Inklusion ist kein Zukunftsthema, sondern gelebte Praxis. Das zeigte das Konzert des Orchesters DIE BUNTEN am 10. Mai 2026 im Rokoko-Festsaal des Augsburger Schaezlerpalais eindrucksvoll. Im Rahmen der Augsburger Europawochen wurden aufgrund der großen Nachfrage gleich zwei Aufführungen gespielt; beide restlos ausverkauft. Das Publikum dankte den Mitwirkenden mit langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen.
Angelika Jekic (links) mit Hans-Jürgen Gerung (rechts) und Benedikt Lika, Mitglied im Augsburger Stadtrat (Mitte). Foto: privat
Inklusion klingt
Träger des Projekts war der Verein „DIE BUNTEN – Das Inklusionsorchester e. V.“. Erst durch das große ehrenamtliche Engagement des Vereins konnten Finanzierung, Organisation und die Unterstützung durch zahlreiche Helferinnen und Helfer sichergestellt werden. Einen wesentlichen Anteil daran hatte der Vereinsvorsitzende Armin Hollmann gemeinsam mit Vorstandschaft, Ehrenamtlichen und Betreuenden.
Unter der musikalischen Leitung von Angelika Jekic musizierten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren, Kindern, Jugendlichen und Berufsmusikerinnen und -musikern. Unterstützt wurde das Orchester von Musikschülerinnen und -schülern der VBSM-Musikschulen Krumbach und Oberstdorf. Christine Rietzler, Inklusionsbeauftragte und Lehrkraft der Musikschule Oberstdorf, wirkte mit ihrer Veeh-Harfen-Seniorengruppe am Konzert mit und machte die generationsübergreifende Ausrichtung des Projekts sichtbar.
Ein Höhepunkt war die Uraufführung der fünfsätzigen Suite „Augsburg, meine Stadt“ von Hans-Jürgen Gerung, Leiter der Musikschule Oberstdorf. Das eigens für DIE BUNTEN und Vokalensemble komponierte Werk verbindet markante Orte der Fuggerstadt mit dem europäischen Gedanken und zeigt eindrucksvoll das künstlerische Potenzial inklusiver Ensembles. Neben Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Florian Freund sprachen außerdem der Augsburger Stadtrat, Musikwissenschaftler und Dirigent Benedikt Lika sowie der Landtagsabgeordnete Anton Rittel Grußworte.
Die Zusammenarbeit zwischen Angelika Jekic und Hans-Jürgen Gerung entstand im Netzwerk Inklusion des VBSM. Beide lernten sich auf der jährlichen Fachtagung Inklusion kennen. Gerung spielte dort selbst bei einem Konzert der BUNTEN mit und war von der Arbeit des Orchesters begeistert. Daraus entwickelte sich der Kontakt, aus dem schließlich die Idee reifte, ein Werk für das Inklusionsorchester zu komponieren. Nach zahlreichen Probenbesuchen sowie intensiven Überarbeitungen entstand die Suite.
„Wir versuchen, musikalische Bildung für alle zugänglich zu machen. Das geht nur in einem starken Netzwerk, das wir immer mehr ausbauen“, betont Angelika Jekic. Die BUNTEN seien inzwischen fest in das kulturelle Netzwerk der Stadt Augsburg eingebunden und wirkten unter anderem beim Brecht-Festival mit. „So eine Stadt lebt von der Zusammenarbeit. Und wir sind da mit den BUNTEN ein kleiner, aber tragender Baustein.“ Über die Kooperation mit der Musikschule Oberstdorf sagt sie: „Das ist eine wunderbare Zusammenarbeit. Es ist ein purer Glücksfall, dass jemand für unser Orchester ein solches Werk schreibt.“
Auch Hans-Jürgen Gerung zeigte sich tief bewegt: „Ich habe schon viele Uraufführungen mit professionellen Musikerinnen und Musikern erlebt, aber ich kann mich nicht erinnern, jemals so ein tolles Feedback bekommen und in so viele glückliche Musikeraugen geblickt zu haben.“ Besonders beeindruckt hätten ihn die Konzentration, das Durchhaltevermögen und die Begeisterung des Ensembles, und dies bei gleich zwei Konzerten an einem Tag. „Das ist eines der stärksten Erlebnisse für mich als Komponist.“
Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Verein „DIE BUNTEN – Das Inklusionsorchester e.V.“ und der VBSM-Musikschule Oberstdorf wird fortgesetzt: Bereits jetzt sind DIE BUNTEN für das Eröffnungskonzert des 50. Bayerischen Musikschultags 2027 in Oberstdorf fest eingeplant.
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