Musik verbindet Menschen: über Generationen, Kulturen und Ländergrenzen hinweg. Wie lebendig dieser Gedanke ist, zeigte die Konzert- und Workshopreise des Landes-Jugendjazzorchesters Bayern (LJJB) nach Südafrika. Vom 16. bis 29. Mai 2026 war das Ensemble in Kapstadt und Stellenbosch zu Gast und erlebte einen intensiven musikalischen und kulturellen Austausch mit Hochschulen, Bildungseinrichtungen und jungen Musikerinnen und Musikern der Region.
Die eindrucksvolle und bewegende musikalische Reise des LJJB stand ganz im Zeichen von Gastfreundschaft. Foto: LJJB
Musikalische Brücken bauen
Die Reise wurde durch das Goethe-Institut, das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst durch Mittel aus Fraktionsinitiativen sowie private Förderer ermöglicht. Sie verdeutlicht, wie musikalische Bildung Menschen zusammenführt und langfristige Verbindungen entstehen lässt. Und so stand die Reise ganz im Zeichen der Gastfreundschaft.
Musikalische Heimat
Empfangen in Kapstadt von Pascal Haas, Leiter der Big Band der Stellenbosch University und Ehemaliger des LJJB, bezog das Orchester in der Universitätsstadt Quartier. Schnell wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit mit der Hochschule das Herzstück der Tournee war. Die „Endler Hall“ der Universität wurde zur Probebühne, die Mensa zum Treffpunkt und die Konzertbühnen zu Orten musikalischer Begegnung. Bereits der erste Abend im De Warenmarkt stand unter einem guten Vorzeichen: Pascal Haas am Schlagzeug, Ramon Alexander am Klavier und Schalk Joubert am Bass gestalteten den musikalischen Auftakt. In Workshops eröffnete Ramon Alexander den Blick auf den South African Jazz, Gitarrist und Sänger Bheki Khoza führte in die Klangwelt der Zulu Music ein. Für viele Ensemblemitglieder war es eine besondere Erfahrung, diese prägenden Persönlichkeiten nicht nur im Konzert, sondern auch in Proben und Sessions zu erleben.
Besonders berührend wurde die Begegnung mit Babalwa Mentjies aus Khayelitsha, Sängerin, Musikpädagogin und Principal des IMAD-Instituts. Ihr Workshop mit dem Vokalensemble führte viele erstmals an traditionellen Gesang auf isiXhosa heran: eine Erfahrung, die das Verständnis von Musik als gemeinschaftliche Praxis nachhaltig erweiterte.
Cape Jazz als Herzstück
Den Cape Jazz erlebte das LJJB besonders intensiv mit Hilton Schilder. Der Pianist und Komponist gilt als eine der prägenden Persönlichkeiten dieser Tradition, die südafrikanische Folklore, Kirchenmusik und Jazz zu einer unverwechselbaren Klangsprache verbindet. Gemeinsam probte das Orchester seine Komposition „Duiwepiek“, die Julian Ritter, künstlerischer Leiter des LJJB, eigens für Big Band arrangiert hatte. Schilder zeigte sich begeistert vom Arrangement und der Musikalität des Orchesters. Höhepunkte waren das Doppelkonzert mit der SU Big Band in der „Endler Hall“ sowie das Abschlusskonzert beim „Cape Town Big Band Jazz Festival“ im Baxter Theatre, bei dem das LJJB gemeinsam mit Schilder auftrat und vom Publikum ebenso gefeiert wurde wie sein musikalischer Leiter Harald Rüschenbaum.
Musik als gesellschaftliche Praxis
Über die Konzerte hinaus machte die Reise die soziale Dimension musikalischen Handelns sichtbar. In der „Eluxolweni Primary School“ im Township Khayelitsha folgten auf ein kurzes Konzert gemeinsame Section-Proben, in denen voneinander gelernt wurde: vom Klick Song bis zum Jodler. Das gemeinsame Abschlusskonzert bewegte alle Beteiligten tief. Ebenso prägend war der Tag im Kulturzentrum „Guga S’Thebe“ im Township Langa. Dort arbeitete das Orchester mit einem Chor, aß typisch südafrikanisch, besuchte Ausstellungen und einen Djembe-Workshop, bevor ein öffentliches Konzert Menschen aus dem Township, Gäste aus Kapstadt und Touristinnen und Touristen zusammenführte.
Geschichte, die unter die Haut geht
Dass Musik in Südafrika untrennbar mit der Geschichte des Landes verbunden ist, erfuhren die Teilnehmenden am eindrücklichsten im „District Six Museum“. Die Auseinandersetzung mit Apartheid und Rassentrennung löste tiefe emotionale Reaktionen aus. Für viele gehörte dieser Besuch zu den prägendsten Erfahrungen der Reise; ein Gegenstück zu jenen Momenten, in denen 21 Jugendliche frühmorgens gemeinsam die Aussicht bis zum Kap der Guten Hoffnung teilten.
Institutioneller Widerhall
Auch auf politischer Ebene fand die Tournee Resonanz. Vertreterinnen und Vertreter des LJJB trafen die deutsche Generalkonsulin Tanja Werheit sowie Ricardo Mackenzie, Minister of Cultural Affairs and Sport des Western Cape. Im Mittelpunkt standen Perspektiven für künftige Austauschprogramme mit Partnern wie der Stellenbosch University, dem IMAD-Institut oder Initiativen wie „Jazz in the Native Yards“. Mackenzie sagte Unterstützung bei der Sponsorensuche zu und unterstrich die Bedeutung einer Kooperation zwischen Bayern und dem Western Cape.
Am 28. Mai endete die Reise, wie sie begonnen hatte; mit einer Geste der Verbundenheit. Zahlreiche Studierende der SU Big Band verabschiedeten das Orchester emotional am Flughafen.
Abschied unter Tränen
Die Tournee war ein großer künstlerischer und pädagogischer Erfolg. Das Orchester wurde von seinen südafrikanischen Partnern mit großer Wertschätzung aufgenommen. Zugleich entstanden Kontakte zu Hochschulen, kulturellen Institutionen und Initiativen, die den Grundstein für weitere Austauschprojekte zwischen Bayern und dem Western Cape legen. Die Reise hat nicht nur musikalisch beeindruckt, sondern auch langfristige Impulse für die internationale Arbeit des Landes-Jugendjazzorchesters Bayern gesetzt.
Für den Verband Bayerischer Sing-und Musikschulen als Träger des LJJB steht die Reise beispielhaft für das, was die Arbeit seiner Mitgliedsschulen ausmacht: Musik ist kein Privileg weniger, sondern eine Ausdrucksform, die allen Menschen offensteht. Wer von klein auf die Möglichkeit erhält, gemeinsam mit anderen zu musizieren, entwickelt nicht nur musikalische Fähigkeiten, sondern erlebt Gemeinschaft, Verantwortung und kulturelle Offenheit. Das Landes-Jugendjazzorchester Bayern macht diese Haltung weit über die Landesgrenzen hinaus sichtbar und trägt sie als musikalischer Botschafter Bayerns in die Welt.
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