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Die Leiterin des Forschungsprojektes, Patrizia Bieber. Foto: Alexander Stoll

Die Leiterin des Forschungsprojektes, Patrizia Bieber. Foto: Alexander Stoll

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Der Blick hinter die Kulisse des Instrumentalunterrichts

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Studie zum Zusammenhang zwischen dem Mindset der Eltern und der musikalischen Entwicklung ihrer Kinder
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Die Ergebnisse dürften Einige über­raschen: Wie gut der Start am Instru­ment gelingt, scheint weniger vom familiären musikalischen Hintergrund oder der Übeintensität abzuhängen als bislang angenommen. Entschei­dend scheint vielmehr, wie Eltern über das Musizieren und ihre Rolle im Ver­lauf des Lernprozesses denken und wie sie ihr Kind im Alltag begleiten. Das zeigt das Forschungsprojekt ELEMUG (Einstellungen von Eltern und das Er­lernen eines Instruments im Grund­schulalter), das den Einfluss elterlicher Überzeugungen auf den Erwerb spiel­technisch-musikalischer Fertigkeiten bei Grundschulkindern untersuchte und im Rahmen einer Dissertation von Patrizia Bieber durchgeführt wurde. Die Leiterin des Forschungsprojektes ist selbst Musikschullehrkraft an einer VdM-Musikschule und wird ab Okto­ber an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien lehren. 

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Für die Studie wurden von 2021 bis 2023 insgesamt 358 Fami l ien an Grund- und Musikschulen in Baden- Württemberg untersucht. Der dor­tige Landesverband hatte seine Mit­gliedsmusikschulen zur Teilnahme an der Studie eingeladen. Neben ei­ner Querschnittserhebung wurde ins­besondere eine Längsschnittstudie durchgeführt, die Grundschulkinder im ersten Jahr ihres Instrumentalun­terrichts begleitete. Dabei wurden so­wohl die Überzeugungen der Eltern als auch die musikalische Entwick­lung der Kinder systematisch erfasst. 

Bedeutung der Eltern 

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Bereits der Beginn des Instrumen­talunterrichts steht in engem Zusam­menhang mit den Überzeugungen der Eltern. Neben der Bedeutung, die El­tern dem Musizieren für die Persön­lichkeitsbildung beimessen, scheint besonders ausschlaggebend, ob El­tern an das musikalische Potenzial ihres Kindes glauben. Diese Überzeu­gung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind ein Instrument erlernt, um ein Vielfaches – stärker als klas­sische Faktoren wie der Bildungs­hintergrund oder die generelle au­ßerschulische Aktivität eines Kindes. 

Vier Elterntypen 

Die Längsschnittstudie an 25 Mu­sikschulen in Baden-Württemberg identifizierte vier unterschiedliche Elterngruppen mit jeweils charak­teristischen Überzeugungsprofilen: kindzentrierte, unterstützende, laissez-faire-orientierte sowie kontrol­lierend-leistungsbezogene Eltern. Diese Unterschiede sind keineswegs nur theoretisch: Sie hängen unmittel­bar mit dem musikalischen Lernfort­schritt der Kinder zusammen. 

Unterstützen statt kontrollieren 

Die erfolgreichsten Kinder stammen, so zeigt die Erhebung, aus Familien, in denen Eltern eine aktive, aber fein­fühlige Rolle einnehmen. Diese soge­nannten „supportiven“ Eltern fühlen sich verantwortlich, unterstützen ihr Kind beim Üben und geben Struktur – ohne dabei übermäßig zu kontrol­lieren. Nach einem Jahr zeigten die­se Kinder deutlich höhere Werte in allen untersuchten Bereichen: Ent­wicklung am Instrument, Leistungs­stand, Beständigkeit im Üben, spezi­fische spieltechnisch-musikalische Fertigkeiten. Bemerkenswert: Weder die Übedauer noch die musikalische Expertise, das kulturelle Interesse und der Bildungshintergrund der El­tern erklärten diese Unterschiede. 

Die richtige Balance 

Ein entscheidender Faktor ist offen­bar die Balance zwischen Führung und Autonomie. Erfolgreiche Eltern, so legt die Studie nahe, begleiten ihre Kinder eng, schaffen eine posi­tive Lernatmosphäre und trauen ih­nen gleichzeitig Eigenständigkeit zu. 

Lernumfeld wichtiger 

Die Ergebnisse legen nahe, dass nicht einzelne Faktoren wie musikalische Expertise daheim oder Übeintensität über den Erfolg entscheiden, sondern die gesamte häusliche Lernumgebung und oft unbewusst auch die Überzeu­gungen der Eltern. Für die Praxis be­deute dies, so Patrizia Bieber: „Statt klassischer ‚Elternarbeit‘ braucht es echte Bildungspartnerschaften zwi­schen Lehrkräften und Familien. Ziel sollte es sein, Eltern besser zu verstehen und darauf aufbauend ge­meinsam optimale Lernbedingungen für Kinder zu schaffen.“ Das bedeu­tet für die Bildungsforscherin auch: „Wer Kinder beim Musizieren fördern will, sollte nicht nur auf das Kind und offensichtliche Rahmenbedingungen schauen, sondern auch auf das Mind­set der Eltern“. 

Um diesen Ansatz zu unterstützen, wird am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tü­bingen derzeit ein Elternfeedback- Tool entwickelt, das elterliche Über­zeugungen analysiert und individuelle Handlungsempfehlungen gibt. 

„Mit dem Eltern-Tool erhalten wir künftig eine praxisnahe Möglichkeit, Familien noch gezielter zu begleiten und die Bildungspartnerschaft zu stärken“, so Ingo Sadewasser, Vorsit­zender des Landesverbandes der Mu­sikschulen Baden-Württembergs. 

 

Das Tool soll noch im Laufe dieses Jahres auf der Website des Landes­verbands der Musikschulen Baden- Württembergs (www.musikschulen-bw.de) veröffentlicht werden. 

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