Applaus ist wichtig. Doch er bezahlt keine Krankenversicherung, keine Miete und keine Altersvorsorge. Hinter jeder musikalischen Darbietung, jedem Kunstwerk und jeder kreativen Leistung stehen Menschen, die von ihrer Arbeit leben müssen.
Wilhelm Mixa. Foto: DTKV
Kultur braucht mehr als Applaus – sie braucht soziale Sicherheit
Genau hier zeigt sich die Bedeutung der Künstlersozialkasse (KSK). Sie ist ein unverzichtbares Fundament für die soziale Absicherung selbstständiger Künstlerinnen und Künstler.
Rund 191.000 Menschen sind derzeit über die KSK versichert, darunter etwa 53.000 aus dem Bereich Musik. Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll: Die KSK ist kein Nischenmodell, sondern ein zentraler Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Doch die Arbeitswelt der Kreativen hat sich verändert. Projektarbeit, schwankende Einkommen und unsichere Erwerbsverläufe gehören für viele zum Alltag. Ein System, das diesen Realitäten nicht folgt, verliert seine Schutzfunktion.
Der Deutsche Tonkünstlerverband (DTKV) fordert daher, die Künstlersozialkasse zu erhalten und weiterzuentwickeln. Dazu gehören eine verlässliche politische Absicherung, eine gerechte Erhebung der Künstlersozialabgabe und eine stärkere Anpassung der sozialen Leistungen an die Lebenswirklichkeit selbstständiger Kulturschaffender.
Besonders deutlich wird der Reformbedarf bei der Arbeitslosenversicherung. Künstlerische Erwerbsbiografien verlaufen selten geradlinig. Wer zwischen Projekten steht, darf nicht durch soziale Lücken fallen. Ein fairer Zugang zu Leistungen der Arbeitslosenversicherung sowie bessere Möglichkeiten für Weiterbildung und Qualifizierung sind notwendig.
Auch die Altersvorsorge verdient mehr Aufmerksamkeit. Menschen, die über Jahrzehnte künstlerisch arbeiten, dürfen im Alter nicht vor finanzieller Unsicherheit stehen. Eine Stärkung der KSK-Rente ist deshalb keine Sonderregelung, sondern eine Frage gesellschaftlicher Verantwortung.
Andere Länder zeigen, dass Lösungen möglich sind. Frankreich berücksichtigt mit den „intermittents du spectacle“ die Besonderheiten kreativer Arbeit. Deutschland hat mit der KSK bereits ein starkes Instrument – jetzt gilt es, es zukunftsfest zu machen.
Denn Kultur entsteht nicht allein durch Talent und Ideen. Sie entsteht durch Menschen. Wer Kultur erhalten will, muss auch die sozialen Bedingungen derjenigen sichern, die sie schaffen.
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