Eineinhalb Jahre ist es her, dass der DTKV aus Berlin verschwand. Vorausgegangen war eine schwierige und kräftezehrende Zeit mit dem alten Landesverband, jetzt „Tonkünstlerverband Berlin“. Der Austritt war am Ende folgerichtig, denn die Richtung, in welche sich dieser Landesverband entwickelt hatte, war nicht mehr kompatibel mit den Werten und Inhalten des Deutschen Tonkünstlerverbands.
Berlin zurück im DTKV
Landesverband mit Tradition
Das war nicht immer so. Im Gegenteil – der Berliner Landesverband war über Jahrzehnte eine feste Säule im Gefüge der DTKV-Verbandsstruktur. Er teilte nicht nur seine Räumlichkeiten mit dem Bundesverband, sondern brachte sich intensiv in die Arbeit des Bundesverbandes ein. Für die Berliner Musikerinnen und Musiker war der DTKV Landesverband Berlin ein sicherer Hafen, den es anzulaufen galt, wenn Unterstützung benötigt wurde. Der Vorstand war immer generationsübergreifend besetzt, Nachwuchsprobleme gab es nicht.
Dunkle Wolken über Berlin
Umso schockierender war es für die Mitgl ieder, aber insbesondere für die engagierten Ehrenamtlichen im Verband, als mitten in der Corona-Zeit über dem Landesverband Berlin dunkle Wolken aufzogen. Ein kleiner Kreis aus Mitgliedern hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Führung im Verband zu übernehmen. Kein Stein blieb auf dem anderen, der Zweck heiligte die Mittel. Wer sich mit den Betroffenen unterhält, spürt bis heute die tiefen Wunden und Verletzungen, die damals entstanden sind. Inzwischen hat sich die Situation zwar beruhigt, es wird versucht, Gras über die Sache wachsen zu lassen. Trotzdem ist eine Rückkehr des „Tonkünstlerverbands Berlin“ in den DTKV ausgeschlossen. Es müsste zuerst eine umfassende Aufarbeitung der Vorkommnisse stattfinden.
Berlin braucht Landesverband
Da dies nahezu ausgeschlossen erscheint, musste eine andere Lösung für die Hauptstadt gefunden werden. Denn klar war immer: Berlin braucht einen Landesverband des DTKV, der DTKV muss in Berlin präsent sein. Diese Lösung zeichnete sich im Winter 2025 ab.
Brandenburg wächst nach Berlin
Der DTKV Landesverband Brandenburg e.V. hatte inzwischen deutschlandweit Bekanntheit erlangt durch seine besonders engagierte und von manch einem gefürchtete politische Arbeit in Sachen Herrenberg-Urteil. Die gesteigerte öffentliche Präsenz hatte den positiven Nebeneffekt des Mitgliederzuwachses.
Sowohl die Soloselbstständigen als auch die Institutionen holten sich Unterstützung beim DTKV Landesverband Brandenburg und tun dies bis heute. Da sich der Verbandssitz in Potsdam befindet, einen Steinwurf von Berlin entfernt, schlüpften auch immer mehr Berliner unter das Dach des DTKV Brandenburg. Was lag da näher, als die gewachsenen Strukturen des Landesverbands Brandenburg zu nutzen und auf Berlin auszuweiten? – Die außerordentliche Mitgliederversammlung des Landesverbands Brandenburg, welche am 30.03.2025 bereits in der heutigen Berliner Geschäftsstelle in der Prenzlauer Promenade 149–152 in Pankow stattfand, beschloss dann auch einstimmig die Umbenennung des Landesverbands Brandenburg in Landesverband Berlin/ Brandenburg.
