Im Gegensatz zur weit verbreiteten Darstellung ist die Beschäftigung von Honorarkräften an Musikschulen nicht per se schlecht oder illegal. Das Herrenbergurteil war ein Einzelurteil und in diesem Fall sicher gerechtfertigt, da die Lehrerin eben weisungsgebunden war.
Selbstständige Beschäftigung an Musikschulen
Und ganz sicher ist die Honorarstelle in den allermeisten Fällen weder Ausbeutung noch prekäre Beschäftigung. Sicher gibt es gerade im privaten Sektor schwarze Schafe, die Notsituationen von freien Musikern ausnutzen und Dumpinghonorare anbieten. In den allermeisten Fällen ist das aber nicht der Fall. Hier sollte man über Mindesthonorare in der Branche nachdenken, um vor Missbrauch zu schützen. Die Honorarstelle per se zu verteufeln wäre unangemessen und übersieht die Lebensrealitäten der Lehrkräfte.
Ich habe es in den letzten Jahren selbst erlebt, dass die meisten meiner Lehrer:innen lieber freie Mitarbeiter bleiben wollen als in die Festanstellung zu wechseln. Flexibilität in der Stundenplanung, Weisungsfreiheit sowohl inhaltlicher als auch terminlicher Natur, die Möglichkeit sich vertreten zu lassen oder drei Monate auf Konzerttournee gehen zu können sind vielen eben wichtiger. Es mag Personen geben, die die Festanstellung bevorzugen, aber die Darstellung in den meisten Artikeln verzerrt die Wirklichkeit. Zumindest ist das meine persönliche Erfahrung aus vielen Lehrergesprächen. Hier wird Lobbyarbeit für ein veraltetes Arbeitsmodell gemacht und dabei die selbstständige Tätigkeit verteufelt. Es ist schlichtweg falsch zu sagen, dass freie Mitarbeit an einer Musikschule nicht möglich ist. Das ist eine Frage der Gestaltung der täglichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Lehrern und Musikschulleitung. Die Lehrer sind alle ausgebildet, wissen am besten selbst wie guter Unterricht zu gestalten ist und brauchen keine Vorschriften einer Musikschulleitung.
Wir sollten unsere Musiklehrer so gut es geht unterstützen in dem Lebensmodell, das sie am liebsten leben wollen. Lehrermangel ist auch im Musikschulbereich ein großes Thema. Also bitte hört auf die Lehrer:innen und macht die freie Wahl des Beschäftigungsverhältnisses möglich.
Dieses Bashing auf die angebliche Scheinselbstständigkeit muss endlich aufhören. Wir brauchen keine Grabenkämpfe, sondern tragfähige Lösungen für alle Parteien.
Roland Menthel ist ausgebildeter Diplommusikpädagoge und betreibt mit seiner Frau Jessica Menthel seit 2004 eine private Musikschule in Potsdam und Berlin mit mittlerweile um die 1.200 Schüler:innen, 80 Honorarkräften und 11 fest angestellten Lehrer:innen. Zudem ist er Mitglied im Präsidium des Landesmusikrats Brandenburg
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