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Musikschule © Werner Musterer

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Bis 2035 drohen tausende unbesetzte Stellen

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Wie der Fachkräftemangel die öffentlichen Musikschulen unter Druck setzt
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Die öffentlichen Musikschulen stehen vor einer doppelten Herausforderung: In den kommenden zehn Jahren er­reicht eine große Zahl von Lehrkräften das Renteneintrittsalter, zugleich sind Vakanzen und Abwanderung längst keine Ausnahme mehr. Eine Umfrage des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM) aus dem Herbst 2025 macht die Dimension sichtbar und liefert Daten, die in die „MIKADO-Musik“-Studie ein­geflossen sind. Beide Befunde zeigen: Ohne entschlossenes Gegensteuern drohen Angebotsverluste, noch län­gere Wartelisten und eine nachhaltige Schwächung der außerschulischen mu­sikalischen Bildung. 

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Renteneintritte als absehbarer Einschnitt 

Bis 2035 erreichen laut Umfrage durchschnittlich 16 Lehrkräfte pro Musikschule das Renteneintrittsal­ter. Hochgerechnet ergibt sich ein Be­darf an rund 14.700 neuen Musikschul­lehrkräften. Zu beachten ist, dass der fachspezifische Mangel in den einzel­nen Unterrichtsfächern insgesamt grö­ßer sichtbar werden kann als der rech­nerische Gesamtbedarf, da viele Lehr­kräfte mehrere Fächer abdecken und Engpässe daher parallel in mehreren Fächern auftreten. 

Diese Zahl ist nicht nur eine Per­sonalstatistik. Sie markiert einen tie­fen Einschnitt in der Kontinuität pä­dagogischer Arbeit, in gewachsenen Teamstrukturen und in der Verläss­lichkeit von Bildungsbiografien. Mu­sikschulen leben von langfristigen Be­ziehungen, von Qualitätsentwicklung im Kollegium und von der Fähigkeit, regionale Bildungsnetzwerke stabil zu tragen. Genau diese Stärken geraten unter Druck, wenn ein erheblicher Teil der Fachkräfte ersetzt werden muss und nochmals mehr, wenn Nachbe­setzungen aufgrund fehlender Nach­wuchskräfte nicht möglich sind. 

Einstiegs- und Breitenbereiche besonders gefährdet 

Auffällig ist die Lage in den Grund- und Elementarfächern. Insgesamt werden bis 2035 rund 4.600 Lehrkräfte in die­sen Bereichen das Renteneintrittsalter erreichen. Besonders betroffen sind die Musikalische Früherziehung und die Musikalische Grundausbildung mit je­weils knapp 1.500 Lehrkräften. Hin­zu kommen über 1.100 Lehrkräfte bei Angeboten für Kinder unter 4 Jahren, über 700 bei Singklassen sowie fast 680 beim Elementaren Musizieren mit Se­nioren. 

Damit sind ausgerechnet die Be­reiche besonders gefährdet, die Zu­gänge öffnen, Teilhabe sichern und die Grundlage für spätere Bildungswege in Instrumental- und Vokalfächern legen. Gefährdet werden dadurch ebenso die Kooperationsangebote mit Kindergär­ten und Grundschulen. 

Engpässe in nahezu allen Fächern 

Auch in den Instrumental- und Vokal­fächern zeigt sich ein flächiger Bedarf. Bei den Streichern werden bis 2035 insgesamt rund 3.200 Lehrkräfte das Renteneintrittsalter erreichen, darun­ter knapp 1.600 im Fach Violine, über 1.000 bei Viola und 820 bei Violoncello. Bei den Zupfinstrumenten liegt die Ge­samtsumme ebenfalls bei über 3.200, besonders betroffen sind Gitarre mit über 1.500 sowie E-Gitarre und E-Bass mit knapp 1.000 beziehungsweise 800 Lehrkräften. Bei den Holzblasinstru­menten summieren sich die Renten­eintritte auf rund 4.000, darunter gut 1.600 bei Blockflöte und fast 1.200 bei Querflöte. 

Bei den Blechblasinstrumenten sind es über 2.600 Lehrkräfte, bei Tastenin­strumenten über 3.900, dabei allein im Fach Klavier rund 2.800. Vokalfächer und Ergänzungsfächer sind ebenfalls deutlich betroffen, mit rund 1.600 be­ziehungsweise über 1.500 Lehrkräften. 

Diese Verteilung zeigt: Es geht nicht um vereinzelte Mangelfächer, sondern um eine flächige Verknappung über na­hezu das gesamte Angebotsspektrum. Das betrifft die Unterrichtsversorgung, aber ebenso Ensemblearbeit, Wettbe­werbsförderung, Kooperationen und innovative Formate. Selbst bei weni­ger nachgefragten Fächern und neuen Instrumentenprofilen zeichnet sich ab, dass regionale Engpässe je nach Bun­desland und Umfeld zunehmen kön­nen. 