Ein Jahr Warten auf die Eintragung
Eigentl ich hät te dann al les sehr schnell gehen können mit der Namensänderung. Doch der „Tonkünstlerverband Berlin“ reichte eine Schutzschrift beim Amtsgericht Potsdam ein, um die Umbenennung zu verhindern. Man argumentierte, es könnte zu einer Verwechslung kommen, würden zwei Vereine in der Hauptstadt die Bezeichnung „Tonkünstlerverband“ und „Berlin“ im Namen tragen. Es sollte durchgesetzt werden, dass ausschließlich der Tonkünstlerverband Berlin das Recht besitzt, diese beiden Wörter im Namen zu tragen. Sowohl der von uns beauftragte Notar als auch unser geschätzter Justiziar Hans-Jürgen Werner hielten diese Argumentation für wenig aussichtsreich. Trotzdem nahm sich das Amtsgericht viel Zeit für die Prüfung der Schutzschrift und unserer Antwort. Es dauerte fast ein Jahr, bis wir nun endlich den Bescheid über die Eintragung unserer Namensänderung/ Satzungsänderung erhielten. Natürlich freuen wir uns sehr, dass unsere Rechtsauffassung bestätigt wurde.
Jetzt geht es erst richtig los
Viel wichtiger ist es nun aber, die Chancen und Möglichkeiten dieses neuen erweiterten Verbands zu nutzen. Und so trat auch noch vor den Berliner Sommerferien das Präsidium des neuen Verbands zusammen, um wichtige und zukunftsweisende Beschlüsse zu fassen.
Neue Geschäftsstelle und zurück in den Landesmusikrat
Neben der Gründung der neuen Geschäftsstelle in Berlin-Pankow, welche bereits eingerichtet ist, wird zum Jahresbeginn 2027 ein Antrag auf Mitgliedschaft im Landesmusikrat Berlin gestellt. Der DTKV gehört in jeden Landesmusikrat, die entstandene Lücke in Berlin muss zeitnah geschlossen werden.
Die AG Musikschulen wird Teil des Verbandes
Außerdem wurde die AG Musikschulen, welche 2024 von Martin Behm und Nico Schreiber gegründet wurde, fest in die Struktur des DTKV Landesverbands Berlin/Brandenburg integriert. An die 50 Musikschulen stellten inzwischen einen Antrag auf institutionelle Mitgliedschaft und wurden aufgenommen.
„Zukunft Musikbildung“ – Lösungen statt Problembeschreibung
Das wohl größte Projekt, welches aus der Taufe gehoben wurde, ist allerdings „Zukunft Musikbildung“. Unter der Federführung von Projektkoordinator Nico Schreiber (Stuttgart) wurde eine Projektplattform gegründet, welche es sich zum Ziel setzt, greifbare und fassbare Lösungen für die Herausforderungen und Probleme in der musikalischen Bildung in Deutschland zu liefern.
Erarbeitet werden diese Lösungsstrategien gemeinsam mit einer Vielzahl von Akteuren aus dem Bereich der musikalischen Bildung. Hier sind Musikschulen genauso gefragt wie Soloselbstständige, aber auch Partnerinstitutionen, Musikhochschulen und Universitäten.
Fachkräftemangel: Wir haben Ideen
Die erste und wohl dringendste Aufgabe ist die Bekämpfung des Fachkräftemangels. Hier wurden die Probleme bereits von anderen Stellen richtig benannt, allerdings fehlen bislang durchschlagende Ideen, wie man diesem Problem begegnen kann. Wir haben diese Ideen und brennen darauf sie umzusetzen.
Das Besondere an „Zukunft Musikbildung“ ist außerdem, dass diese Projektplattform zwar in Berlin/Brandenburg beheimatet ist, aber ähnlich wie die AG Musikschulen deutschlandweit agieren kann und soll.
Hier setzen wir besonders auf die Zusammenarbeit mit den anderen Landesverbänden des DTKV in Deutschland. Erste Allianzen wurden bereits geknüpft.
Berlin/Brandenburg hat viel vor
Es sollte deutlich geworden sein: Der DTKV Landesverband Berlin/Brandenburg hat sich viel vorgenommen und möchte seinen Mitgliedern, aber auch dem Bundesverband des DTKV wieder eine echte Bereicherung sein. Die Zeiten sind hart, und der größte Berufsverband für Musikberufe in Deutschland wird dringend gebraucht.
Wir nehmen uns dieser Herausforderungen an!
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