Wenn das Bridges Kammerorchester in diesem Frühjahr sein zehnjähriges Bestehen feiert, dann ist das ein Jubiläum, das weit über einen runden Geburtstag hinausgeht. Denn hier wird nicht einfach auf zehn erfolgreiche Jahre eines Ensembles zurückgeblickt. Hier lässt sich beobachten, wie aus einer Konzertidee Schritt für Schritt ein Klangkörper mit ganz eigener künstlerischer Handschrift geworden ist.
Ein Orchester mit eigener Stimme
Begonnen hat alles 2016 mit einem Konzert im hr-Sendesaal in Frankfurt. Damals konnte wohl noch niemand ahnen, was sich daraus entwickeln würde. Heute steht Bridges für eine künstlerische Arbeit, die in dieser Form in der deutschen Musiklandschaft nach wie vor etwas Besonderes ist. Das Orchester bringt Musiker:innen und Instrumente aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammen und entwickelt aus dieser Vielfalt eine Musik, die nicht nach dem Prinzip des bloßen Nebeneinanders funktioniert. Hier wird nicht einfach Unterschiedliches aneinandergereiht. Hier wächst aus verschiedenen musikalischen Traditionen tatsächlich etwas Neues.
Gerade darin liegt die besondere künstlerische Qualität des Ensembles. Im Bridges Kammerorchester kommen europäische Klassik, klassische arabische und persische Musik, Jazz, osteuropäische Folklore und zeitgenössische Musik zusammen. Für eine solche Besetzung gibt es keine fertige Literatur. Das Orchester muss sich sein Repertoire daher selbst schaffen. Und genau das tut es: Die Musiker:innen komponieren, arrangieren und entwickeln ihre Programme aus dem Ensemble heraus. Dass sich Bridges heute „The composing orchestra“ nennt, ist daher mehr als ein gut gewählter Slogan, sondern die treffende Beschreibung seiner künstlerischen Arbeitsweise.
Mit der Gründung des Bridges Kammerorchesters im Jahr 2019 hat diese Entwicklung noch einmal deutlich an Profil gewonnen. Aus einer Initiative wurde ein Ensemble mit klarem künstlerischem Fokus. Besonders bemerkenswert ist, dass das Komponieren bei Bridges nicht allein Sache einzelner Köpfe bleibt. Immer wieder entstehen Werke auch in gemeinsamer Arbeit von Musiker:innen, die aus unterschiedlichen Musiktraditionen kommen. Gerade dadurch wird hörbar, worum es Bridges im Kern geht: nicht um die Glättung von Unterschieden, sondern um deren schöpferische Kraft.
Dass diese Arbeit weit über Frankfurt hinaus Beachtung gefunden hat, ist nur folgerichtig. Preise und Auszeichnungen, das Debütalbum „Identigration“ und die Folge-CD „Complementarity“, die Residenz im Casals Forum, das Debüt in der Elbphilharmonie und die ARTE-Produktion zeigen eindrucksvoll, wie sehr sich Bridges inzwischen einen festen Platz erarbeitet hat. Aber vielleicht ist das gar nicht das Wichtigste. Entscheidender ist, dass dieses Orchester eine eigene musikalische Sprache gefunden hat: eine Sprache, die offen ist, beweglich, neugierig und zugleich von hoher künstlerischer Konzentration.
Für den DTKV-Hessen ist dieses Jubiläum auch deshalb ein besonderer Anlass zur Freude, weil die künstlerische Leiterin Johanna-Leonore Dahlhoff Mitglied im FTKB ist. Sie hat die Entwicklung von Bridges seit den Anfängen maßgeblich geprägt und begleitet. Dass unter ihrer Leitung ein Ensemble herangewachsen ist, das künstlerische Offenheit, kompositorische Eigenständigkeit und musikalische Qualität in einer so überzeugenden Weise verbindet, verdient große Anerkennung.
Zehn Jahre Bridges – das ist deshalb nicht nur ein Grund zum Feiern. Es ist auch ein Grund, dankbar und mit Respekt auf eine künstlerische Arbeit zu schauen, die zeigt, wie lebendig, gegenwärtig und zukunftsoffen Musik sein kann.
Termine des DTKV Marburg
27.09.2026, 9.30 – 16.30 Uhr:
Fortbildung „Üben voll motiviert“ mit Kristin Thielemann
Anmeldung bereits jetzt möglich unter info
dtkv-marburg.de (info[at]dtkv-marburg[dot]de)
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