteln“. Die beiden 15-Jährigen aus Strasbourg komponierten ihre Stücke „Esquisse en deux mouvements“ und „Le vent, la forêt et les loups“ im Rahmen unseres deutsch-französischen Kooperationsprojekts, dessen Finale im November mit Probenworkshops und Uraufführungskonzerten in Leipzig, Dresden und Strasbourg erfolgreich über die Bühne(n) ging.
Musiker:innen von collective lovemusic, Kompositionsdozentinnen und Teilnehmende aus Dresden und Straßburg (vorn v.r.n.l.: Adam Starkie, Silke Fraikin,
Linda, Clara, Céline Papion, Annette Schlünz, Romane; hinten v.r.n.l.: Willy, Fanny, Richard, Jonas, Emily Yabe, Johannes Korndörfer, Emiliano Gavito, Louis) Foto: © Archiv Komponistenklasse
Komponistenklasse & collective lovemusic
Präsentiert wurden 23 Kammermusikwerke, die die 8- bis 23-Jährigen unter Anleitung von Johannes Korndörfer, Silke Fraikin (Dresden) und Annette Schlünz (Strasbourg) dem collective lovemusic „auf den Leib“ komponierten.
Aus der Feder der Jüngsten stammen „Les pyramides musicales“ von Clara, „Jardin fleuri“ von Natalia, Lindas „Rennendes Alpaka“, „Auf dem Bahnhof“ von Levin und Manuels „Qwrxlrdnkrl!“. Sie stellten sich mit ihren Stückideen in kurzen Interviews vor. Emiliano Gavito (Flöte), Adam Starkie (Klarinette), Emily Yabe (Violine) und Céline Papion (Cello) von collective lovemusic studierten die Werke gemeinsam mit den Komponierenden ein. Das international gefragte Ensemble aus Strasbourg (Ensemblepreis der Ernst von Siemens Musikstiftung 2025) hält solche Kooperationen für unerlässlich, denn es sei „von grundlegender Bedeutung, Kindern schon in jungen Jahren Kompositionsunterricht zu ermöglichen, der sie dazu ermutigt, Musik als einen persönlichen und kreativen Akt zu begreifen“ – so Adam Starkie: „Das Komponieren von Musik kann nicht von ihrer Umsetzung durch Musiker*innen getrennt werden. In diesem Prozess sind Letztere nicht nur ‚Ausführende‘, sondern Künstler, die in der Lage sind, die zweite Phase der Komposition zu begleiten und die Art und Weise zu lenken, wie Musik umgesetzt, gespielt und verkörpert werden kann.“
In der Komponistenklasse Dresden fördern wir komponierende Kinder und Jugendliche, ermöglichen ihnen den Austausch mit anderen Kreativen und die Uraufführung ihrer Stücke durch professionelle Ensembles. Seit etlichen Jahren pflegen wir die Zusammenarbeit mit Annette Schlünz und ihren Kompositionsworkshops am Konservatorium Strasbourg. Dass sich Deutsche und Franzosen sowohl in den Dresdner Ferienkursen als auch bei den Strasbourger Workshops und den gemeinsamen Proben und Konzerten begegnen können, sei ein „echter Moment der Geselligkeit rund um Musik, verschiedene Kulturen und Sprachen“, wie sie sagt.
Auch für Ronja (16 Jahre) aus Leipzig hat „die Mischung aus freier Kompositionszeit, gemeinsamem Improvisieren, Singen, Musizieren und den Vorstellungsrunden für verschiedene Instrumente perfekt gepasst“. Ihre Komposition „Lucrum perditum“ war bei allen Aufführungen zu hören. So ging es auch Richard (21 Jahre), der in Berlin Komposition studiert, und sein Quartett „Konstellationen von …“ mit lovemusic erarbeitete: „Ich würde mir wünschen, dass die Kooperation in dieser Form noch viele Male stattfinden kann und es weiterhin einen regen Austausch gibt!“ Wie er gehört Romane (geb. 2003) aus Strasbourg mit ihrem Stück „Le prix de l’insouciance“ zu den „reiferen Jahrgängen“. Und doch be-ginnt sie gerade erst zu verstehen, was es bedeutet, Musik zu machen, zu interpretieren: „Aber so schwierig es auch sein mag, es ist äußerst anregend und die Freude daran ist immer wieder neu!“
Das von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Landeshauptstadt Dresden, der Stadt Strasbourg, Mécénat Caisse des Dépôts und CNM, vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds, der Ernst von Siemens Musikstiftung und von der Ostsächsischen Sparkasse Dresden geförderte Projekt wäre ohne unseren Förderverein und unsere Partner LVMSC, HELLERAU, Neue Musik Leipzig und Konservatorium Strasbourg undenkbar gewesen. Neben allen Mitwirkenden und Unterstützern ist den Gastfamilien zu danken, die Privatquartiere zur Verfügung stellten. „Besonders war das Zusammensein mit den französischen Schüler*innen auch im Alltag, im deutschen wie im französischen.“ (Linda, 11 Jahre)
Stadtbesichtigungen und ein kulinarisches Get together komplettierten das Programm, dessen Quintessenz Adam Starkie so zusammenfasst: „Zu sehen, wie Kinder miteinander ins Gespräch kommen und sich über die von ihnen geschaffene Kunst austauschen, ist eine wahre Quelle der Freude, die umso wertvoller ist, als sie heute immer seltener wird.“
Das Konzertvideo der Dresdner Aufführung vom 9. November 2025 in HELLERAU wird in der Mediathek der SLUB veröffentlicht.
- Share by mail
Share on