Es gibt Orte, an denen Musikgeschichte nicht im Museum, sondern in der Landschaft weiterlebt. Einer dieser Orte liegt am Comer See: Bellagio. Traditionell fand am Comer See auch in diesem Juli wieder das LacMus Festival statt. Seit einigen Jahren kooperiert der Verein Freunde der Tonkunst und Musikerziehung mit dem Festival. Vizepräsident Prof. Christian Höppner und Schatzmeisterin Elisabeth Herzog-Schaffner verbanden den Festivalbesuch mit einem Gesprächstermin in der Villa Vigoni zusammen mit Wilhelm Mixa und Matthias Edler v. Pollak. Im Mittelpunkt standen mögliche gemeinsame Kooperationsprojekte – ein schönes Beispiel dafür, wie musikalische Netzwerke über Grenzen hinweg lebendig bleiben.
Foto: Elisabeth Herzog-Schaffner
Der Liszt-Pavillon in Bellagio
Und dann ist da Franz Liszt. Den Comer See besuchte der Komponist und Pianist bereits im 19. Jahrhundert. Für den Tonkünstlerverband ist sein Name von besonderer Bedeutung: Liszt gehört zu den Gründungsvätern des Allgemeinen Deutschen Musikvereins, den er 1861 gemeinsam mit Franz Brendel ins Leben rief. Was damals als programmatische Idee in den Statuten formuliert wurde, klingt bis heute erstaunlich modern: „die Tonkunst im Sinne einer fortschreitenden Entwicklung zu pflegen und zugleich die Standes- und Berufsinteressen der Musiker zu wahren und zu fördern.“
In Bellagio erinnert der nach Liszt benannte Pavillon an diese Verbindung von Kunst, Leben und Landschaft. Er liegt im historischen Park der Giardini di Villa Melzi und eröffnet durch seine exotische, maurisch anmutende Architektur einen grandiosen Blick über den See. Liszt hielt sich im Sommer 1837 mehrere Monate in Bellagio auf – gemeinsam mit seiner Geliebten, der Schriftstellerin und Gräfin Marie d’Agoult. Der Gartenpavillon soll ihm als Rückzugsort gedient haben.
Hier, zwischen See, Bergen und Garten, entstand ein Werk, das zu den bedeutendsten Kompositionen Liszts zählt: die „Fantasia quasi Sonata Après une lecture du Dante“. Jahre später sollte daraus die „Dante-Symphonie“ hervorgehen.
Vielleicht ist das die eigentliche Magie solcher Orte: Man steht nicht nur vor einem Denkmal für einen berühmten Künstler. Man steht an einem Ort, an dem Musik gedacht, erlebt und geschaffen wurde. Und plötzlich erscheint Musikgeschichte nicht mehr fern und vergangen, sondern erstaunlich gegenwärtig.
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