Schon heute: Einschrän­kungen und Abwanderung 

Der Mangel ist bereits jetzt spürbar. An 49 Prozent der öffentlichen Musikschu­len konnten in den letzten drei Jahren Stellen nicht besetzt werden, Unter­richtsangebote mussten eingeschränkt werden. Besonders oft genannt werden der Elementarbereich sowie Holzblas­instrumente, daneben weitere Fach­gruppen und Kooperationen mit Kin­dertageseinrichtungen und allgemein­bildenden Schulen. 

Zusätzlich berichten fast 40 Prozent der Musikschulen von Abwanderung im letzten Jahr. Viele wechselten an all­gemeinbildende Schulen und in andere Berufsfelder. Damit verliert die Musik­schule nicht allein Unterrichtskapazität, sondern auch Erfahrungswissen, päda­gogische Spezialisierung und die Fähig­keit, Profile und Kooperationen dauer­haft zu tragen. 

Strukturelle Lücke 

Den auch in der „MIKADO-Musik“-Stu­die genannten rund 14.700 Rentenein­tritten bis 2035 stehen nur rund 4.000 Absolventinnen und Absolventen der Instrumental- und Vokalpädagogik so­wie der Elementaren Musikpädago­gik gegenüber. In der Folge könnten in zehn Jahren etwa drei Viertel der freien Stellen nicht mit entsprechend qualifizierten Musikschullehrkräften besetzt werden. Bei gleichzeitig stei­gender Nachfrage bedeutet dies, dass dann mindestens 500.000 Schülerinnen und Schüler keinen Musikschulunter­richt mehr erhalten können. 

Als Ursachen werden ein Bündel sich verstärkender Faktoren genannt: struk­turelle Bedingungen wie häufig unzu­reichende Vergütung, anspruchsvolle Arbeitszeiten und eine teils negative öffentliche Wahrnehmung sowie indi­viduelle Erwägungen wie berufliche Identifikation, Sichtbarkeit und der Wunsch nach mehr Autonomie. Die Um­frage des VdM belegt auch, dass Stellen an den öffentlichen Musikschulen be­reits heute nicht besetzt werden können und dass Abwanderung real stattfindet. 

Konsequenzen 

Öffentliche Musikschulen erfüllen mehr als Unterricht in Einzelfächern. Sie sichern musikalische Bildung als Teil öffentlicher Daseinsvorsorge, er­möglichen kulturelle Teilhabe, bauen Brücken in die kommunale Bildungs­landschaft und stützen das lokale Mu­sikleben vom Nachwuchs bis in die Amateurmusik und zahlreiche Ensem­bles. 

Wenn Personal fehlt, werden nicht nur Stundenpläne dünner. Gefährdet sind Kontinuität, soziale Reichweite und Qualität; es brechen tragende Struk­turen weg, die allgemeinbildende Schu­len nicht auffangen können. Kooperati­onen mit Kindertageseinrichtungen und Schulen, inklusive Angebote, Ensem­blearbeit, Begabtenförderung und neue Formate für gesellschaftliche Vielfalt sind besonders personalintensiv. Gera­de dort entstehen besonders Wirkung und Sichtbarkeit. 

Handlungsbedarf 

Notwendig sind daher rasch bessere Rahmenbedingungen: attraktivere Ar­beitsbedingungen, bedarfsabhängige Lohnzuschüsse in strukturschwachen Regionen und Förderprogramme zur Weiterqualifizierung, die klare Karrierepfade eröffnen. Ebenso braucht es eine systematische Nachwuchsgewin­nung, etwa durch Praktika und Mento­ring-Programme, mehr studienvorbe­reitende Angebote an Musikschulen, praxisorientierte Studienplätze mit besserer Ausstattung an Musikhoch­schulen sowie regionale Kooperationen zwischen Hochschulen und Mu­sikschulen. 

Die Lage ist nicht nur prognostisch, sie ist bereits Realität. Zur Sicherung der Zukunft der öffentlichen Musikschu­len mit ihrem wichtigen breiten quali­tätvollen Bildungsangebot und damit zur Sicherung der außerschulischen mu­sikalischen Bildung müssen die Bedin­gungen dafür geschaffen werden, dass genügend qualifizierte Lehrkräfte ge­wonnen, gehalten und weitergebildet werden können. Dazu braucht es die Be­teiligung der Kultusministerkonferenz, der kommunalen Arbeitgeber und der kommunalen Spitzenverbände, des Ver­bandes deutscher Musikschulen und der Rektorenkonferenz der deutschen Mu­sikhochschulen.

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